„Die Schule ist mein Leben“

von Redaktion

Wolfgang Egger, Rektor der Volksschule Gars, geht mit Wehmut in den Ruhestand

Gars – „Volksschule Gars“, meldet er sich am Telefon – ganz bewusst, denn Wolfgang Egger, scheidender Rektor der Grund- und Mittelschule, hält die Volksschule in Ehren – als eine Bildungseinrichtung, die Kinder und Jugendliche so lange unter einem Dach besuchen, bis sie reif sind für den Einstieg in das Erwachsenenleben. Kurze Jeanshose, T-Shirt, Flipflops: So sitzt er in seinem Büro, die Tür wie immer weit geöffnet, und blickt mit Wehmut auf 16 Jahre zurück und mit etwas Skepsis voraus auf den kommenden Ruhestand.

Nachfolgerin wird Sabine Wichmann aus Neumarkt-St. Veit

Denn eigentlich ist er noch gar nicht bereit dafür, so sehr liebt er seinen Lehrerberuf. „Die Schule ist mein Leben, meine Leidenschaft – eine echte Berufung“, sagt er. Doch irgendwann endet auch eine lange Pädagogenkarriere, die den Waldkraiburger von seinem Geburtsort Ampfing, wo er 13 Jahre an der Mittelschule tätig war, bis nach Aschau am Inn führte, wo er unter anderem fünf Jahre als Konrektor arbeitete. 16 Jahre leitete er danach die Volksschule Gars. Nachfolgerin wird Sabine Wichmann, Rektorin der Herzog-Heinrich-Mittelschule Neumarkt-St. Veit (siehe Bericht auf Seite 13). Weiter unbesetzt ist noch die Konrektorenstelle in Gars – ohne Vertretung hat auch Egger das letzte Jahr verbracht.

Wenn er im August in den Ruhestand geht, wird er vor allem die Kinder vermissen. Sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, hat ihm besonders viel Freude bereitet – vor allem dann, wenn es gelungen ist, besonders schwierige Jugendliche zum erfolgreichen Schulabschluss zu bringen. Egger erinnert sich an einige junge Leute, denen kaum jemand auch nur eine Chance eingeräumt hätte – und die es dank der Mittelschule Gars doch geschafft haben. Wenn sie mit dem Lehrvertrag in der Tasche abgingen, „war das für mich immer das schönste Gefühl“, sagt der scheidende Rektor.

Natürlich erlebte er auch Misserfolge. Seinen Traum von einem „Workout-Room“, einen Raum, in dem Kinder und Jugendliche Dampf ablassen und sich zwischen den Schulstunden so richtig auspowern können, konnte er sich nicht erfüllen.

Viele weitere Vorhaben hat er dagegen in seiner pragmatischen Art angepackt – und umgesetzt, ohne viel Trara. Projektschule, Inklusionsschule, Sportschule: All diese Titel, mit denen sich Bildungseinrichtungen heute gerne schmücken, braucht er nicht. Beispiel Inklusion: „Wir haben eine Rampe gebaut und die Inklusion gelebt, ohne dass gleich die Presse kam“, sagt er.

„Back to the roots“, wünscht er sich für die Volksschulen, will heißen: weniger Show, mehr echte Bildungs- und Erziehungsarbeit. Was ihn beispielsweise total nervt, ist die „Projekteritis“. „Für alles gibt es ein Projekt, dagegen habe ich eine richtige Allergie entwickelt“, berichtet er schmunzelnd, „ich finde, wir sollten uns als Schule wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren.“ Auf die Wertevermittlung etwa, denn hier hapert es nach seinen Erfahrungen bei vielen Kindern und Jugendlichen heutzutage. Grüßen, bitte und danke sagen: Höflichkeit und gutes Benehmen werden nicht mehr in allen Familien vermittelt, stellt Egger fest. Die Schule allein könne es jedoch auch nicht richten. Der scheidende Rektor hat sich trotzdem gemeinsam mit einem „tollen Team aus dem Lehrerkollegium“ bemüht, auch Anstandsregeln zu lehren. Dieser „Unterricht“ fand bei ihm auch auf dem Pausenhof statt, wo Egger als Rektor persönlich Dienst schob. Sogar bei der Busaufsicht half er mit. Seine Tür steht auch für die Schüler stets offen. „Ich war nah dran an den Jugendlichen“, sagt er, „ich kann mitreden, wenn es darum geht, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen.“

Egger war, das sagt er selber, eher ein unkonventioneller Schulleiter. „Ich bin halt kein Paragrafenhengst“, betont der vierfache Großvater. Er nahm nie ein Blatt vor den Mund, pflegte stets ein offenes Wort. Das kam nicht immer gut an, wie der letzte Elternbrief gezeigt hat, in dem er auch klare Sätze fand zum Thema Übertritt und Prüfungsdruck. Egger stellt fest, dass sich Eltern immer intensiver in den Unterricht einmischen, weitaus öfter versuchen, Einfluss auf das Schulleben zu nehmen. Das verunsichere manche Lehrkräfte, sagt er – und stellt sich immer wieder hinter sein Kollegium.

Mittelschule legt

viel Wert auf Berufsorientierung

Die hohe Vermittlungsquote in Ausbildungsberufe gibt ihm recht. „Unsere Kinder positionieren sich sehr gut auf dem Arbeitsmarkt“, freut er sich. Das liegt nach seiner Erfahrung auch daran, dass die Garser Mittelschule viel Wert auf die Berufsorientierung mit Praktika legt. Trotz der Tatsache, dass das bayerische Schulsystem sehr durchlässig ist, steigt auch in Gars die Übertrittsquote. Und sinkt die Zahl der Schüler an der Mittelschule.

Das hat Auswirkungen für die Volksschule mit Grund- und Mittelschule. Als Egger vor 16 Jahren in Gars das Zepter übernahm, besuchten sie über 500 Kinder und Jugendliche, jetzt sind es 420.

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