Waldkraiburg – Die Erinnerungen an die Anfänge des Frauenfußballs in Waldkraiburg sind bei Inge Schnabl noch sehr lebendig. Selbst nach knapp 50 Jahren. Sie gehörte zu den Frauen, die in Waldkraiburg eine Frauenmannschaft gegründet haben – lange bevor es eine Nationalmannschaft gegeben hat. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hatte es 1955 den ihm angeschlossenen Vereinen sogar verboten, Frauenabteilungen zu gründen oder Sportstätten zur Verfügung zu stellen. Erst Ende 1970 hob der DFB das Verbot wieder auf. Zu dieser Zeit starteten auch die Waldkraiburger Damen durch.
Trainer musste
große Arbeit leisten
Dass Frauen um ihren Platz auf dem Rasen kämpfen müssen, Katharina Schmidinger kennt die Anfänge des Frauenfußballs nur aus Erzählungen. Als Kind beginnt sie in Jettenbach mit dem Fußballspielen, als sich dort wieder eine Jugendmannschaft gründet. Zunächst wird mit Jungs gemeinsam trainiert, später gibt es eine eigene Mädchenmannschaft.
Die Fußballkarriere von Inge Schnabl beginnt erst im Erwachsenenalter. 20 Jahre steht sie für den VfL Waldkraiburg zwischen den Pfosten. „Wir waren anfangs 15 bis 20 Frauen und unser Trainer musste große Arbeit leisten“, erinnert sie sich. Die sich auch gelohnt hat: „Unsere talentiertesten Spielerinnen wechselten zum FC Bayern.“ Sie selbst fasste nie einen Wechsel ins Auge. „Ich wollte Waldkraiburg nicht verlassen.“ Die Mannschaft hatte Erfolg, schaffte es bis in die Bayernliga – damals die höchste Liga. 1975 gelang sogar die bayerische Vizemeisterschaft.
Auch Katharina Schmidinger wollte nie weg aus Jettenbach, wo sie zehn Jahre als Stürmerin spielte. Aber der Reiz, in einer höheren Klasse zu spielen, war größer. Mit dem TV Altötting spielt sie in der Bezirksliga als Außenverteidigerin. Ihr Wissen als Stürmerin hilft ihr auf der neuen Position. „Ich weiß, wie ein Stürmer tickt, und kenne die Laufwege. Ich war schon gerne Stürmerin, hin und wieder darf ich vor.“
Gegen den FC Bayern auf dem Platz
Die Mannschaft um Inge Schnabl hatte anfangs zwar die Unterstützung vom Verein und von den Fußballmännern, aber die Zuschauer belächelten sie. Doch sie finden Akzeptanz. Mit 2000 Zuschauern in Waldkraiburg stellten sie sogar einen Stadionrekord auf.
Heute lächelt keiner mehr, wenn Katharina Schmidinger mit ihren Teamkolleginnen auf den Platz läuft. So wie sie Spiele von Bekannten verfolgt, kommen regelmäßig ihre Freunde an den Spielfeldrand. „Alle gehen normal damit um, dass ich Fußball spiele. Da hat es nie was gegeben“, sagt sie. Frauenfußball ist also längst in den Köpfen angekommen.
Spiele in Hamburg, Italien, Wien und Berlin – Inge Schnabl hat in vielen Stadien gespielt. Doch in ein Stadion schaffte sie es nicht: „Wir hätten einmal im Olympiastadion spielen können als Vorspiel zum DFB-Pokal. Aber der FC Bayern hat das Spiel abgesagt, weil zu viele Spielerinnen an dem Samstag hätten arbeiten müssen.“ So blieb nur am nächsten Tag ein Spiel auf dem Vorplatz.
Auch Katharina Schmidinger stand schon an der Säbener Straße gegen den FC Bayen auf dem Platz. Ein Spiel, das sie nicht missen möchte. Oder auch ein Spiel gegen den FC Ingolstadt, bei dem auch Spielerinnen aus der Bundesliga auf dem Platz waren. „Es ist einfach schön, gegen die zu spielen und zu wissen, mit denen mithalten zu können.“
Die Unterschiede zum Männerfußball? Männer und Damen könne man nicht miteinander vergleichen, meint die dritte Bürgermeisterin. Taktisch und technisch würden Frauen auf dem gleichen Niveau spielen wie Männer, ist Katharina Schmidinger überzeugt. Nur in Sachen Kraft und Kondition hätten Frauen angesichts ihrer Konstitution und ihres Körperbaus das Nachsehen. Große Unterschiede gibt es hingegen beim Finanziellen: Während im Männerfußball hohe Ablösen bezahlt werden, seien nicht mal viele Frauen Profifußballerinnen, sondern hätten nebenbei auch noch einen Job.
Manches hat sich selbst nach 50 Jahren nicht geändert. „Die Mannschaft verfolgt mit Ehrgeiz ein Ziel“, sagt die 21-Jährige. Jede kämpft für jede, man reiße andere mit. Der Teamgeist mache eine Mannschaft aus. „Es wird gemeinsam gekämpft und gefeiert“, bestätigt auch Inge Schnabl.
Wie weit schaffen es die Frauen bei der Weltmeisterschaft? Beide trauen dem Team den Titel zu – trotz holprigen Starts. „Aber sie dürfen ihren Gegner nicht unterschätzen und müssen hart an sich arbeiten“, sagt die ehemalige Torhüterin.