Eine Familie – zwei Heimaten

von Redaktion

Interview Siebenbürger Sachsen: Was denkt die junge Generation über Tradition?

Waldkraiburg – Die Siebenbürger Sachsen sind ein fester Bestandteil Waldkraiburgs und natürlich auch des Volksfestzugs. Bis heute pflegen sie ihre Tradition, Feste und ihre Tracht. Aber was bedeutet das für die jüngere Generation? Manuela und Bernd Stein mit ihren Kindern Fabian (19) und Vanessa (9) geben Antworten.

Wie wichtig ist Ihnen der Bezug zur Heimat und Tradition der Siebenbürger Sachsen?

Bernd Stein: Streng genommen bin ich der Einzige in unserer Familie, der noch in Rumänien gelebt hat. Meine Eltern sind nach Waldkraiburg gekommen, als ich noch ein Kind war. Aber wenn ich heute gefragt werde, wo ich zu Hause bin, dann ist das ganz klar Waldkraiburg. Es existieren aber noch sehr viele Erinnerungen, und es ist einfach schön, diese mit all den anderen Mitgliedern im Verein zu teilen und die Traditionen weiterzuführen. Außerdem hat Heimat und Herkunft auch etwas mit einem Lebensgefühl zu tun, mit meiner Identität.

Manuela Stein: Ich bin ja eigentlich „nur“ über die Heirat zu den Siebenbürger Sachsen gekommen. Geboren und aufgewachsen bin ich in Burghausen. Aber mir hat von Anfang an gleich der Zusammenhalt unter den Siebenbürger Sachsen gefallen. Hinzu kommt, dass ich auch die Tracht wirklich gerne trage, auch wenn ich keine rumänischen Wurzeln habe.

Ärgert es Sie, dass man heute Trachten in jedem Discounter kaufen kann?

Manuela Stein: Nein. Das eine hat ja nicht wirklich etwas mit dem anderen zu tun.

Bernd Stein: Unsere Tracht kann man gar nicht einfach so kaufen. Sowohl die Kleider als auch die Hemden und Accessoires werden von Schneiderinnen in Handarbeit gefertigt. Es gibt auch einen eigenen Nähkreis.

Manuela Stein: Bei uns im Kleiderschrank hängen auch Lederhosen und Dirndl – eben auch typische bayerische Trachten. Und wenn Gäste, die nicht aus Bayern kommen, gerne Tracht tragen, dann ist das doch schön. Wobei ein echter Trachtler sich sicherlich nicht so „verkleidet“.

Und wie ist das für die jüngere Generation?

Fabian Stein: Ich bin mit meiner Familie quasi mit den Siebenbürger Sachsen groß geworden und als Kind stellt man das ja nicht infrage. Aber mir hat das ehrlich gesagt immer Spaß gemacht. Mittlerweile bin ich 19 und aus Überzeugung dabei. Wir haben unsere Treffen und die Tanzgruppen und können auch selbst viel organisieren. Aktuell rufen wir wieder eine Jugendtanzgruppe ins Leben. Eine Kindertanzgruppe gibt es auch. Andere engagieren sich in der Landjugend oder im Sportverein. Ich mich eben bei uns im Verein.

Bernd Stein: Aber generell ist es schon schwierig geworden, die Jugend für die Tradition zu begeistern. Ich denke, dafür gibt es einfach zu viele andere Aktivitäten und es fehlt auch der direkte Bezug.

Was für Aktivitäten gibt es hier in Waldkraiburg?

Fabian Stein: Als regelmäßige Termine gibt es unsere Vereinstreffen, dann unsere Tanzgruppen für Jugendliche, Erwachsene und Kinder. Wir organisieren aber auch viele Veranstaltungen, darunter das Kronenfest, unseren Faschingsball und den Kathreinerball im Haus der Kultur.

Bernd Stein: Wir nehmen aber auch überregional an Veranstaltungen teil, sind etwa dieses Jahr beim Heimattag in Dinkelsbühl mitmarschiert. Da geht es traditionell um die Pflege der Sitten und Gebräuche der alten Heimat.

Interview: Katharina Vähning

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