Tiki Taka

von Redaktion

Frauenfußball. Mein Gott, was haben sie gelacht, die Machos am Spielfeldrand. Besonders diejenigen, die selbst keine vernünftige Flanke schlagen konnten, haben sich lustig gemacht darüber, als das weibliche Geschlecht sich anschickte, in eine der letzten männlichen Domänen einzubrechen. Die Pionierinnen dieser Sportbewegung, unter ihnen auch einige aus Waldkraiburg, die in den 70er-Jahren sogar bayerischer Vizemeister wurden, werden sich in den Tagen der Frauenfußball-WM daran erinnern.

Heute schauen Millionen am Fernseher zu. Der Frauenfußball hat sich entwickelt. Und auch in den Köpfen hat sich was getan. Bei den meisten jedenfalls.

Auf einigen Spielfeldern des Lebens haben die Frauen den Spieß längst umgedreht. Auch wenn das noch nicht alle Männer bemerkt haben. Vor allem die, die selber keine Flanken schlagen können.

Gestern war wieder ein solcher Moment – bei der Verabschiedung des Abiturjahrgangs. In Waldkraiburg, und sehr wahrscheinlich nicht nur hier. Ein Tag, an dem die Frauen Tiki Taka spielten. Über 60 Prozent der erfolgreichen Absolventen: Frauen. Ihr Anteil an den Zeugnissen mit einer Eins vor dem Komma: 75 Prozent. Und in den Top-Seven der Schule wirkt der eine Abiturient (Respekt!) wie ein Exot allein unter Frauen.

Allzu lange, diese Prognose wagen wir jetzt mal, sollten auch die engmaschigsten männlich geprägten Netzwerke in leitenden Positionen nicht mehr halten. Die Fachleute im bayerischen Kultusministerium dürfen sich langsam Männerförderprogramme für die weiterführenden Schulen zurechtlegen…

Denn langjährige Erfahrungen sagen: Die Ergebnisse an der Realschule werden den Trend nicht brechen. Dort haben die Prüfungen zur Mittleren Reife gerade erst begonnen. Ausgerechnet in dieser heißesten Woche des Jahres. Die armen Realschüler. Vier Stunden schwitzten sie am Mittwoch über ihren Deutscharbeiten.

Eines der Erörterungsthemen: Was spricht für Elektrofahrräder? Was dagegen? Pro: Keine Frage bei diesen Außentemperaturen, der Fahrtwind. Und natürlich, dass jeder Kilometer zählt, beim Stadtradeln, bei dem auch Pedelecs zugelassen sind.

Bis 16. Juli beteiligt sich Waldkraiburg an dieser bundesweiten Aktion für die Umwelt, die Gesundheit und den Geldbeutel. Und es müsste, trotz Rekord-Temperaturen, mit dem Teufel zugehen, wenn das gemeinsame Ergebnis aus dem Vorjahr nicht getoppt werden sollte. Zusammen strampelten die Waldkraiburger Teilnehmer damals in drei Wochen mehr als einmal um den Erdball.

Da liegt die Latte beim Benefiz-Lauf für den Verein Sterntaler am nächsten Freitag höher. Die Marke von tausend Teilnehmern wollen die Veranstalter bei der zehnten Auflage erstmals knacken. Das wär‘s. Denn eine Rekordbeteiligung sorgt dafür, dass viele Sterntaler in die Kassen des Vereins gespült werden, der Familien und Kinder im ganzen Landkreis unterstützt.

Zurück zum Stadtradeln. Stadtrat Franz Belkot hat schon am Montagabend dafür trainiert. Erstmals kam er mit dem Radl zur Bierprobe für das Waldkraiburger Volksfest. Danach hätte er nach eigenem Bekunden fast nicht mehr nach Ebing heimgefunden. „So dunkel war‘s.“ Oder hatte es andere Gründe?

Jedenfalls kommen auch Kommunalpolitiker manchmal an ihre Grenzen. Um halb zwei war es bei Stadtrat Ulli Maier so weit. Er musste heim, „und ich war nicht der Letzte“.

Auch Bürgermeister Robert Pötzsch hat tags darauf im Finanzausschuss einen unmittelbaren Zusammenhang zur Dauer der Bierprobe hergestellt, als es am Ende der Sitzung außergewöhnlich wenige Anfragen der Stadträte gab. „Man merkt die Spuren des gestrigen Abends.“

Wie lange künftige Kommunalpolitiker bei solchen Gelegenheiten durchhalten, wird sich erst nach den Wahlen 2020 zeigen. Eins zeichnet sich beim Blick über den Zaun schon ab: In Aschau wird es einen spannenden Wahlkampf geben. Dort hat sich eine neue freie Liste konstituiert, die den etablierten Gruppen Konkurrenz machen will und einen anderen Politikstil und Formen der Bürgerbeteiligung propagiert.

Entfernt hört sich das nach Waldkraiburg, respektive UWG 2014 an. Ob das Projekt bei den Wahlen ähnlich erfolgreich abschneidet, das wird sich noch zeigen müssen.