Waldkraiburg – „Das Volksfest ist beliebt“ – keine Frage für Schaustellersprecher Max Fahrenschon. Aber aus Sicht der Schausteller besteht Handlungsbedarf. Bei der „Ladies Night“ und mit den Gratisaktionen zum Kinderfestzug würden sie sich unter Wert verkaufen.
Beide Aktionen seien vor rund 17 Jahren nach Gesprächen mit der Stadt ins Leben gerufen worden, um wochentags das Volksfest zu beleben. Nur einen Euro bezahlt eine Frau bei der „Ladies Night“ an den Fahrgeschäften. Bei einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Männern und Frauen lohne sich das Geschäft. Doch das hat sich geändert: „Jetzt kommen etwa nur noch 90 Prozent Mädels“, sagte Fahrenschon bei der Wiesnbesprechung zur Halbzeit. Man müsse daher überlegen, ob man nach 17 Jahren die Fahrpreise anpasse oder die Kollegen selber entscheiden lasse, zu welchen Preisen sie eine Fahrt anbieten. Die Aktion an sich stehe für die Schausteller nicht zur Debatte, aber es „muss im Rahmen bleiben“. Bereits beim Wiesnauszug hatten die Schausteller wie in den Vorjahren Freichips verteilt, heuer im Wert von rund 2000 Euro.
Forderung: „Es muss im Rahmen bleiben.“
Auch das ursprüngliche Konzept des Kinderfestzuges geht aus ihrer Sicht seit einigen Jahren nicht mehr auf. „Der Gedanke war, dass die Kinder mit ihren Familien nach dem Festzug noch bleiben, aber das tun die wenigsten“, sagt Fahrenschon. Die Kinder würden ihre Gratisaktionen einlösen, dann aber vom Festplatz verschwinden. Die Frage ist also: Wie kann man beide Aktionen so anpassen, dass sie für alle Beteiligten passen?
„Kinderfestzug, Ladies Night – wir wollen das beibehalten, aber es sollte anders gemacht werden“, schlug Fahrenschon vor. Zum Beispiel könne man überlegen, das Alter für die Gratisaktion am Kinderfestzug auf zehn Jahre herabzusetzen. Oder es gebe nur noch Vergünstigungen, aber keine Gratisfahrten. „Wir sind gerne bereit, Aktionen für sozial Schwächere zu machen. Aber es braucht einen gesunden Mittelweg.“
Die Ansicht bekräftigte auch Schausteller Alwin Zinnecker. „Wir sollten uns nicht unter Wert verkaufen.“ Dieses Gefühl habe man aber in Waldkraiburg. Familien würden Geld bringen, beim Kinderfestzug seien aber mittlerweile überwiegend Jugendgruppen. „Dreist, frech, unverschämt“ – so würden manche Jugendliche gegenüber den Schaustellern auftreten. Man müsse verstärkt Kindergruppen aufs Volksfest führen, lautete sein Vorschlag. Die Stadt wolle ein tolles Volksfest, die Schausteller wollen Geld verdienen. „Es wäre schade, wenn ein Fahrgeschäft wegbleibt, weil es sich nicht mehr lohnt“, sagte Zinnecker.
Familien anlocken, ohne Anreize zu bieten? Ein Spagat, der nach Ansicht von Volksfestorganisator Norbert Meindl nicht einfach ist. Er ging davon aus, dass die Besucherzahlen am eher schwachen Donnerstag zulegen durch das gute Musikprogramm in den Festzelten. „Ich bin überzeugt, dass der Kinderfestzug etwas bringt.“ Er signalisierte aber Bereitschaft, an kleinen Stellschrauben zu drehen. Er sicherte den Schaustellern auch Rückendeckung zu: „Wer sich nicht benimmt, dem kann die Karte vom Kinderfestzug abgenommen werden.“
Als Bäckermeister verstehe er, dass die Schausteller, sich nicht unter Wert verkaufen wollen, so Bürgermeister Robert Pötzsch. Vielmehr beschäftigte ihn aber die Diskussion zur Zukunft des Festplatzes. Eingangs hatte Max Fahrenschon Bedenken geäußert, dass es Begehrlichkeiten für den Festplatz gebe. „Wie geht‘s weiter?“ Er warnte davor, den Festplatz zugunsten einer Bebauung aufzugeben und an den Stadtrand zu verlagern. „Das Volksfest soll Treffpunkt bleiben.“ Diese Ansicht teilt auch Pötzsch. „Das Volksfest ist ein Ort der Begegnung und wir werden an dem Platz auch in Zukunft festhalten wollen.“