Tierkrematorium: Konsens in Sicht

von Redaktion

In der Diskussion um das geplante Tierkrematorium in St. Erasmus zeichnet sich eine Lösung ab. Bei einem Informationsabend zeigte sich die Berndt GmbH zu Zugeständnissen bereit. Jetzt liegt der Ball bei der Stadt Waldkraiburg.

Waldkraiburg – Nach Bekanntwerden der Pläne für ein Tierkrematorium neben der Tierverwertungsanlage (TVA) in St. Erasmus kam Kritik von mehreren Seiten auf. Am Freitag saßen Betreiber, Vertreter der Stadt und Anwohner aus St. Erasmus zum ersten Mal gemeinsam zusammen und tauschten sich aus.

Dabei wurde eines schnell klar: Die Anwohner fühlten sich von den Plänen für ein Tierkrematorium überrumpelt. Sie hätten sich gewünscht, bereits im Vorfeld informiert zu werden. Rainer Berndt, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH, gestand ein, dass ein früherer Termin „besser gewesen“ wäre. Der Öffentlichkeit hätte man aber nichts verheimlichen wollen, wie technischer Leiter Bernhard Osterloher versicherte.

Berndt skizzierte anfangs die Eckpunkte des Tierkrematoriums: Die Anlage soll auf einem Grundstück hinter der TVA errichtet, das als landwirtschaftliche Fläche genutzt wird und von Bäumen eingewachsen ist. Die Halle habe eine Fläche von 475 Quadratmeter, die maximale Kapazität des Tierkrematoriums liegt bei 1100 Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: In der TVA ist eine Kapazität von 50000 Tonnen pro Jahr genehmigt. Aufgrund gesetzlicher Änderungen sei der Rohstoff in den vergangenen Jahren weniger geworden und liege nun bei 25000 Tonnen pro Jahr. Um den Betrieb für die Zukunft aufzustellen, will sich das Unternehmen mit einem Tierkrematorium ein zweites Standbein schaffen. Angestrebt sei, fünf Pferde pro Woche zu kremieren. Dazu kommen noch Sammelkremierungen von Kleintieren, die aber nicht einzeln angeliefert werden sollen. Dass damit die Verkehrsbelastung in St. Erasmus spürbar zunehme, schloss Berndt aus. Eine Verkehrszählung des Betriebs Anfang Juni sei zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen 7 und 10 Uhr 100 Lastwagen und Traktoren sowie 825 Autos die TVA passierten.

Ein Kritikpunkt ist der 27 Meter hohe Kamin, der etwa gleich hoch ist wie der Kamin an der TVA. Das Unternehmen hätte gerne einen zwölf Meter hohen Kamin geplant, der Umweltschutz verhindert das aber. Der Grund: Es darf kein zusätzlicher Stickstoff in das FFH-Gebiet Innauen eingebracht werden. Damit verbunden auch die Sorge der Anwohner über eine mögliche Belastung durch Abgase oder Gestank. Rainer Berndt versicherte, dass das Tierkrematorium nach den neuesten Emissionsschutz-Richtlinien errichtet werde, Beeinträchtigungen soll es keine geben.

Dass die Pläne für das Tierkrematorium so hohe Wellen schlägt, damit hätte bei der Berndt-Gruppe keiner gerechnet. Denn für das Grundstück weist der Flächennutzungsplan ein Sondergebiet für Tierkörperverwertung oder eine Biogasanlage aus. Die Dimensionen übersteigen die eines Tierkrematoriums deutlich. Von einem „Monster“ spricht selbst Co-Geschäftsführer Konrad Meier.

Bürgermeister Robert Pötzsch zeigte beide Seiten der Medaillen: Der Firma müsse man die Möglichkeit zum Überleben geben, den größten Nutzen gebe es aber nur mit dem größten Schutz für die Bürger.

Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung, umriss kurz, was auf der Fläche möglich ist. Der Flächennutzungsplan sieht an dieser Stelle neben einer Tierkörperverwertungsanlage auch eine Biogasanlage aus tierischen Abfällen vor. Mit einer Veränderungssperre könne die Firma in den nächsten vier Jahren nicht weiter planen, die Stadt müsse städtebauliche Ziele für das Grundstück festlegen.

„Wir werden nicht alles verhindern können“, machte er deutlich. Weil es Baurecht gebe, werde es wohl keine Grünfläche bleiben. Daher müsse man sich fragen: „Was ist einem lieber?“ Seine persönliche Meinung: Ein Tierkrematorium an der Stelle sei verträglicher.

Beim Blick auf die Pläne der vor Jahren genehmigten Biogasanlage und des beantragten Tierkrematoriums bewertete es der eine oder andere Anwohner ähnlich. Doch eine Sorge trieb sie weiter um: Was passiert mit der restlichen Fläche? Denn auf dem 15000 Quadratmeter großen Grundstück wird mit Tierkrematorium und Ausgleichsfläche nur knapp ein Drittel der Gesamtfläche verbraucht. Weder Stadt noch die Anwohner wollen neben einem möglichen Tierkrematorium eine Biogasanlage. „Die Stadt will das ausschließen, das ist unsere Zielsetzung“, sagte Schwunck auf eine Anfrage. Dazu ein Vorschlag von Stadträtin Susanne Engelmann: Das Tierkrematorium ermöglichen, über einen Bebauungsplan aber eine Biogasanlage ausschließen. „Das wäre ein guter Kompromiss für alle Seiten.“

Rainer Berndt und Konrad Meier, die ein vernünftiges Miteinander mit Anwohnern und der Stadt wollen, lag viel an einem Konsens. Dürfe das Tierkrematorium gebaut werden, würde das Unternehmen auf eine Erweiterung mit einer Biogasanlage verzichten. „Aber wir brauchen die Möglichkeit auf eine Erweiterung für die Tierkörperverwertung“, sagte Berndt. Eine solche ist aktuell aber nicht geplant.

Wie es mit dem Tierkrematorium weitergeht, darüber diskutiert der Stadtentwicklungsausschuss in seiner nächsten Sitzung. Diese beginnt am Mittwoch, 3. Juli, um 17.35 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

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