Kraiburg – Eine fehlende Bank, wenig trittsichere Wege oder zu steile Anstiege – Senioren haben oft einen anderen Blickwinkel auf Gegebenheiten. Um deren Bedürfnisse zu berücksichtigen, hat Senioren- und Behinderten-Beauftragte Petra Jackl eine Ortsbegehung mit Senioren gemacht.
Ein anderer Blickpunkt
aus Sicht der Senioren
Gibt es in Kraiburg seit mehreren Jahren schon eine Senioren-Bürgerversammlung, so rief nun die Senioren- und Behinderten-Beauftragte Petra Jackl eine Ortsbegehung mit den älteren Marktbürgern ins Leben. Durch einige krankheits- und hitzebedingte Absagen ist dazu aber nur ein „kleines Grüppchen“ von drei älteren Damen zusammengekommen.
„Wir Gemeinderäte sind vielleicht an manchen Stellen und Schwachpunkten in der Marktgemeinde schon etwas betriebsblind geworden und sehen nicht, was eventuell verbessert werden sollte. Zudem bemerkt man vieles nicht, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Aus der Sicht von Senioren entsteht dann auch noch ein anderer Blickwinkel. Dazu sind wir heute unterwegs“, freute sich anfangs Petra Jackl. Schon beim Treffpunkt am Rathaus war ein Schandfleck sichtbar: Direkt vor dem Eingang eine ganze Menge Zigarettenkippen verstreut, daneben der Abfalleimer. „Solche Plätze sind an vielen Stellen und von weiterem Müll oder dem Hundekot gibt es ebenso genug“, beklagten die Seniorinnen. Zur Vermeidung solcher Missstände sei auch die Bevölkerung aufgerufen.
„Manche wissen nicht, dass es im Rathaus eine öffentliche Toilette gibt. Sie ist aber wahrscheinlich nur zugänglich, wenn auch das Rathaus offen ist – die Öffnungszeiten sollten angeschrieben werden“, sagte Jackl. „Der Zugang zum WC wie zum Rathaus ist nicht behindertengerecht ausgestattet“, sagten die Damen. Eine Überlegung wäre, eine Klingel mit Gegensprechanlage zu installieren, um beeinträchtigten Personen bei Bedarf zu helfen. Eine Idee, die Petra Jackl auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorbrachte. Im Gremium schilderte sie später von ihren Erfahrungen beim Spaziergang mit den Seniorinnen.
„Ein Geländer beim Stufen-Abgang hinter dem Bischof-Bernhard-Haus in Richtung Guttenburger Straße wäre notwendig und nachts ist es hier sehr dunkel“, wurde bemängelt. Auch eine Bank an dieser Stelle würde sich gut machen. Die Sträucher müssten zurückgeschnitten, das Pflaster an manchen Stellen ausgebessert werden.
„Der Aufstieg zum Friedhof ist halt immer noch beschwerlich. Auch wenn er vor ein paar Jahren betoniert worden ist, er wird trotzdem nicht flacher“, stellten die Damen fest und fänden zwischendrin eine Bank zum Ausrasten sinnvoll. Besonders bemängelt wurde von allen das Unkraut auf dem Friedhof, besonders an den Stellen, wo Gräber aufgegeben wurden.
Bus-Anbindungen
verbessern
Ein Punkt, der in der Gemeinde bereits bekannt ist. Wie Bürgermeister Herbert Heiml auf Nachfrage sagte, habe unerwartet der Friedhofswärter gekündigt, der Bauhof sei stark im Einsatz. Zu den aufgelassenen Gräbern erklärte er, dass dort Blühinseln entstehen sollen.
Auch mehr Zwischen- und befestigte Seitenwege würden den Friedhofsbesuch trittsicherer machen. Eine fehlende Bank unter der großen Linde oder die „unschönen Plastikblumen“ auf Gräbern gehörten zu den Negativpunkten, aber ein WC ist hier vorhanden.
Wie sieht es mit den Busverbindungen aus? Darum ging es an der letzten Besichtigungs-Station. Vor allem müsste eine größere leserliche Tafel (gegenüber der Au-Kapelle) angebracht werden und zudem wurde festgestellt, dass an Sonntagen kein Bus etwa zum Bahnhof nach Ampfing fährt. Dazu wurde ein „Ruf-Bus“ vorgeschlagen. Weil der Bus zu bestimmten Zeiten gegenüber der Apotheke abfährt, sei es eine Überlegung, die beiden Bushaltestellen zusammenzulegen. „Bei der Apotheke gibt es zudem ein Bushäuschen“, sagte Jackl auf Nachfrage. Einen entsprechenden Hinweis habe sie bereits ans Landratsamt gegeben. Gerade in der Diskussion um den Öffentlichen Nahverkehr sollte man versuchen, die Anbindungen zu verbessern.
Auch in Zukunft will Petra Jackl an einer Ortsbegehung durch Kraiburg mit Senioren festhalten. „Es war eine tolle Erfahrung, den Ort mit anderen Augen zu sehen. Selbst hat man sich an vieles gewöhnt.“ Es sei aber wichtig, die Erfahrungen der älteren Mitbürger zu machen.Christa Bachmaier