Waldkraiburg/Aschau – Samstagabend in einem Supermarkt: Tomaten gibt es noch reichlich, auch noch Salat und Kirschen. Die Auswahl an Obst und Gemüse ist groß – selbst kurz vor Ladenschluss. Damit ist klar: Viele der Lebensmittel können an diesem Tag nicht mehr verkauft werden. Was passiert mit den Lebensmitteln, die im Handel nicht mehr verkauft werden können?
Für viele der in Deutschland produzierten Lebensmittel gibt es am Ende nur einen Weg: in die Tonne. Mit rund sieben Millionen Tonnen stammt mehr als die Hälfte der Abfälle aus Haushalten. Nimmt man die Abfälle von Landwirten, Lebensmittelverarbeitern, Handel und Gastronomie hinzu, kommt man am Ende auf rund 13 Millionen Tonnen. Vieles davon müsste gar nicht auf dem Müll landen. Etwa 44 Prozent der Lebensmittel seien vermeidbar, heißt es in einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung.
Bäckerei hat keinen Warendruck
Zu viele nicht verkaufte Brote und Semmeln will auch Bäcker Martin Pötzsch vermeiden. „Wir versuchen, möglichst wenig Reste zu schaffen.“ Doch trotz Erfahrung gebe es Tage mit zu viel oder gar zu wenig Ware. Ein Vorteil: Die Bäckerei habe keinen Warendruck, daher müsse man bis Ladenschluss nicht alles vorrätig haben. Produkte, die getrocknet werden können, werden zu Tierfutter verarbeitet. „Unsere Stammkundschaft fragt auch nach, ob sie Brot oder Semmeln für ihre Tiere haben können.“ Nicht verkaufte Semmeln zum Beispiel könnten zu Semmelbröseln verarbeitet werden. Waren, die zu schimmeln beginnen könnten, landen am Ende in der grünen Tonne. „Da ist nichts anders zu machen.“
Auch in der Aschauer Bäckerei Greimel versucht man, nach Bedarf zu backen. „Wir haben keine Filiale zu beliefern und können daher direkt in den Laden arbeiten“, erklärt Stefan Greimel. Auch wenn sich gewisse Produkte steuern lassen würden, sei es dennoch an manchen Tagen schwierig zu kalkulieren. Was bis Ladenschluss nicht verkauft werden könne, das lassen sich die Tiere schmecken. Denn die Bäckerei ist eingetragen als Futtermittelhersteller. Der Anteil von nicht-verkauftem Süßgebäck sei so gering, dass es den Eigenbedarf deckt. „Bei uns landet nichts im Restmüll, sondern wird alles wiederverwertet.“
Keine Reste gibt es in der Metzgerei Pichlmeier. „Wir produzieren so, dass der Abverkauf da ist“, sagt Marianne Pichlmeier. Ende der Woche werde frisch fürs Wochenende produziert. Was am Samstag nicht verkauft werden könne, werde so gelagert, dass es frisch bleibe. Die Metzgerei schlachtet noch selbst, das Fleisch von Rindern und Schweinen werde von Kopf bis Fuß verarbeitet. „Es bleiben nur die Knochen übrig.“
Auch bei Edeka versucht man, die Waren so zu disponieren, dass möglichst wenig davon im Laden liegen bleibt. Doch: „80 Prozent der Kunden erwarten, dass viele Waren bis abends verfügbar sind“, sagt Geschäftsführer Georg Wittmann. Weil Supermärkte dafür verantwortlich seien, ihren Kunden einwandfreie Ware anzubieten, sei man auch teilweise gezwungen, Ware auszusortieren.
Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht sei, würden zu reduzierten Preisen angeboten. Was nicht verkauft werden kann, werde an die Tafel gespendet. Produkte mit Verbrauchsdatum dürfe man vom Gesetzgeber her auch an soziale Einrichtungen nicht mehr weitergeben. Auch verdorbene Ware landet am Ende in der Tonne. Insgesamt seien es etwa vier bis fünf Prozent der Waren. „Wir achten darauf, das zu minimieren, aber es lässt sich nicht immer verhindern“, sagt Wittmann.
Wie viele Lebensmittel in anderen Supermärkten in der Tonne landen – Lidl, Aldi und Co. halten sich bedeckt. Kaufland zum Beispiel weist auf eine Schwierigkeit hin: Die Nachfrage der Kunden ist „niemals zu hundert Prozent vorhersehbar“. Mit entsprechenden Bestellabläufen versuchen alle Lebensmittelketten, das Sortiment der Kundennachfrage anzupassen. Damit reduziere sich die Menge weggeworfener Ware. Beschädigte oder verdorbene Ware dürfe weder verkauft noch gespendet werden.
Bereits Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums reduzieren die Supermärkte die Lebensmittel im Preis. Daher sei die Menge, die entsorgt werden müsse, bei Lidl „sehr gering“. Was dennoch nicht verkauft werden kann, werde an die örtlichen Tafeln oder andere sozialen Einrichtungen gespendet. Die Aldi-Filiale in Waldkraiburg arbeitet mit dem Bayerischen Roten Kreuz zusammen, deren Mitarbeiter die Waren abholen. Lebensmittel, die samstags übrig geblieben seien, würden bis montags zur Abholung im Markt aufbewahrt.
Obst und Gemüse
mit Schönheitsfehlern
Netto versucht, seine Kunden für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren, und verkauft bei regelmäßigen Aktionen Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern. „Krumme Dinger“ gibt es auch bei Aldi zu kaufen – ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum sage nichts darüber aus, ob die Ware verdorben sei, wie Georg Wittmann sagt. Es brauche einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln. Denn immerhin stammt mehr als die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel von Privathaushalten.