Waldkraiburg – Der Aufschrei war groß in St. Erasmus, als die Pläne für ein Tierkrematorium hinter der Tierverwertungsanlage (TVA) bekannt wurden. Eine Unterschriftenliste mit 238 Unterzeichnern drückte deren Unmut allzu deutlich aus. Aus diesem Grund wollte die Regierung von Oberbayern ergebnisoffen mit den Betroffenen über das Vorhaben bei einem Erörterungstermin diskutieren. Gekommen von ihnen war aber niemand. Denn bereits im Vorfeld konnte die Berndt GmbH mit den Anwohnern viele Bedenken aus dem Weg räumen.
Nicht alle Einwände haben eine Basis
Es ging um Punkte wie Bedarf und Zweck des Vorhabens, Luft und Gerüche, Lärm und Landschaftsbild, worüber Karin Ströbel als Verhandlungsführerin für die Regierung von Oberbayern mit der Berndt GmbH sowie Vertretern vom Landesamt für Umwelt, Landratsamt Mühldorf, Stadt Waldkraiburg und Fachgutachtern diskutierte. Eine zentrale Frage bei den Einwendungen drehte sich darum, warum das Tierkrematorium in St. Erasmus gebaut werden müsse. Das Unternehmen hätte noch andere Standorte und warum ließe sich nicht das bestehende Tierkrematorium in München erweitert. Hier zeichnete sich ab, dass nicht alle Einwendungen eine Basis haben. „Die Standortauswahl wird nicht geprüft, das ist eine unternehmerische Entscheidung“, sagt Karin Ströbel.
Ein 27 Meter hoher Kamin, dazu noch mehr zusätzliche Fahrten durch den Ort – die Bürger fürchteten um die Lebensqualität in St. Erasmus. Der Ort ist ohnehin verkehrsgeplagt. Laut einer Verkehrszählung rollen jeden Tag 4763 Fahrzeuge durch den Ort. Die Berndt GmbH geht bei einer realen Auslastung von 25 An- und Abfahrten inklusive der Mitarbeiter aus, erklärte Rainer Berndt, geschäftsführender Gesellschafter. Bei einer Maximalauslastung seien es 50 An- und Abfahrten. Gutachter kommen zu dem Schluss, dass es keine unzumutbare Zusatzbelastung darstelle. Auch der Anlagenlärm sei kein Thema, da die Anlage zehn Dezibel unter den Richtwerten liege, wie Karin Schlögel sagte.
Keine nennenswerten Einschränkungen
Die kritisierte Kaminhöhe sei nicht auf Wunsch des Betreibers zustande gekommen, sondern wegen gesetzlicher Vorgaben nötig. Eine Geruchsbelästigung sei aufgrund einer Abgasreinigung nicht zu erwarten, genauso wenig wie von den angelieferten Tieren. Die Sammeltransporte für Kleintiere seien gekühlt, die Pferdetransporter nicht. Tiere, die aber schon vor längere Zeit verstorben oder biologisch angegriffen seien, würden nicht im Tierkrematorium verbrennt werden. Der Aufenthalt der verstorbenen Tiere sei gering, wie es hieß.
Im Hinblick auf eine künftige Bebauung in St. Erasmus müsse keine Rücksicht genommen werden. Denn mit der TVA gebe es bereits einen Betrieb mit einer deutlich größeren Kapazität, das Tierkrematorium würde nicht auf der „grünen Wiese“ entstehen. „Wenn es noch kein Bauland gibt, muss das rechtlich bei der Genehmigung nicht beachtet werden“, erklärte Karin Schlögel. Negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild werde ein Krematorium kaum haben, da es hinter Bäumen und Büschen verschwindet und nur vom Innkanal einzusehen sei, schilderte Osterloher. Der kritisierte Kamin werde auch nicht auffallen. Denn der TVA ist ein knapp 26 Meter hoher Kamin angegliedert, der nur von wenigen Blickwinkeln aus in Zusammenhang mit dem Kirchturm gebracht werden könne. „Der Kamin lässt sich bei Bedarf auch unauffällig gestalten“, wie Berndt anbot.
Die Situation in St. Erasmus soll sich nur unwesentlich verändern – so lautete der Tenor an einigen Punkten des Erörterungstermins. Denn ein Tierkrematorium werde im Vergleich zur TVA hinsichtlich Lärm, Geruch oder Landschaftsbild keine nennenswerten Einschränkungen nach sich ziehen.