Gars – Einen besonderen Festtag beging der Pfarrverband Gars und hatte dafür gleich mehrere Gründe: Zu feiern waren die 50-jährigen Priesterjubiläen der Redemptoristenpatres Alois Stautner und Dr. Joseph Mühlberger sowie das Pfarrfest, das bei Kaiserwetter so viele Besucher wie nie verbuchen konnte.
Ein Kirchenzug eröffnete die Feierlichkeiten: Mit Blasmusik, zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine und von Ehrengästen wurde Jubilar Pater Alois Stautner mit Konzelebranten und Altardienst in die bis auf den letzten Platz besetzte Pfarrkirche geleitet, wo ein feierlicher Gottesdienst stattfand.
In den Mittelpunkt seiner Festpredigt stellte Pfarrer Heinz Prechtl die mehrfache „Berufung“ der Jubilare: Für ihre Berufung zum Priester und Ordensmann sei die Berufung zum Menschen und zum Christen unabdingbare Voraussetzung. Ihnen sei es nicht um sich selbst gegangen, sondern um den „Aufbau des Reiches Christi“ in der Verwirklichung der Gnadengaben, die sie bekommen hätten. Wie der Prophet Elischa und der Jünger Jesu in Lesung und Evangelium hätten sie die eigenen Interessen zurückgestellt und seien Jesus nachgefolgt. Gott wolle Glauben, Vertrauen und die Bereitschaft zu dienen: Erkenntnis und Kraft, alles zu verwirklichen, gebe er dazu.
Kirchenchor unter
der Leitung von
Reinhold Schuhbeck
Am Ende des Gottesdienstes, der musikalisch umrahmt wurde durch Kirchenchor und Instrumentalisten unter der Leitung von Reinhold Schuhbeck, ergriff Pater Mühlberger das Wort und gab einen kleinen Einblick in seine 50 Jahre umfassende Arbeit als Seelsorger in Japan. Dekan Pater Ulrich Bednara, Bürgermeister Norbert Strahllechner und die Pfarrverbandsratsvorsitzende Petra Eder würdigten den Einsatz und die Verdienste der Jubilare und überreichten Präsente.
Dann trennten sich kurzzeitig die Wege der so Geehrten, die einst in Noviziat und Studium Kurskollegen waren: Pater Stautner wurde auf dem Pfarrfest im Hof des Pfarrheims mit Ständchen und Liedern bedacht, dabei stand er nicht zurück, sondern sang mit. Pater Mühlberger feierte währenddessen mit seinen zumeist weit angereisten Gästen im Kloster.
Am Rande des Festes beantwortete Pater Stautner einige Fragen zu seinem Werdegang: Im Jahr 1969 in Regensburg zum Priester geweiht, war er zunächst Kaplan in Trostberg, ein Jahr später Religionslehrer am Gymnasium und Präfekt im Schülerheim der Redemptoristen in Riedlingen. Innerhalb der folgenden 30 Jahre kehrte er nach anderen Aufgaben zwischendurch immer wieder dorthin zurück. 1972 absolvierte er in Köln-Porz eine Zusatzausbildung als Heimleiter.
Nach weiteren Jahren in Internat und Kloster Riedlingen arbeitete er ab 1978 in einem Seelsorgsteam beim Aufbau von Pfarrverbänden in Landau/Pfalz mit, bis er 1984 mit der Leitung des Tagungshauses St. Gerhard, in das das Internat in Riedlingen umgewandelt worden war, betraut wurde. Als dieses im Jahr 2000 aufgelöst wurde, übernahm er eine Stelle als Pfarrvikar in der Seelsorgseinheit Riedlingen. Von 2005 an war er für sechs Jahre Verwaltungsleiter im Kloster Gars und seitdem ist er auch in der Seelsorge des Pfarrverbands tätig.
Angesprochen auf das halbe Jahrhundert priesterlichen Dienstes, das hinter ihm liegt, erinnert sich Pater Stautner zuerst an die Umbrüche in Gesellschaft und Kirche, die die 1968er Jahre brachten und an das II. Vatikanische Konzil (1962 bis 1965), das den jungen Priester nachhaltig geprägt hat. Er erinnert sich an die Begeisterung, die von Papst Johannes XXIII., der ein Fenster in die Welt aufstoßen wollte, ausging und an die Liturgiereform, die die Landessprache in die Gottesdienste brachte. Ein besonderer Einschnitt für die damals noch zahlreichen, aus verschiedenen Ländern kommenden Theologiestudenten der Ordenshochschule Gars sei die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde gewesen, die das Kloster maßgeblich mitgestaltet habe. Der damit verbundene vermehrte Kontakt zur Bevölkerung, so Stautner, habe eine neue Offenheit begründet und sogar Ehen gestiftet, freilich nicht zur Freude älterer Patres.
Auch Pater Mühlberger nahm sich Zeit für ein Gespräch zu seiner Person und zu seinem fünfzigjährigen Wirken in Japan, das erst im Februar zu Ende ging. Frühe traumatische Erinnerungen hat er an die nächtliche Bombardierung des Rosenheimer Bahnhofs, die er als Kind erlebte. Prägend waren auch Erlebnisse wie Winternächte im Bunker oder Erfahrungen mit nationalsozialistisch-rassistischen Lehrern. Als junger Mann unternahm er große Reisen nach Frankreich und Italien, sie gingen seinem Noviziat und der Priesterweihe 1969 in Freising voraus. Sein Interesse an fremden Sprachen und Kulturen und eine Tätigkeit im Goetheinstitut Rosenheim führten schließlich dazu, dass er als Kaplan unter japanischer Leitung im Redemptoristenkloster Kagoshima tätig wurde. An einer Sprachenschule lernte er Japanisch, erteilte Katechismusunterricht sowie Deutschunterricht an der Universität. Schließlich wurde er zum Pfarrer ernannt, predigte, hielt Vorträge und organisierte einen Kindergarten. Gerne erinnert er sich an den von ihm gegründeten Kirchenchor: „Wir haben ‚Die Schöpfung‘ von Haydn einstudiert, es unterstützten mich Musikstudenten, denen ich Deutschunterricht gab.“ Wichtig war Pater Mühlberger die Begegnung mit praktizierenden Buddhisten: „Ich habe viele buddhistische Texte gelesen und Gemeinsamkeiten mit dem Alten Testament gefunden.“ Schließlich ging er für sieben Jahre nach Rom, wo er über Alexandro Valignano, einen frühen Japanmissionar, promovierte. Mission heißt für Pater Mühlberger „den Menschen das Herz für Gott zu öffnen“.
Durch die Taufe, die er immer nur als Einladung zu einer freien Entscheidung verstanden habe, lebe Gott im Menschen und könne in ihm tätig werden. Seelsorgliche Angebote seien oft über die Zeitung erfolgt, besonders viele Nichtchristen hätten sie besonders an Weihnachten gerne wahrgenommen.
70 Christen in acht Pfarreien bei Kagoshima
Als Pfarrer war der Pater aus kleinsten Anfängen heraus auch als Bauherr tätig. Heute seien etwa 870 Christen in acht Pfarreien in der Umgebung von Kagoshima eingeschrieben. Sehr gute Freunde habe er unter buddhistischen Mönchen, einer habe sogar seine Kinder in den Kindergarten der Redemptoristen geschickt. Als ein Kind zu Hause das Vaterunser betete, habe der Mönch auf die Frage, was er denn dann mache, gesagt: „Ich bin gerührt und bete mit.“
Als weiteres anschauliches Beispiel für die ihm so wichtige Inkulturation des Evangeliums erzählt der Pater schließlich eine Anekdote: Da ihm die Gongs, wie sie buddhistische Mönche in ihren Tempeln verwenden, so gefielen, setzte er einen von ihnen bei der Wandlung in der Messe ein. Daraufhin habe einmal eine 80-jährige Christin aus früherer Gewohnheit spontan gerufen: „Gepriesen sei der barmherzige Amida Buddha“, was ihr dann peinlich war – Pater Mühlberger jedoch quittierte es nachdenklich mit einem Lächeln…