Parkverbot statt -streifen

von Redaktion

So kann‘s gehen: Seit Monaten diskutieren die städtischen Gremien über einen zusätzlichen Parkstreifen am Waldfriedhof. Zehn Varianten wurden geprüft. Jetzt kommt die elfte, die billigste zum Tragen: Vorerst passiert nichts, außer einem Parkverbot.

Waldkraiburg – Einstimmig hat der Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen, die Pläne für einen zusätzlichen Parkstreifen am Waldfriedhof vorerst nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen wird auf der nördlichen Fahrbahnseite des Grünen Weges außerhalb der bestehenden Parkbuchten ein Parkverbot erlassen. In einem Jahr will man wieder schauen, was es gebracht hat.

Sogar Gustl Schenk stimmt Vorschlag der Verwaltung zu

„Wir können uns gratulieren, dass wir so lange diskutiert haben, bis wir so weit kommen, dass wir den Parkstreifen gar nicht brauchen.“ Diese Bemerkung konnte sich Gustl Schenk zwar nicht verkneifen. Doch am Ende stimmte auch der UWG-Stadtrat, der sich seit Jahren für einen zusätzlichen Parkstreifen stark macht, um das Parken bei großen oder mehreren Beerdigungen am Waldfriedhof sicherer zu machen, dem Vorschlag zu.

Dieser ist das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses, der mit einem Votum für Längsstellplätze gegenüber dem bestehenden Parkplatz des Waldfriedhofs begonnen hatte. Die Kosten für die damals favorisierte Variante von insgesamt sechs Möglichkeiten: 57000 Euro. Dann wurde die Forderung nach einem deutlich längeren Längsparkstreifen laut, der allerdings 119000 Euro kostet.

Verkehrsexperte

der Polizei stellte Parkstreifen in Frage

Bei einem Ortstermin kam neue Bewegung in die Diskussion. Der lange Längsparkstreifen wurde wegen des erheblichen Eingriffs in die Waldfläche des Grünen Rings verworfen. Und: Der Verkehrssachbearbeiter der Polizei meldete Bedenken an und stellte die Notwendigkeit des Parkstreifens überhaupt in Frage. Das ungeordnete Parken stelle noch die beste Form der Verkehrsberuhigung an dieser Stelle dar.

Die Polizei befürchtet nämlich, dass künftig mehr Friedhofsbesucher ihren Pkw bei der neuen ausgebauten Parkbucht gegenüber dem Waldfriedhof abstellen und ungesichert die Fahrbahn queren, als bisher am Fahrbahnrand. Diese Parkmöglichkeiten werden derzeit erfahrungsgemäß nur genutzt, wenn die bestehenden Parkplätze gegenüber belegt sind.

Laut Auskunft der Friedhofsverwaltung gibt es im Jahr etwa 20 bis 25 Bestattungen, bei denen die bestehenden Parkplätze ausgebucht sind. Nur an diesen Tagen sowie an Allerheiligen muss auf die Straße ausgewichen werden.

Aus drei Varianten hat der Ausschuss jetzt die vierte ausgewählt

Drei Varianten für jeweils 20 Parkstände kamen vor der Ausschusssitzung noch in Frage:

Variante 6: Längsparkplätze mit Zwischenstreifen: Rodungsfläche Rodung 325 Quadratmeter, 29 Bäume betroffen, geschätzte Baukosten: 57000 Euro zuzüglich Baunebenkosten und Ersatzaufforstung.

Variante 9: Schrägparkplätze mit Zwischenstreifen: Rodungsfläche 432 Quadratmeter, 18 Bäume betroffen, Baukoszten 100000 Euro plus Nebenkosten und Ersatzaufforstung.

Variante 10: Schrägparkstände mit Gehweg: Rodungsfläche 536 Quadratmeter, 24 Bäume, geschätzte Kosten: 132000 Euro.

Den Zuschlag bekam keine dieser Varianten, sondern der Status Quo plus Parkverbot: Die Parkmöglichkeiten auf der südlichen Fahrbahnseite des Grünen Wegs werden beibehalten. Gleichzeitig wird auf der nördlichen Seite der Fahrbahn für den Bereich zwischen Hermann-Löns-Straße und Marienburger Straße außerhalb der bestehenden Parkbuchten ein Parkverbot erlassen. Dieses einseitige Halteverbot soll verhindern, dass durch abgestellte Fahrzeuge auf beiden Seiten die Fahrbahn so verengt wird, dass ein Begegnungsverkehr nicht mehr möglich ist. Für diese Variante, die elfte seit Beginn des Diskussionsprozesses sprechen nicht zuletzt folgende Gesichtspunkte: Sie verbraucht keinen Quadratmeter Waldfläche. Und sie belastet den Haushalt nicht. Die Kosten für die Beschilderung sind gering.

Margit Roller verweist auf Widerstände

in der Bevölkerung

Umweltreferent Done Brunnhuber (UWG) begrüßte den Vorschlag der Verwaltung, „auch auf die Gefahr hin, dass mir der Gustl (Schenk; Anm. d. Red.) den Skalp nimmt“. Alex Will (SPD) schloss sich Brunnhuber an. Sein Vorschlag, zusätzliche Parkplätze im Bereich der Zufahrt zum Friedhof zu schaffen, wurde aber nicht weiter verfolgt. Es gehe ja nicht darum, mehr Stellplätze zu schaffen, so Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). „Das Thema war, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.“

Margit Roller (CSU) verwies auf die Stimmung in der Bevölkerung. Der Widerstand gegen einen Parkstreifen sei „riesengroß. Für diese Anzahl von Parkplätzen ist der Preis zu hoch. Da bewegen wir uns ja im Bereich von Tiefgaragen-Stellplätzen.“ Auch ihr Fraktionskollege Georg Ledig, der seine Idee von den Schrägparkplätzen verteidigte, weil sie weniger Bäume kosten, kann damit leben.

Gustl Schenk hält dagegen von Schrägparkplätzen nichts, weil sie mehr Grünfläche verbrauchen. Auch er trägt das Parkverbot auf Probe mit. „Vielleicht eine gute Idee.“

Christoph Vetter stimmte zu, bleibt aber skeptisch. Der UWG-Stadtrat favorisiert die Kombination aus Variante 6 (Längsparkplätze) plus Parkverbot. Langfristig werde es nicht ohne den Ausbau gehen, glaubt Vetter. „Wenn dort ein Halteverbot ist, muss es die Polizei sanktionieren, sonst hilft es doch nichts.“

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