Waldkraiburg/St. Erasmus – Es zeichnete sich schon bei der Informationsveranstaltung an der Tierverwertungsanlage (TVA) ab: Die Kritik am geplanten Tierkrematorium ist leiser geworden (wir berichteten). Denn wie es auch Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss auf den Punkt brachte: „Es gibt keine Möglichkeit, nichts zu machen.“ Denn auf dem Grundstück gibt es Baurecht. Der Flächennutzungsplan sieht dort eine Tierkörperverwertung oder eine Biogasanlage vor.
Weil die Auswirkungen auf das Dorf um ein Vielfaches größer wären, will die Stadt nun gegenüber der Regierung von Oberbayern eine positive Stellungnahme abgeben. Aber auch das Unternehmen geht einen Schritt auf die Anwohner zu.
In der vorherigen Sitzung brachte die Stadt noch einen Bebauungsplan für eine Biogasanlage samt Veränderungssperre ins Spiel. Doch davon nimmt die Stadt nun Abstand. Ein Tierkrematorium sei die „bessere Alternative“, sagte Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung. In einem Verfahren lasse sich ausschließen, dass auf dem 15000 Quadratmeter großen Grundstück beides verwirklicht werden – Tierkrematorium und Biogasanlage.
Eine solche Zusage hatten bei der Infoveranstaltung auch schon Rainer Berndt, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH, und Co-Geschäftsführer Konrad Meier gegeben. Die restliche Freifläche wolle man sich aber offen halten für eine mögliche Erweiterung der TVA. Vorstellbar sei die Produktion von Biodiesel aus tierischen Fetten. Hierfür würde es nur Produktionshallen mit Außentanks geben, aber keine weiteren Kamine. Der 27 Meter hohe Kamin am geplanten Tierkrematorium war ein Kritikpunkt bei Anwohnern, muss aber wegen gesetzlicher Vorgaben so hoch sein.
Das Gebäude soll sich laut Berndt in die Landschaft integrieren und entsprechend gestaltet werden. Denkbar sei eine Holzfassade, damit das Gebäude nicht den Charakter eines Industriebaus habe. Mit 475 Quadratmetern fällt das Tierkrematorium deutlich kleiner aus als eine Biogasanlage, die 2002 genehmigt worden sei. Diese hätte eine Grundfläche von 2100 Quadratmetern, zwei Kamine und hohe Türme. Diese wäre vermutlich auch gebaut worden, hätte das EEG auch für Biogas aus Tierkörpern gegolten, wie Berndt auf Anfrage von Annemarie Deschler (CSU) sagte. Berndt räumte auch ein, dass man die Einwände gegenüber einem Tierkrematorium aus der Bevölkerung so gar nicht bedacht hatte.
Nach Bekanntwerden der Pläne für ein Tierkrematorium hatten Bürger aus St. Erasmus Unterschriften gesammelt. Die Einwände gegen das Projekt konnten aber bei einem Gespräch mit dem Unternehmen und zuletzt beim Infoabend bei vielen Anwohnern ausgeräumt werden. Eine Einschätzung, die auch Done Brunnhuber (UWG) teilt. Trotzdem war es ihm wichtig, dass nicht zusätzlich eine Biogasanlage gebaut werden dürfe. „Das wäre extrem.“
Anton Sterr (CSU) stellte in den Raum, ob bei der Restfläche eine Ausgleichsfläche eingeplant werden soll oder eine Erweiterung auf der gesamten Fläche möglich sei. Überlegen musste Berndt nicht: Denn bei einer Erweiterung sei ohnehin eine Ausgleichsfläche nötig, die auch auf dem Grundstück liegen soll.
Auch bei den Stadträten zeichnete sich nach der Infoveranstaltung ein klareres Bild ab. „Ich hätte es mir etwas anderes vorgestellt“, sagte Richard Fischer (SPD). Für ihn sei die Stimmung positiv zu sehen. „Der Dialog hilft weiter.“
Die Darstellung habe gezeigt, dass das Tierkrematorium gar keine so große Anlage werde. „Man hat den Anwohnern die Angst genommen.“ Harald Jungbauer (CSU) brachte es auf den Punkt: „Transparenz ist das Zauberwort.“
Der Stadtentwicklungsausschuss einigte sich einstimmig darauf, gegenüber der Regierung von Oberbayern eine positive Stellungnahme zu verfassen, zugleich aber über einen Bebauungsplan zu regeln, dass auf der Restfläche keine Biogasanlage entstehen darf.
Eine Entscheidung, die auch Christian Meingaßner begrüßt. Er war einer der Mitinitiatoren der Unterschriftenliste. Wie er auf Nachfrage sagte, wäre es vermutlich gar nicht so weit gekommen, wenn die Anwohner zu einem viel früheren Zeitpunkt über die Pläne informiert worden wären.