Waldkraiburg – So viel ist klar: Mit dem Umzug der städtischen Kita Kunterbunt aus der Containeranlage am Kalander in die neuen Räume in der Haidaer Straße kommen im Herbst einige wenige Plätze hinzu. 24 Krippenplätze wie bisher und 80 statt 66 Kindergartenplätze stehen künftig dort zur Verfügung. Doch die reichen laut Stadtverwaltung nicht annähernd aus, um die Nachfrage zu decken. Die Container am Kalander, die einmal als Übergangslösung gedacht waren, werden also noch gebraucht, um den wachsenden Bedarf der nächsten Jahre decken zu können.
Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) skizzierte das weitere Vorgehen: Die bestehende Kita Kunterbunt zieht mit allen Kindern und Erziehern im Herbst um. Spielgeräte und Ausstattung verbleiben am Kalander, die Haidaer Straße wird neu ausgestattet, dafür gebe es auch Fördermittel. Die Kita am Kalander eröffnet in den Containern zunächst zwei Gruppen, die Stadt suche dafür bereits Personal. Bei Bedarf werden weitere Gruppen eröffnet und Personal eingestellt. Dies solle in Abstimmung mit den weiteren Trägern geschehen, damit alle Einrichtungen belegt sind.
Gleichzeitig laufen die Planungen für eine neue große städtische Einrichtung mit drei Krippengruppen, vier Kindergartengruppen und einer integrativen Gruppe. Auch ein Hort soll in dieser Einrichtung Platz finden.
Einstimmig hat der Stadtrat diese Eckpunkte abgesegnet. Vorausgegangen war allerdings eine engagierte Diskussion.
Ohne Pötzsch namentlich anzusprechen, warf Richard Fischer (SPD) dem Bürgermeister Versäumnisse vor. „Schon vor einem Jahr waren wir an dem Punkt, dass wir zu wenig Kita-Plätze haben. Schon vor einem Jahr wäre es notwendig gewesen, zu reagieren und bauliche Maßnahmen auf den Weg zu bringen“, sagte Fischer. Weil dies nicht geschehen sei und die Sanierung des SGF-Gebäudes in der Haidaer Straße nicht ausreiche, entstehen der Stadt laut Fischer zusätzliche Kosten, etwa durch die Container. Bei über 600 neuen Wohnungen, die gerade entstehen, werde der Zuzug anschwellen. „Von Jahr zu Jahr kommen wir da nicht mehr durch.“
Pötzsch wies die Kritik seines Stellvertreters zurück. „Wenn Sie uns Ihre Glaskugel leihen“, meinte er in Richtung Fischer, dann könne die Stadt Vorhersagen treffen, wie viele Plätze es braucht.“ Pötzsch: Es sei nicht möglich, über den Bedarf hinaus zu planen, „weil wir dafür keine Mittel kriegen“. Die Stadtverwaltung habe also „genau richtig“ gehandelt.
Karin Bressel (UWG), Referentin für Kultur und Bildung, warf die Frage auf, wie hart die Bedarfszahlen der Verwaltung sind. Sie habe in einer Umfrage bei den Kitas in der Stadt in der vergangenen Woche festgestellt, dass „es noch 16 freie Plätze gibt“. Die Stadt sei wegen der wachsenden Fluktuation in einer schwierigen Situation. „Die Verbundenheit mit dem Wohnort gibt es nicht mehr so. Die Leute ziehen der Arbeit nach.“ Bressel, die selbst einen evangelischen Kinderhort leitet, warnte im Blick auf die Auswirkungen auf andere Einrichtungen vor übereilten Entscheidungen. „Die große Einrichtung an der zentralen Stelle sehe ich nicht.“ Jetzt kommen mit dem Zuzug Kinder, aber in zehn Jahren sei es damit vorbei.
Martina Kainz, Leiterin des Sachgebiets Kinderbetreuung und Schulen im Rathaus, verteidigte die Zahlen. Ja, es gebe freie Plätze. Jeder Kindergarten halte Plätze für die Rücksteller frei, die im Oktober kommen. In der städtischen Kita seien es drei Plätze. „Die Kita Kunterbunt gibt es noch nicht mal ein Jahr, und schon ist sie voll.“ Acht Kinder stehen nach ihren Worten dort auf der Warteliste. Heuer gebe es 30 Korridorkinder in der Stadt, die aufgrund der flexiblen Einschulungsmöglichkeit von den Eltern zurückgestellt werden können. Und wenige Stunden vor der Sitzung habe sie eine E-mail aus einer kirchlichen Einrichtung erreicht, die derzeit noch Bedarf für zehn bis zwölf Krippenplätze hat. Das Landratsamt habe nach Krippenplätzen für drei Kinder von jungen Flüchtlingsmüttern gefragt, die einen speziellen Deutschkurs machen sollen. „Die Zuzügler kommen vom Einwohnermeldeamt direkt zu uns und erkundigen sich nach Betreuungsplätzen.“ Und im Herbst werde die A94 fertig. „Wir kriegen jetzt schon Anrufe aus München von Eltern, die dann ein Platz brauchen.“ Im nächsten Jahr komme der staatliche Zuschuss für Krippenkinder. „Auch da werden wir Probleme kriegen.“ Kainz wörtlich: „Ich mache das seit vielen Jahren, aber diese Situation habe ich so noch nicht erlebt. Ich bin mir fast sicher, dass in zwei Jahren die Container voll belegt sind. Dann werden wir uns mit der neuen Einrichtung beeilen müssen.“
2018 sei die Bedarfsplanung von Kainz „zu hundert Prozent eingetreten“, sagte Anton Sterr (CSU). Die Stadt reagiere auf die neue Bedarfsplanung. „Das ist gut so.“
Ähnlich äußerte sich seine Fraktionskollegin Charlotte Konrad (CSU), die einen katholischen Kindergarten leitet. Auch wenn niemand die genauen Zahlen kenne, die Stadt müsse jetzt die Weichen stellen. „Es gibt gute Zuschüsse. Alle Kommunen bauen und nutzen das Geld.“