Das Aschauer Lied blüht wieder auf

von Redaktion

Vor 70 Jahren ist es erstmals erklungen: das Aschauer Heimatlied. Georg Urzinger, der gemeinsam mit dem späteren Papst Benedikt XVI. in Freising studierte, hat ihn geschrieben, den Text, der die Sehnsucht eines Kriegsheimkehrers nach dem heimatlichen Dorf atmet.

Aschau – Diesmal sollte es etwas Besonderes als Zugabe sein. Das hatte sich Wolfgang Duschek für das Jahreskonzert der Blaskapelle vorgenommen. Eine Überraschung sollte es sein. Zusammen mit dem Projektchor von Otto Stimmer führte die Kapelle das Aschauer Heimatlied auf. Vor allem ältere Aschauer waren begeistert. Duschek hatte es selbst schon im Chor von Otto Stimmer gesungen, ein schweres Stück, Und eines, das zuletzt nur noch sehr selten gespielt und gesungen wurde.

Aus Dankbarkeit, dem Grauen des Krieges entkommen zu sein

Georg Urzinger, ein gebürtiger Aschauer aus Moos, hatte den Text zum Aschauer Heimatlied 1947 geschrieben – aus Dankbarkeit dafür, dass er das Grauen des Zweiten Weltkrieges in Russland überlebt hatte.

Urzinger wurde am 27. April 1923 geboren und besuchte ab 1936 das Erzbischöfliche Knabenseminar in Scheyern. Damit war sein Weg zum späteren Priester vorgezeichnet. Doch wie so viele andere Priesteramtskandidaten wurde auch er eingezogen, musste den Krieg mitmachen.

Nach seiner glücklichen Heimkehr hat er Aschau, sein Heimatdorf, mit anderen Augen gesehen, „mit vertiefter Wertschätzung“, wie er selber schreibt. „Immer wieder hatte ich damals ein beglückendes Erlebnis, wenn ich von der Aussichtsbank vor dem Waldrand hinter dem Himmelsberg auf das Dorf, seine Flur und seine Hügelkette blickte. Von diesem Aussichtspunkt aus sieht und kann man erleben, was ich empfand und in den vier Strophen des Aschauer Liedes zum Ausdruck brachte.“

Mit dem späteren Papst Benedikt in Freising studiert

Bis heute steht das Bankerl auf dem „Himmelsberg“ zwischen Kemating und Waldwinkel, der heute besser als Hörmannsberg bekannt ist. Dort saß Urzinger, als er das Lied schrieb, wie Altbürgermeister Josef Huber weiß, der den Verfasser des Heimatliedes gut kannte. Ein kleines Schild ist auf der Bank angebracht, das darauf hinweist, dass hier das Heimatlied entstanden ist.

Sein Verfasser hat in dieser Zeit an der philosophisch-theologischen Hochschule Freising studiert, wo er in den Jahren 1946 und 1947 auch auf Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI. traf, der ebenfalls in Freising Student war. 1951 wurde Georg Urzinger im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Acht Jahre lang war er Kaplan in der Pfarrei Maria Schutz in München. Von 1959 bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1994 amtierte er als Pfarrer in München-St. Leonhard. Am 26. Juni 2003 ist er verstorben.

Weniger ist von dem Komponisten Eigner bekannt, er war von 1962 bis 1986 Pfarrer in Dorfen und belebte die dortige Marienwallfahrt wieder.

Der Redemptoristenpater Hans Pfeilstetter aus Gars zeichnete für die grafische Gestaltung des Liedes verantwortlich. Man kann die Aschauer Kirche, eine Marienfigur mit Jesuskind und Naturszenen, darauf erkennen. Pfeilstetter, ein Onkel von Kathi Stimmer-Salzeder, die sich als Schöpferin unzähliger geistlicher Lieder einen Namen gemacht hat, und ihres Bruders Otto Stimmer, hat später auch ein Buch über die Seligsprechung von Kaspar Stanggassinger aus Gars geschrieben.

Erstmals öffentlich zu hören war das Aschauer Lied bei einem regionalen Treffen der katholischen Landjugend im Jahre 1949, vor 70 Jahren also. Ein Singkreis, den der damalige Theologiestudent Georg Urzinger anregte und während der Semesterferien leitete, hatte es einstudiert. Heute wird es nur noch selten, etwa bei Jubiläen oder sonstigen Festlichkeiten aufgeführt.

Der Text des Aschauer Heimatliedes im Wortlaut:

1. Strophe: Es liegt ein Dorf am Hügelrand, gar freundlich hingebreitet und ringsum leuchtet grün das Land als wie zum Fest bereitet. Die Häuser ragen schmuck empor, die Gärten atmen Frieden, die Äcker bringen Frucht hervor, vom Himmel reich beschieden.

2. Ein Bächlein aus des Tales Grund, eilt frisch ins Dorf hinunter, schließt mit dem Steinbach Bruderbund und weiter geht es munter. Und ringsum krönt die Hügel all, der Wald mit bunten Kronen und schirmt das Dorf und schützt das Tal, wo liebe Menschen wohnen.

3. Der Frühling schmückt das Dorf mit Pracht, es blüht an allen Wegen und wenn die Sommersonne lacht, reift still der Erntesegen. Der Herbst mit Früchten reich und schwer füllt Körbe bis zum Rande, dann bläst der Wind vom Schneeloch her, und Winter wird’s im Lande. Gruß dir bei deines Jahres Gang, Aschau uns’re Heimat.

4. Hoch übers Dorf und Land hinaus, ragt auf zu treuem Mahnen, der Kirchturm und das Gotteshaus, der Glaube uns’rer Ahnen. Und wogt vom Turm der Glocken Klang, das Land zu seinen Füßen, stimmt ein in ihren Lobgesang, im Himmel Gott zu grüßen. Gruß dir bei deiner Glocken Klang, Aschau, uns’re Heimat!

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