Gottwald: „Ein Schlag ins Gesicht“

von Redaktion

Gemeinderat Heftige Diskussion um Schließung des Bahnhaltepunktes in Mittergars

Gars – Bezüglich des Bahnhaltepunktes in Mittergars hat der Garser Gemeinderat in jüngster Sitzung klar Stellung bezogen. Die Mitglieder des Gremiums sprachen sich dafür aus, um dessen Erhalt zu kämpfen. Die Bahn hatte angekündigt, den Haltepunkt auf der Strecke zwischen Mühldorf und Rosenheim ab Dezember dieses Jahres aus dem Fahrplan zu nehmen (wie berichtet).

Bereits in der Bürgerfragestunde war Fritz Gottwald aus Mittergars sehr deutlich und emotional für den Erhalt der Bahnstation Mittergars eingetreten. „Sie sind Bürgermeister, nicht Bahnmeister!“, wandte Gottwald sich an Norbert Strahllechner (FWG). Dieser räumte dem Sprecher für Mittergars auch bei der Behandlung des Punktes mehrere Minuten Redezeit ein.

Bahn: Sanierung

des Bahnsteigs

wäre zu teuer

Ein Schlag ins Gesicht sei es, so Gottwald, wenn der Streckenbetreiber mangelnde Fahrgastzahlen als eines der Schließungsargumente heranziehe. „Wer in der Früh Mittergars mit dem Zug verlässt, hat am Abend keine Möglichkeit wieder nach Hause zu kommen.“ Es seien abends „unmögliche Haltezeiten“, welche die Mittergarser faktisch zwinge, Alternativen zu nutzen. „Nicht selten bleibt der Zug, trotz Handzeichen an den Zugführer und trotz eigentlicher Haltezeit an der Haltestation nicht stehen“, erläutert Gottwald. Ferner käme es beim Lösen von Fahrkarten, was in Mittergars nur beim Zugführer oder Schaffner möglich sei, immer wieder zu Problemen mit dem Bahnpersonal. Das trage dazu bei, dass die Mittergarser aktuell Alternativen bevorzugen müssten, obgleich sie sehr gerne auf das Angebot „Bahn“ zurückgreifen würden. Mittergars, mit derzeit rund 400 Einwohnern, befinde sich im Wachstum, ein Erhalt des Haltepunktes würde Kosten gerade auch für junge Familien senken, denn in der derzeitigen Situation sei ein Verzicht aufs Auto, wie von der Staatsregierung gewünscht, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, faktisch nicht möglich, so Gottwald.

Bereits im Vorfeld hatte sich Strahllechner mit den Verantwortlichen der Südostbayernbahn ausgetauscht und von dort eine schriftliche Stellungnahme erhalten. Darin wird auf notwendige Sanierungsarbeiten des Bahnsteigs, die mit rund 800000 zu Buche schlagen würden, verwiesen. Bei einer Bahnnutzung von im Regelfall vier bis maximal acht Personen täglich sei die aus Sicherheitsgründen notwendige Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar.

Der Betreiber würde allerdings keine Flächen veräußern oder Widmungen aufgeben, deshalb wäre es jederzeit möglich, den Haltepunkt wieder aufzunehmen. Aktuell aber würde der Betreiber ab Dezember 2019 in Mittergars keinen Halt mehr machen.

Bereits vor zehn Jahren, so Strahllechner weiter, hätten bei annähernd gleicher Situation Gespräche zwischen dem Streckenbetreiber, dem damaligen Vorstand des Mittergarser Dorfforums und der Gemeinde stattgefunden. Schon damals seien mangelnde Fahrgastzahlen vonseiten des Betreibers angeführt worden, die sich heute nicht spürbar gesteigert hätten. Während man in Gars Bahnhof stetig zunehmende Fahrgastzahlen verzeichne und dort die vorhandenen Park-&-Ride-Parkplätze, sowie die Fahrradständer und Mopedstellplätze erweitern müsse, würden in Mittergars die Zahlen stagnieren oder seien sogar eher rückläufig.

Für Gottwald eine logische Entwicklung in Anbetracht des aktuell sehr unattraktiven Angebotes vonseiten der Betreiber, die eben mit unattraktiven Fahrzeiten und einem unzuverlässigen Verhalten auffallen würden. So gelinge es nicht, die Mittergarser wieder in die Züge zu bekommen. Das dabei ganz nebenbei gegen bestehende Verträge verstoßen werde, sei ein weiteres Argument für den Erhalt der Haltestelle, so Gottwald.

Gemeinderat reagiert mit Unverständnis auf Entscheidung

Mit Unverständnis reagierten auch Teile des Gemeinderats auf den bevorstehenden Wegfall der Haltestelle. Einhellig schloss sich das Gremium dem Ansinnen der Mittergarser an, alle vorhandenen Mittel für den Erhalt der Haltestelle einzusetzen – wenn auch, wie der Bürgermeister betont, die Gemeinde auf Entscheidungen der Betreiber keinen Einfluss nehmen könne.

Kreisrat Anton Lentner (FW) bemerkte zum Vorschlag aus Reihen des Garser Gemeinderates, dass sich der Landkreis der Sache mit annehmen solle: Auf Kreisebene würden bezüglich der öffentlichen Verkehrsanbindung bereits Gespräche geführt, bei denen auch die Bahn mit am Tisch sitze. Lentner bemerkte, er werde versuchen, auf dieser Ebene für den Erhalt der Haltestelle zu werben und dabei „den nach wie vor gegebenen Bedarf der Mittergarser in den Mittelpunkt rücken“.

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