Waldkraiburg – 174 Schüler aus sieben 10. Klassen haben an der Realschule Waldkraiburg das Abschlusszeugnis der mittleren Reife erhalten – davon 43 mit einer Eins vor dem Komma. Erneut feierte die Schule wegen der großen Schülerzahl an zwei Tagen und mit verschiedenen Ehrengästen den Abschluss in der Schulaula.
Der Diakon rät zum „Sunday for Future“
Im ökumenischen Gottesdienst in der Kirche Maria Schutz räumten Zehntklässler symbolisch Steine aus dem Weg, die sich im Lauf der Schulzeit angesammelt hatten. „Wir alle müssen Steinhalden ersetzen durch Blumenwiesen, nicht nur wegen des Bienenvolksbegehrens“, so Diakon Manfred Scharnagl, „einen ‚Sunday for Future‘ sollten wir begehen, der uns aus unseren vorgegebenen Mustern ausbrechen und Gemeinschaft erleben lässt“.
Dieser Gedanke tauchte immer wieder in der Feier in der Realschulaula auf. Stellvertretender Landrat Alfred Lantenhammer bewies in humorvoller Weise, dass auch er so manchen Stein hatte aus dem Weg räumen und Erfahrungen machen müssen.
In 43 Zeugnissen eine Eins vor dem Komma
„Als ehemaliger Realschüler fragte ich mich zum Beispiel oft: Ist es so wichtig zu wissen, warum eine Parabel von einer Geraden durchschnitten werden muss? Doch immer wieder stellte sich heraus: Das meiste Erlernte ist recht brauchbar. Setzt Euer Wissen ein, verwirklicht Ideen, denn gerade unser südostbayerisches Gebiet ist eine Zukunftsregion!“
Einen ähnlichen Weg zeigte Bürgermeister Robert Pötzsch auf, als er von Xavier Naidoos Song ausging „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Bei den Schritten vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zum Realschulabschluss habe sich immer wieder bewiesen: Der Weg ist steinig und schwer. „Aber immer wieder werdet Ihr die Erfahrung machen: Manche treten, manche lieben Dich, aber dieses Leben bietet Euch noch so viel mehr.“
Sinngemäß konnte Elternbeiratsvorsitzender Peter Zinn mit Mark Twains Ausspruch anknüpfen: „Zum Erfolg gibt es leider keinen Lift, man muss die Treppe nehmen.“ Die prägenden Lebenssituationen ähneln sich doch sehr: Aus dem Klassenzimmer werden Werkstätten oder Büros. „Und mit Eurem Realschulabschluss könnt Ihr auch die zukünftigen Stufen schaffen.“
Dass dieser Jahrgang ein besonderer ist, bewiesen nicht nur die 43 Einserschüler, 29 Mädchen und 14 Burschen. Die gesamte Gestaltung der Abschlussfeier lag in den Händen der Absolventen.
Einen humorvollen Rückblick auf die „10.-Klass-Rabaukengeneration“ gaben die Schülersprecher Sabina Karlin und Silvio Mertin, indem sie den einzelnen Wahlpflichtfächerklassen deren besondere Stärken zuordneten. „Im Mathe-Zweig der 10a saßen 28 Jungen und drei Mädchen, die Franzosen in der 10e zeichnete ihre Vorliebe für Croissants aus, die 10f und 10g fuhrwerkten liebend gern mit Säge und Hammer und die, welche nix davon konnten, die in der 10b und 10d, befassten sich mit BWR.“
Bayerisch beschwingt leitete die Tanzlmusi über zur Ehrung der Schulbesten, denen Rektor Werner Groß mit seinen Glückwünschen auch einen „Waldkraiburger“ zum Shoppen in der Stadt überreichte.
Schule ist mehr
als nur Paukerei
In seinen Abschiedsworten ging der Schulleiter von den zu Ende gehenden sechs Realschuljahren aus: „Nur 16 von Euch legten in dieser Zeit eine kreative Pause ein und verlängerten den Aufenthalt um ein Jahr. Insgesamt aber habt Ihr alle immer wieder erlebt, dass Schule mehr ist als nur Paukerei.“ In Gruppen lernten die Schüler Teamfähigkeit und bewiesen ihre Leistungsbereitschaft. „Wie sonst wären die hervorragenden Ergebnisse möglich gewesen? Eure Spuren habt Ihr sicher als Tutoren oder Schulsanitäter hinterlassen.“
Nach der Zeugnisverteilung präsentierten die Klassen humorvolle Beiträge, so die 10b ihre „Zwangsehe“, die 10e veranstaltete ein Beruferaten, die 10d nahm als „Edelsteinschleiferei“ Abschied und die 10e spielte ihren Schulalltag nach.