Jettenbach/Oberneukirchen – Das Naturschutzprojekt, das sich dank der Kooperation der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN), der Landwirtsfamilie Reißaus und dem Flächeneigentümer Graf zu Toerring-Jettenbach hervorragend entwickelt hat, hat im Vorjahr den zweiten Platz im Bayerischen Biodiversitätspreis sowie schon 2014 den Umweltpreis der Bayerischen Landesstiftung.
In einem für ganz Bayern modellhaften Weideprojekt im Landkreis Mühldorf zeigt der BN, wie eine Partnerschaft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zum Nutzen beider Seiten gestaltet werden kann. „Die Rettung der Artenvielfalt, tierschutzgerechte Fleischproduktion und Existenzsicherung für Bauern sind möglich, wenn Agrar- und Naturschutzpolitik die Weichen richtig stellen“, erörterte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner.
Das Kooperations-Beweidungsprojekt im Jettenbacher Talraum zeige seit 1996 – also über 20 Jahre – wie hier durch das Grasen der Rinder die Kulturlandschaft bereichert wird. Durch den ungleichmäßigen Fraß der Tiere entsteht ein vielfältiger Lebensraum. Die bunte Pflanzenwelt ist die Lebensgrundlage zahlreicher Tierarten. Seit 2011 kommen auf diesem Areal zusätzlich Wasserbüffel zum Einsatz.
„Die Beweidung zur Pflege des Talraumes hat sich sehr bewährt. Sie bewirkt zum Beispiel, dass die Gewässer nicht völlig mit Röhricht zuwachsen. Dadurch bleiben offene, sonnige Wasserflächen als Lebensraum für Amphibien und Libellen erhalten“, so Andreas Zahn vom Vorstand der Kreisgruppe. Wasserbüffel legen Suhlen an und wälzen sich im Sumpf. Sie können als „Bio-bagger“ die Verflachung und Verlandung der Tümpel verhindern und sogar neue Kleingewässer schaffen. „Fleischerzeugung und Landschaftspflege sind hier vereint. Zudem sind die Kuhfladen der McDonalds‘ für die Vögel: Maden und Mistkäfer holen sie sich hier raus“, scherzte Zahn.
„Dies ist ein Vorzeige-Projekt, das Wasser, Luft und Boden nicht schädigt und mit Naturschutz sogar Geld verdient werden kann. Hier ist Heimat auf dem Teller entstanden“, so Richard Mergner, der für solche Maßnahmen eine gerechte Förderung für wichtig hält. Auch Jettenbachs Bürgermeisterin Maria Maier lobte diese „Inseln in der Landschaft“ und freute sich, dass sie von der Bevölkerung gut angenommen werden und Spazierwege durchführen.
„Wir wussten damals nicht, was auf uns zukommt“, erzählt Matthias Reißaus, der mit seiner Frau Josefine seit 2013 das Wasserbüffelprojekt in Jettenbach betreibt. Neben den Büffeln stellen sie auch Jungrinder aus ihrem Biobetrieb für die Weide zur Verfügung. Inzwischen haben sie zehn Projekte mit dem Partner BN auf einem Weideland von knapp 50 Hektarn in den Landkreisen Mühldorf und Altötting übernommen. „Die Futterwertigkeit ist uns wichtig: Unsere Weidetiere fressen nur Gras. Neben vier Wasserbüffeln grasen derzeit auf der Sechs-Hektar-Fläche in Jettenbach noch sechs weibliche Jungrinder – eine Kreuzung Murnau-Werdenfelser (Kuh) und Fleckvieh (Stier).
Stundenlang suhlen die Büffel bei der aktuellen Hitze im Tümpel. „Durch ihre geringere Schweißdrüsendichte regenerieren sie hier ihre Körpertemperatur“, sagt Reißaus und gibt das Gewicht einer ausgewachsenen Büffelkuh mit 800 Kilogramm an. In den Weidemonaten sind nur die Tiere auf dem Reiserer-Hof, die bald kalben oder für die Vermarktung vorgesehen sind.
„In der Winterzeit sind bei uns rund 120 Rinder am Hof. Die Schlachtung findet generell am Hof statt. Wir liefern Qualitätsware.“ Mit Weidegang während der Vegetationsperiode, tiergerechten Stallungen wie Tretmiststall, Kompostmiststall und Außen-Liegeboxen mit großzügigen Laufhöfen für die Wintermonate gewährleistet die Biobauernhof hohe Ansprüche an Tierwohl und tiergerechter Haltung.
Das ist Familie Reißaus, die 2010 ihren Betrieb von der konventionellen Rinderhaltung auf Biohof und inzwischen auf naturschutzorientierte Beweidung umgestellt hat, wichtig. „Wir sind glücklich über den Erfolg“, so Matthias Reißaus, der mit seiner Frau nach dem Weideland-Besuch die Besucher durch den Reiserer-Hof in Oberneukirchen führte.