Der Leseopa: Von Anfang an dabei

von Redaktion

„Es ist so schön, zu erleben, wenn ein Kind Fortschritte macht“, sagt Veit Bibo. Der 74-Jährige kennt diese Erfahrung vom Lesepatenprojekt der Grundschulen. Er ist einer der wenigen Männer und von Anfang an dabei, der „Leseopa“ aus Niederndorf.

Waldkraiburg – Der Aufruf des Seniorenbeirats in der Zeitung kam genau im richtigen Moment: Lesepaten gesucht! Veit Bibo hat sich angesprochen gefühlt. „Der Beginn meines Rentnerdaseins stand vor der Tür“, erinnert sich der heute 74-Jährige, der nicht rasten und rosten wollte, sondern weiterhin etwas Sinnvolles, Herausforderndes, Erfüllendes tun. Bibo fing an, Theater zu spielen, schloss sich der „Stadttheater-Truppe“ Waldkraiburg an, der er bis heute treu blieb und deren Vorsitzender er viele Jahre war. Er ist in einer Fotogruppe aktiv. Und er wurde Lesepate, um Kindern Lust am Lesen zu vermitteln. Bibo ist einer der wenigen Männer, die mitmachen.

Lesepaten: In zehn Jahren ehrenamtlich viele Tausend Stunden

„Ich hatte so viel Glück und Ausgeglichenheit in meinem Berufsleben als Ausbilder bei ‚Airbus‘. Da habe ich mir vorgenommen, Kindern, die sich nicht so leicht tun, zu helfen“, sagt der 74-Jährige. Einmal in der Woche liest er, meistens in der fünften oder sechsten Unterrichtsstunde gemeinsam mit einem Schüler. Die Kinder werden von den Klassleiterinnen ausgewählt, die Bücher kommen aus der Schulbibliothek. Mal liest der Schüler, mal der Leseopa. Und manchmal, so verrät Bibo, „hören wir eine Viertelstunde früher auf und ratschen“. Nicht immer läuft es gleich gut beim gemeinsamen Lesen. Dann hört der Leseopa zu, redet zu und erzählt, „dass ich auch mal Schüler war“. Bibo: „Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen.“

Manche Kinder hat er von der zweiten bis zur vierten Klasse begleitet. „Alle sind mir ans Herz gewachsen“, sagt der Niederndorfer, der selbst vier Kinder und fünf Enkel hat.

Bereut hat Veit Bibo es nicht, dass er vor zehn Jahren Lesepate wurde. Im Gegenteil. Leseopas und -omas bekommen so viel zurück. „Sehr gefreut hat mich der Brief eines Jungen, den er mit vielen Herzen umrahmte“, erzählt er. „Ich mag es, wenn ich in der Stadt auf ein Lesekind treffe, das mir schon von weitem zuruft: ‚Hallo, wie geht es Ihnen?‘“ Ein Erlebnis an der Beethovenschule ist ihm „besonders unter die Haut gegangen“.

Aus einem ganzen Rudel von Schülern heraus ertönte plötzlich eine Stimme: „Den möchte ich gerne als Lesepaten haben!“ Nicht nur die Schüler, auch Margit Lang, die scheidende Rektorin der Beethoven-Grundschule, ist mit dem Leseopa sehr zufrieden. „Er war von der ersten Stunde an als liebenswerter, zugänglicher Lesepate dabei!“, sagte Lang beim Sommerfest der Lesepaten und überreichte ihm einen Geschenkkorb. Alle anderen Lesepatinnen bekamen zum Abschied Rosen vom Seniorenbeirat.

Dieses Treffen

hat schon Tradition

Dieses Treffen hat schon Tradition: Wenn die Schulzeit langsam in die Ferienwochen hinüber gleitet, kommen die Lesepatinnen und -paten auf Einladung des Waldkraiburger Seniorenbeirats zusammen. Um allen Seniorinnen, die das Projekt unterstützen, ein großes Dankeschön zu sagen. Heuer schauten sie gemeinsam auf das erste Jahrzehnt zurück. Nachdem die Beethoven-Grundschule mit Rektorin Lang und Konrektorin Maria Hansmeier die ersten guten Erfahrungen gemacht hatte, zogen 2009, also vor zehn Jahren, die anderen drei Grundschulen in Waldkraiburg nach, mit Unterstützung des Seniorenbeirats um Erika Fischer und der damaligen Sozialreferentin des Stadtrates, Annemarie Deschler.

Über hundert Lesepaten, vor allem Frauen im Alter zwischen 60 und 80 plus, haben seitdem mitgeholfen. Längst haben sie zusammen viele Tausend ehrenamtliche Stunden für die Leseförderung geleistet. 55 Lesepatinnen und -paten waren in diesem Schuljahr im Einsatz. Und ganz bestimmt wird im September wieder ein Aufruf des Seniorenbeirats in der Zeitung stehen: Lesepaten gesucht!

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