Waldkraiburg/Aschau – In der kommenden Woche werden zwei erfahrene Schulleiterinnen verabschiedet: Maria Hansmeier, Rektorin der Papst-Benedikt-Grundschule in Aschau, und Margit Lang, die seit 15 Jahren die Beethoven-Grundschule in Waldkraiburg leitet.
Wer kommt nach? Wie geht es an den Schulen weiter? Für Aschau zeichnet sich eine Besetzung der Rektorenstelle ab. Weil das Verfahren aber nicht abgeschlossen ist, die Widerspruchsfrist noch läuft, will Schulamtsdirektor Hans Wax keinen Namen nennen.
Auch Konrektorin verlässt die Schule
Für die Beethoven-Grundschule in Waldkraiburg, an der derzeit 190 Kinder unterrichtet werden, könnte er keinen Namen nennen. Denn auf die ersten Ausschreibungen hat es keine Bewerbungen gegeben. Und die Tatsache, dass an der Grundschule nicht nur die Rektorin in Ruhestand geht, sondern gleichzeitig die stellvertretende Schulleiterin Karina Graf nach einem Jahr als Konrektorin nach Niederbayern wechselt, sorgt für Unruhe an der Schule. „Beide Stellen sind ausgeschrieben“, sagt der Leiter des Staatlichen Schulamtes.
Rektorenstellen sind nicht mehr lukrativ
Warum ist es so schwierig, eine Schulleiterstelle zu besetzen? Die Aufgabe sei noch anspruchsvoller, die Bedingungen schwieriger geworden, findet Margit Lang. Schulleiter haben heute neue Aufgaben bei der Beurteilung von Lehrkräften und der schulinternen Fortbildung zu bewältigen. Die Erziehungsaufgaben werden immer größer. Es gibt zusätzliche Herausforderungen durch Inklusion und Migration, die Gespräche mit Eltern, manchmal über Sprachbarrieren hinweg, die Kontakte zu anderen Einrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten, dem Jugendamt erfordern immer mehr Zeit.
Mehrere Vakanzen
im Landkreis
Lehrkräfte und Schulleiter, die nicht namentlich genannt werden wollen, beklagen die wachsende Bürokratie, mit der sich Rektoren herumschlagen müssen, und die schlechte Bezahlung. Es fehle der finanzielle Anreiz. Der Gehaltsabstand zu einem normalen, guten Lehrer sei schlicht zu gering, um sich eine Schulleitung anzutun. Niemand müsse sich deshalb wundern, dass es immer mehr Vakanzen gibt und mehrmals ausgeschrieben werden müsse. Früher sei das die Ausnahme gewesen, heute die Regel.
Von einem allgemeinen Trend will Hans Wax dagegen nicht reden. Der Schulrat räumt allerdings ein, dass es „im Landkreis in den letzten zwei, drei Jahren“ mehrfach Schwierigkeiten bei der Besetzung gegeben habe. Wax: „Die Anforderungen an Schulleitungen werden immer größer und belastender. Da macht sich der oder die andere Gedanken: Kann ich das stemmen?“
Weil es keine Bewerbungen gab, blieben im Landkreis in der jüngeren Vergangenheit etwa die Rektorenstellen an der Grundschule in Neumarkt-St. Veit, an der Grund- und Mittelschule Buchbach und an der Liszt-Mittelschule in Waldkraiburg unbesetzt. Dort habe man Übergangsregelungen gefunden, so Wax. Konrektoren leiteten die Schule kommissarisch, in einem Fall übernahm die Leitungsfunktion die Rektorin der Nachbarschule.
Insgesamt waren laut Medienberichten in Bayern zum laufenden Schuljahr 642 Stellen für Rektoren oder Konrektoren an Volksschulen ausgeschrieben. Auf 235 bewarb sich nur eine Person. 30 Stellen interessierten niemanden.
Im Fall der Beethoven-Schule ist aus Sicht das Schulamtsdirektors noch „nichts aus der Zeit“, eine Besetzung sei durchaus noch möglich. Sollte dies nicht gelingen, „werden wir auch hier eine Lösung finden“, so Wax, der an der benachbarten Liszt-Mittelschule ein Problem weniger hat. Alexander Ruß, der die Schule seit einem Jahr kommissarisch leitete, ist zum 1. August als neuer Rektor bestellt.