Waldkraiburg – Vieles beginnt im Kleinen – das trifft auch auf die Arbeit von Eva Habel zu. Anfangs gab es nur sie und den örtlichen Pfarrer, als sie in Schluckenau (Tschechien) beginnt, der Roma-Minderheit vor Ort zu helfen. 2008 brach sie ihre Zelte in Bayern ab und unterstützt seitdem Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Jetzt hat sie für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Als sie in Schluckenau ihre Arbeit als Pastoralreferentin aufnimmt, war die Situation „elend“. Ihre Hilfe wird dankend angenommen, auch wenn es ein Jahr dauerte, bis sie das Vertrauen gewinnen konnte. Es werden immer mehr Roma-Kinder, mit denen sie Arbeit.
„Es war schnell klar: Die Hilfe muss professioneller werden“, sagt Eva Habel rückblickend. Nur drei Jahre später bekommt sie den Auftrag des Bischofs von Leitmeritz, Jan Baxant, eine Gebiets-Caritas zu gründen. Mit viel Unterstützung – auch aus Deutschland – hat die Gebiets-Caritas in den vergangenen Jahren zwei Häuser gekauft, wo es verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche gibt. Auch Erwachsene holen sich hier Hilfe. 24 Angestellte arbeiten bei der Caritas, etwa die Hälfte gehört der Roma-Minderheit an.
Eva-Maria Habel kam in Kraiburg zur Welt und lebte in Waldkraiburg, bis sie 19 Jahre alt war. Nach ihrem Realschulabschluss machte sie eine Ausbildung als Erzieherin in Starkheim. Später holte sie in München ihr Abitur nach und studierte Volkskunde sowie deutsche und vergleichende Anthropologie. Die Tochter vertriebener Sudetendeutscher arbeitete zehn Jahre als Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in München – bis sie ihre Berufung fand, der Roma-Minderheit in Schluckenau zu helfen. Bis heute hat Eva Habel Verbindungen in ihre frühere Heimatstadt Waldkraiburg. Ihre Mutter lebt noch hier, die sie regelmäßig besucht.
In einem Kinder- und einem Jugendclub bietet die Caritas altersgemäße Angebote an. Hier können die Kinder zum Beispiel kochen und backen, basteln oder bekommen Unterstützung bei den Hausaufgaben. Kinder- und Jugendclub werden überwiegend von Roma-Kindern angenommen.
Drogen sind in der Region um Schluckenau allgegenwärtig. Nahe der deutsch-tschechischen Grenze gebe es viele Crystal-Meth-Küchen, um so wichtiger sei die präventive Arbeit. Viele Kinder kommen früh mit dem Thema in Berührung, weil deren Eltern drogenabhängig seien oder zum Beispiel Nadeln auf Spielplätze zu finden seien. „Wir wollen das Vertrauen der Kinder stärken, damit sie lernen „Nein“ zu sagen. Wir zeigen ihnen, dass sie sich nicht darauf einlassen sollen.“
Unterstützung brauchen auch Familien. Eva Habel kritisiert die Geschäftemacherei mit armen Leuten. „Es gibt kein Gesetz zum sozialen Wohnungsbau. Kommunen sind nicht gezwungen, Sozialwohnungen zu bauen.“ Es gebe keinen Mieterschutz. „Wir helfen den Menschen, damit sie ihre Wohnungen behalten können oder versuchen, dass sie irgendwo unterkommen.“ Auch bei der Suche nach einem Arbeitsplatz greift die Caritas unter die Arme, hilft bei der Bewerbung und begleitet die Menschen auch schon mal zu Vorstellungsgesprächen. Die Mühen zahlen sich aus: „Wir haben bislang mit 180 Leuten gearbeitet und bei vielen hat es geklappt“, freut sich die 61-Jährige.
Als sie nach Tschechien zog, waren etwa 70 bis 75 Prozent der Roma arbeitslos. „Jetzt sind es 30 Prozent. Ich habe oft gehört, dass die Roma nicht arbeiten wollen, aber das stimmt nicht.“ Es sind die schönen Seiten ihrer Arbeit, wenn es gelingt, dass mit ihrer Hilfe, Leute einen Arbeitsplatz finden und sich damit die wirtschaftliche Situation der Familien bessert.
Lange Zeit führte die Gebiets-Caritas einen Kindergarten. „Doch leider war die Finanzierung unsicher und so haben wir das Angebot vorläufig eingestellt“, sagt sie. Die Gebiets-Caritas ist auf Spenden angewiesen. Eine regelmäßige Unterstützung seitens der Diözesan-Caritas gebe es nicht, auch die Zuschüsse von unterschiedlichen Seiten decken nicht alle Kosten.
„Das Bundesverdienstkreuz ist eine große Anerkennung für das ganze Team. Viele haben treu mitgemacht und geholfen. Auch wenn es etwas ungerecht ist, dass nur ich die Auszeichnung bekomme.“ Ihre Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz sei eine Anerkennung ihrer mutigen und aufopferungsvollen, von vielen Menschen geschätzten karitativen Arbeit in Tschechien, heißt es in einer Mitteilung der deutschen Botschaft in Prag. „Daneben werden auch ihre Verdienste um die deutsch-tschechische Verständigung gewürdigt.“