Gars – Der Garser Kindergarten soll erweitert werden. Das wird teuer. Und auch die Bedarfszahlen sehen einige Gemeinderäte skeptisch. Doch die Zeit drängt, eine Entscheidung muss fallen, sollen nicht wichtige Zuschüsse flöten gehen.
Diplom-Ingenieur Stefan Hajek war von der Gemeinde beauftragt worden, einen bereits vorgelegten Plan für die Erweiterung des Kindergartens in abgespeckter Form vorzustellen. „Die Zeit drängt, wir müssen dazu heute einen Beschluss fassen“, leitete Bürgermeister Norbert Strahllechner (FWG) die Präsentation ein.
Insgesamt soll der Kindergarten von 108 auf 164 Kindergarten- und von derzeit 24 auf 60 Krippenplätze erweitert werden. Das soll durch den Abriss der alten Grundschule, mit einer vorübergehenden Containerlösung für maximal 18 Monate für die zwei, in der alten Grundschule derzeit untergebrachten Gruppen und einer teilweisen Einbeziehung des alten Bolzplatzes geschehen.
Rund 4,8 Millionen Euro, wovon die Gemeinde nach Abzug von Zuschüssen etwa 2,8 Millionen zu tragen hätte, stehen nach vorsichtigen Schätzungen vom Architektenbüro Hajek im Raum: „Derzeit sind Kostenschätzungen aufgrund der guten Konjunkturlage ein Blick in die Glaskugel“, erläutert der Architekt angesichts einiger Nachfragen von den Räten hinsichtlich der gewaltigen Summen und einer befürchteten Kostenexplosion.
Vorwurf der Salamitaktik
Uneinig ist sich der Rat – offensichtlich bemüht, die Kosten zu reduzieren – ob der Notwendigkeit eines Aufzuges, der mit 70 000 bis 80 000 Euro zu Buche schlagen würde. Hier stellt Strahllechner fest, dass mit Blick auf eine Chancengleichheit auf Barrierefreiheit zu achten sei. „Wir können und wollen künftige Erzieher und Erzieherinnen mit Handicap nicht ausschließen.“
Bedarfszahlen
infrage gestellt
Anton Lentner (FW) stellt hingegen den Bedarf von künftig 60 Kinderkrippenplätze infrage, aktuell seinen nach seinem Wissensstand die vorhandenen 24 nicht ausgelastet. Gabi Grundner (FW) würde angesichts der erheblichen Kosteneinsparung und eines sich gegebenenfalls wieder ändernden Bedarfs eine dauerhafte Containerlösung bevorzugen. Michael Kasenbacher (CSU) macht deutlich, dass man in der Gemeinde Wachstum wünsche und ansonsten weitere Altenheime bauen sollte.
Hinsichtlich der Neuunterbringung des Familienstützpunktes im Anbau wurden die Kosten erörtert. Bürgermeister Strahllechner stellte klar, dass Gars eine familienfreundliche Gemeinde sei und die Kosten dafür von der Gemeinde zu tragen seien. Den Stützpunkt im bisherigen Bau zu belassen, würde zudem die Baukosten nicht verringern.
Michael Inninger (CSU) ist, wie der Rat insgesamt, von den Planungen des Architektenbüros überzeugt, stellt aber die Frage in den Raum, ob beim Eintreffen einer Kostenexplosion weitere Einsparungen möglich wären. Hajek verdeutlichte, dass noch geringfügig Potenzial für Einsparungen vorhanden sei, welche aber den Gesamtumfang des Projektes nur minimalst verringern würden. In Gars sei man in der glücklichen Lage auf qualifizierte Unternehmen aus der Gemeinde und dem Umland bauen zu können, die schon in der Vergangenheit hohe fachliche Kompetenz zu moderaten Preisen bewiesen hätten, stellte der Architekt fest,
Anton Lentner (FW) sprach von einer Salamitaktik „Nur spärlich sind Informationen geflossen und nun soll man praktisch aus dem Stand über derart hohe Investitionen entscheiden“, ärgerte er sich. Dem widersprach Strahllechner, der klarstellte, dass bereits seit geraumer Zeit der Rat in die Planungen involviert sei, dieser auch zwei Kindergärten zur Anschauung besucht habe. Seither habe es zudem eine Sondersitzung gegeben. Nun sei es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, um derzeit noch mögliche Zuschüsse zu beantragen. Die Frist dazu laufe Ende Juli aus.
Mit zwei Gegenstimmen von Anton Lentner und Gabi Grundner beauftragte der Gemeinderat das Architektenbüro, eine europaweite Ausschreibung vorzubereiten.