Gars – „Sind Sie heute glücklich?“, fragte Schulleiter Gunter Fuchs seine Abiturienten, bevor er ihnen gestern bei der Abiturfeier in Gars ihre Reifezeugnisse aushändigte, und ergänzte: „Die Antwort kann jeder an Ihren Gesichtern ablesen… Wenn Sie heute nicht glücklich sind, wann dann?“
„Glück“ war Teil einer anspruchsvollen Abituraufgabe
In der Tat blickten ihn glückliche Gesichter von 41 Abiturientinnen und von 50 Abiturienten an. Damit war der Reigen von Festreden, musikalischen Darbietungen und einem sommerlichen Fest auf dem Gelände des Garser Gymnasiums, auf dem sichtbare Folgen von Abrissarbeiten schon auf den künftigen Neubau hinweisen, eröffnet.
Das „Glück“ war Gegenstand einer durchaus anspruchsvollen Abituraufgabe im Fach Deutsch, so der Schulleiter, was ihn auch veranlasste, diesem Thema in seiner Rede nachzugehen. Vor Abiturientinnen und Abiturienten und dem Publikum aus Eltern, Verwandten und Lehrern, entfaltete er Aspekte des Glücks, das als Zufall, als vorwiegend an Materiellem ausgerichtet oder als Bestandteil eines sinnvollen Lebens angesehen werden kann.
Frieden und Freiheit: Nichts ist
selbstverständlich
Glück oder Pech könne man beispielsweise auch bei der Aufgabenwahl in der Abiturprüfung gehabt haben. Manchmal könne man auch erst im Nachhinein feststellen, dass man in einer bestimmten Lebenssituation glücklich war. Zu erleben, welche Glückserfahrungen Schüler in China oder Indien haben, könne auch besser erkennen lassen, worin unser eigenes Glück bestehe. Schließlich seien Frieden und Freiheit keineswegs selbstverständliche Güter, vielmehr müsse man sich dafür einsetzen.
Klare Worte fand Fuchs angesichts besorgniserregender nationaler Egoismen und populistischer Spaltung in unversöhnliche Lager. Solchen Entwicklungen setzte er das christliche Motto einer indischen Schule entgegen: „Love your neighbour as yourself“ (Liebe deinen Nachbarn / Nächsten wie Dich selbst).
Nur die Erkenntnis, dass das Glück letztlich nur im gemeinsamen und solidarischen Handeln zu verwirklichen sei, schaffe Abhilfe, das hätten die Abiturienten im Leben selbst schon erfahren können. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung wollte er in diesem Kontext als positive Kraft zum gemeinsamen Umdenken verstanden wissen.
„Die Lehrer haben uns viel Sinnvolles beigebracht“
Als wäre es abgesprochen gewesen, forderte auch Eva Numberger, Vorsitzende des Elternbeirats, die Abiturienten auf, ihr Glück zu sehen, in ein gesichertes soziales Umfeld hineingeboren worden zu sein und den Wert von Rücksichtnahme, Verantwortung und Gemeinschaft nicht zu verkennen.
Günther Knoblauch, der seine Glückwünsche als stellvertretender Landrat überbrachte, bescheinigte den Lehrern hervorragende Arbeit und sprach auch die politischen Sorgen der Gegenwart an. Die jungen Leute stünden nach dem Abitur in „pole position“, dem Qualifying müsse jetzt das Rennen folgen. Selbst müsse man sich Ziele setzen, man dürfe sie nicht denen überlassen, die Demokratie und die Menschen nur benutzen wollten.
Gute Wünsche mit Ballons in den
Himmel gesandt
In gewohnt launigen und geistreichen Worten warb Josef Jäger, nun im zwölften und letzten Jahr Vorsitzender des Fördervereins, für die Unterstützung des Gymnasiums durch die künftigen „Schüler im Ruhestand“.
Sie sollten Toleranz, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit in die Zukunft mitnehmen und Hass und Zwietracht ins Leere laufen lassen. Dass ehemalige Lehrer und Schüler im Förderverein am gleichen Strang zögen sei ein Mehrwert, der die Jahresbeiträge bei Weitem übersteige, merkte er verschmitzt an.
Abiturientin Mona Schwarzenböck bedankte sich in ihrer mit viel Beifall bedachten Rede bei den Lehrern, die „viel Sinnvolles beigebracht“ und ihrem Jahrgang vielleicht auch geholfen hätten, „Existenzkrisen wie die des Faust“ zu überwinden.
Und Berufswünsche wie „Prinzessin“ hin zur „Tierärztin“ zu läutern. Wie sagte doch auch die Abiturientin Christina Eberl im vorausgegangenen ökumenischen Gottesdienst, in dessen Rahmen Ballons mit Wünschen „für unsere Zukunft und unsere Mitmenschen“ in den Himmel geschickt wurden: „Jeder soll für sich selbst einen Weg finden, einen, der für ihn richtig ist!“