Aschau/Walkersaich – Es ist das Jahr 1945, nur noch wenige Tage bis Kriegsende. Nach dem Tod eines Soldaten ist eine Gedenkfeier. Es ist eine Szene, die sich vor 74 Jahren irgendwo in Deutschland abgespielt haben könnte. Doch die Szene ist real und nur wenige Wochen alt. Regisseur Christian Lerch hat kürzlich den Kinofilm „Das Glaszimmer“ in der Region gedreht.
Blechbläser
gesucht
Bei den Dreharbeiten waren auch Musiker der Blaskapelle Aschau, mit Unterstützung zweier Kollegen der Blaskapelle Wald an der Alz. Mitgemacht haben Franz Mitterberger, Hans Henke, Rudi Balhuber (alle drei Blaskapelle Aschau), Günter Matzner und Stefan Nuber (Wald an der Alz).
Die Produktionsfirma sei auf der Suche nach Blechbläsern gewesen und habe die Blaskapelle Aschau angeschrieben – so sei der Kontakt zustande gekommen, erzählt Hans Henke. Gesucht waren nämlich Blechbläser.
Eine einfache Aufgabe für Hans Henke, immerhin spielt er das Lied mittlerweile seit rund 50 Jahren bei Beerdigungen und Gedenkfeiern. Seit 60 Jahren ist der 74-Jährige Mitglied bei der Blaskapelle. Lange überlegen musste er und seine Kollegen nicht, bevor sie zusagten. Die einmalige Gelegenheit, bei der Produktion eines Kinofilms dabei zu sein, wollten sie sich nicht entgehen lassen.
Das Set war wie eine Reise in die Vergangenheit, die er selbst nicht bewusst erlebt hat. Henke kam gegen Ende des Krieges zur Welt, hat selbst keine Erinnerungen an die Zeit. Auch seine Eltern hätten nie viel über den Krieg erzählt. Bei den Dreharbeiten mitzuwirken, war, wie eine Zeitreise zu machen. Es hat ihm imponiert, dass alles so gewirkt habe, als befinde man sich tatsächlich in der Zeit um 1945. Dazu gehört auch entsprechende Kleidung. Am Set wurden alle Fünf erst einmal mit Klamotten eingekleidet aus der Zeit um 1945. Ihre erste Szene: Bei einer Gedenkfeier das Lied „Der gute Kamerad“ zu spielen. „Obwohl ich das Lied schon oft gespielt habe, war die Szene für mich ergreifend“, erinnert sich Hans Henke an die Dreharbeiten. Es sei ein ganz anderes Gefühl gewesen, als bei der Gedenkfeier eine Rede gehalten wurde. So, dass er sich in die Zeit hineinversetzte und darüber nachdenken musste. Das Gefühl legte sich aber, je öfter die Szene wiederholt werden musste.
Immer wieder heißt es warten, bis die Kameraeinstellung passt, bevor die Szene erneut gedreht wird. Bis abends sind die fünf Musiker als Komparsen im Einsatz. Zwischendurch heißt es auch: Neu einkleiden. Denn nicht nur als Musiker sind Hans Henke und seine Kollegen im Film später zu sehen. „In einer zweiten Szene sind wir als Bauern verkleidet, die auf einer Wiese stehen, als ein Ortsgruppenleiter vorbeikommt“, erzählt Hans Henke. Etwa 20 Leute spielen in dieser Szene mit.
Warten, bis die Einstellung passt
„Es hat mich gereizt, dabei zu sein und mitzuwirken. Es hat mir auch sehr gefallen. Aber ob ich es auch ein zweites Mal machen würde, das weiß ich nicht“, sagt Henke. Es sei auf alle Fälle eine Erfahrung wert gewesen.
Nach einem langen aber auch sehr interessanten und ereignisreichen Drehtag freuten sich die Musikanten nicht zuletzt auch darüber, einen Beitrag geleistet zu haben, die Jugend an eine Zeit zu erinnern, die nur noch in der Erinnerung ihrer Urgroßeltern lebendig sein dürfte.