Wahrscheinlich weiß keiner so viel über das Volksfest in Waldkraiburg wie Dieter Rilke. In 50 Jahren hat er so manchen Bürgermeister überdauert, Polizeichefs kommen und gehen sehen. 46 Jahre hat er als Schaustellersprecher die Anliegen seiner Kollegen vertreten. Jetzt ist für ihn Schluss. „Man sieht sich sicher irgendwann wieder“, ist er überzeugt. Aber er hat sich nicht ohne mahnende Worte verabschiedet: Bürgermeister und Stadträte müssten mit ihrem Besuch zeigen: „Das ist unser Volksfest.“
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Ein halbes Jahrhundert haben sie noch nicht geschafft. Doch schon seit 30 Jahren steht der „Softeis-Wagen“ der Familie Zinnecker auf dem Volksfest. Vor 13 Jahren haben Romano und Melanie das Geschäft von seinen Großeltern übernommen. Mit dem Waldkraiburger Volksfest verbindet die beiden viel. „Am 12. Juli vor 19 Jahren haben wir uns hier kennengelernt. Es hat gleich gefunkt, erzählen sie. 2004 wurde geheiratet. Und mit den Kindern Michelle und Leon steht vielleicht schon die nächste „Softeis-Zinnecker-Generation“ in den Startlöchern. Ein weiteres Jubiläum, 20 Jahre, feiert der Dönerstand von Isi Akbulut auf der Wiesn.
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Stefan Süße ist kein Volksfestveteran. Doch so lange ist der Leiter des Bürgermeisterbüros im Rathaus mit dabei, dass sich die Frage fast aufdrängt: Wo bleibt die Lederhosn? Heuer kam der Wahl-Waldkraiburger, der aus Potsdam stammt, wieder mit der Jeans. Einmal habe er schon einen Versuch daheim gemacht, mit der Lederhosn seines Schwiegervaters, plaudert seine Frau aus dem Nähkästchen. „Aber nicht in der Öffentlichkeit“, stellt Süße klar.
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So oft war Aschaus Bürgermeister Alois Salzeder schon lange nicht mehr auf dem Waldkraiburger Volksfest wie heuer. Sogar am ersten Tag war er dabei. Wie kommt’s? „Meine Abschiedstour“, sagt Salzeder, der im März nicht mehr antritt, lachend. Die Abschiedstour geht schon in dieser Woche weiter: Am Donnerstag beginnt das Aschauer Sommerfest, das letzte in seiner Amtszeit. Noch einmal darf Salzeder beim Ozapfa zuschlagen.
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Muss er mit Entzugserscheinungen rechnen? Waldkraiburgs Altbürgermeister Siegfried Klika, ein erfahrener und versierter Anzapfer, der es also wissen muss, winkt auf die Frage, ob es ihn noch jucken würde, ab. „Na, i schlag daheim zu“, sagt er. Und ergänzt nach einer kurzen Pause: „Im Garten. Aba i treff noch immer.“
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Apropos: Die wenigsten wissen, dass Klika einmal selbst ein passionierter Boxer war, also seine Freude dran hat, dass heuer wieder ein Volksfest-Boxkampf auf dem Programm stand. Niklas Krieger (blaues Trikot; Foto: Stuffer) feierte ein gelungenes Comeback: Der einstige deutsche Meister und Bundesliga-Boxer siegte bei seinem 99. (!) Kampf im Schwergewicht der Männer gegen Ditina Thoma vom Boxclub Wörgl.hi/hg