Melonen sind der absolute Renner

von Redaktion

„Vor dem Unterricht gemeinsam mit Freunden frühstücken, das ist eine super Idee“, finden die Kinder der Übergangsklasse Deutsch der Liszt-Mittelschule. Jeden Mittwoch kommen sie deshalb zum Frühstück in den „Treffpunkt Miteinand“. Und nicht nur sie.

Waldkraiburg – Mittwochmorgen kurz nach 7 Uhr. In der kleinen Küche im ehemaligen Pfarrhaus Maria Schutz in Waldkraiburg-Süd herrscht geschäftiges Treiben. Maria Regler, Steffi Kulot und Wolfgang Unterforsthuber vom Pfarrgemeinderat schneiden Paprika, Gurken und Tomaten in handliche Stücke. Schnippeln Bananen, Birnen, Äpfel für den Obstsalat. Füllen den Brotkorb mit Fladenbrot. Stellen Butter und Käse bereit. Schneiden die Wassermelone in dünne Scheiben.

Alle Schüler
aller Schulen
sind eingeladen

„Melonen sind der absolute Renner“, wissen die drei. Sie kennen ihre „Kundschaft“ schon. Seit 22. Mai bietet der Pfarrgemeinderat Maria Schutz zusammen mit der Caritas jeden Mittwoch kostenlos ein gesundes Frühstück an. Es ist eines der ersten Projekte, die im neuen „Treffpunkt Miteinand“ der Caritas angelaufen sind. Alle Schüler, gleich welcher Schulart und welchen Alters, sind dazu willkommen. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

„Viele Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule.“ Maria Regler, die bis vor wenigen Jahren in der Mittelschule in Neumarkt-St. Veit Hauswirtschaft unterrichtete und auch für das dortige Schülercafé verantwortlich war, weiß, wovon sie spricht. „Aus Zeitmangel. Oft sind die Eltern am Morgen schon aus dem Haus und die Kinder müssen sich das Frühstück selbst richten.“ Und Wolfgang Unterforsthuber ergänzt: „Viele Kinder wissen gar nicht, was ein gesundes Frühstück ist.“

Das ist in Neumarkt so. Das ist in Waldkraiburg nicht anders. Und weil es nicht gut ist, mit einem leeren Magen in die Schule zu gehen, wurde im „Treffpunkt“ die Frühstücksaktion ins Leben gerufen. Dank verschiedener Lebensmittelspenden und weil bei der Dankandacht der Erstkommunionkinder aus dem ganzen Pfarrverband Waldkraiburg ein schöne Spendensumme zusammengekommen ist, kann das Frühstück kostenlos angeboten werden.

„Gesundes Frühstück. Wir versuchen es, aber Kaba muss sein“, sagt Kathrin Bauer aus dem Hintergrund. Bauer, die als Wohnungslotsin und Ehrenamtskoordinatorin bei der Caritas arbeitet und heute mithilft. Sie kümmert sich um die Getränke, kocht gerade Teewasser auf. Da stehen auch schon die ersten Schüler vor der Tür,

Während zwei Jugendliche gleich wieder kehrt machen, nur einer schnell ein Brot aus dem Brotkorb schnappt, treten Max und Paul zögernd ans Frühstücksbuffet, um sich was auf ihre Teller zu legen. Die beiden Brüder besuchen die Unterstufe des Gymnasiums und sind heute zum ersten Mal da. Im Elternportal der Schule hatte ihre Mama davon erfahren und auf dem Weg zur Arbeit hatte ihr Vater die beiden Buben vor dem Pfarrhaus abgesetzt. „Mmmh, gutes Fladenbrot“, finden sie. Nach kaum 15 Minuten bringen sie das benutzte Geschirr wieder zurück und verlassen das Pfarrhaus. Gut möglich, dass sie wiederkommen…

Die Übergangsklasse kommt jeden Mittwochmorgen

Die nächsten Besucher sind gewissermaßen Stammgäste. Schüler der 6d ÜG, also der Übergangsklasse Deutsch von der Mittelschule an der Franz-Liszt-Straße. An diesem Morgen sind es 15 Kinder und Jugendliche, zwischen zehn und 13 Jahren. Es waren auch schon 23, bunt zusammengewürfelt aus zehn Nationen, Mädchen und Buben von Nigeria bis Russland, von Rumänien bis Syrien.

„Wir haben diese Einladung bekommen, und wir nehmen sie gerne an“, sagt Lehrer Dominik Eckert. Zusammen mit seiner Kollegin Irena Lauxen hat er die Aufgabe, die Schüler innerhalb eines Jahres fit zu machen für den Besuch einer Regelklasse. Der Schlüssel ist die Kompetenz in der Muttersprache. „Wenn jemand schriftlich und mündlich gut Rumänisch oder Ungarisch kann, hat er gute Voraussetzungen, auch Deutsch zu lernen.“

Geduldig reihen sich die Kinder vor dem Buffet auf, warten bis sie dran sind, sagen „Bitte“, bedanken sich. Im Gemeinschaftsraum nebenan sitzen sie zusammen, essen, unterhalten sich über Schule, Fußball, Musik.

Gemeinsames Essen stärkt sprachliche und soziale Kompetenz

Die beiden Lehrkräfte sind froh, dass das Frühstück den Kindern außerhalb der Schule die Möglichkeit gibt, ihre sprachliche und soziale Kompetenz zu stärken. „Das Ganze ist sehr integrativ“, sagt Eckert. Die Schüler können viel lernen: höfliche Umgangsformen, Verhalten bei Tisch, deutsche Vokabeln für Essen und Speisen. Die Kärtchen, mit denen das ehrenamtliche Frühstücksteam alle Speisen auf Englisch beschriftet hat, braucht es längst nicht mehr. Und auch die Lehrer und das ehrenamtliche Frühstücksteam lernen was dazu: Müsli ist typisch deutsch. In anderen Ländern gehört das nicht selbstverständlich zu einem Frühstück.

Während die Schüler sich zum Abschluss Melonen oder Obstsalat schmecken lassen, packt das Frühstücksteam kleine Pausenpäckchen für sie zusammen. „Übrig bleibt nichts“, sagt Maria Regler.

So soll das auch im neuen Schuljahr bleiben. Dann geht es weiter mit dem kostenlosen Schülerfrühstück der Caritas und des Pfarrgemeinderates am Mittwoch ab 7 Uhr im ehemaligen Pfarrhaus. Schön wäre es, wenn noch mehr Ehrenamtliche mithelfen würden, Elternbeiräte zum Beispiel, findet das Frühstücksteam vom „Treffpunkt Miteinand“, zu dem auch Cornelia Zielinski gehört. Gerne dürfen dann auch Grundschüler und Realschüler kommen. Bislang gab es aus diesen Schulen noch keine Resonanz auf das Angebot.

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