Kraiburg – „Das passt nicht, da muss eine andere Lösung kommen.“ Bürgermeister Herbert Heiml (CSU) sah sich im Gemeinderat veranlasst, sich von der, so wörtlich, „Las Vegas-artigen“ Beschilderung am Dönerlokal zu distanzieren. Schließlich hängt die knallbunte, rund zwölf Meter lange Werbetafel, die der Betreiber des Lokals über nahezu die volle Fassadenbreite gezogen hat, an einem Gebäude, das dem Bürgermeister gehört.
„Ich bin selbst aus allen Wolken gefallen“, sagt Heiml auf Anfrage und kündigt an: „Das Schild kommt weg.“ Jetzt müsse eine andere Lösung erarbeitet werden. Er sei schon im Gespräch mit dem Lokalinhaber. Geschäftsführer Eren Koskun ist „enttäuscht“. Die Werbung „sollte jung und peppig sein. Die Jungen mögen das“, sagt er. „Ich wollte halt auffallen. Schaut doch gut aus.“ Im Übrigen habe er viel Lob bekommen, als die Anlage angebracht wurde. Einige fanden sogar: „Ein Super-Schild!“ Bei der Eröffnung vor gut zwei Wochen wurden dann erste Beschwerden laut, das sei überzogen.
Ein Gast, der nicht namentlich genannt werden will, versteht die ganze Aufregung nicht. „Kaum ist man um die Kurve rumgefahren, zack, gleich sieht man es“, schwärmt er. Das ist Werbung. Was will man mehr. „Ok, das mit den Flammen schaut aus, ois dad des Häusl abbrenna. Aber mir gefällt’s.“
Die Werbewirkung stellt niemand infrage. Auch der Bürgermeister nicht: „Die Aufmerksamkeit ist relativ groß.“ Wie immer gewinnt Heiml dem Thema auch einen spaßigen Aspekt ab. „Er hat’s ja gut gemeint. Er wollte Farbe nach Kraiburg bringen“, sagt er lachend.
Heiml findet es schade, dass es Kritik gibt. Denn das Lokal an sich, das 30 Sitzplätze bietet, dazu fast 20 Plätze im Freien, sei ja ein Gewinn für den Markt. Das Gebäude, in dem sich einst ein Schlecker-Markt befand, stand lange leer und ist dadurch nun wieder mit Leben erfüllt.
Aber klar, die Planung für die Werbung hätte mit dem Bauantrag eingereicht werden müssen. Das Gebäude selbst sei zwar kein Einzeldenkmal, auch nicht Teil eines Ensembles. Doch gleich daneben steht die Aukapelle, ein Denkmal aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ein sensibler Bereich, „eine Grauzone“, so Heiml.
Wegen deren Nähe zur Kirche brauche es eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis, ergänzt Markus Schmidinger vom Kraiburger Bauamt. Die Marktgemeinde hat keine eigene Satzung, die die Werbeanlagen regelt. Hier greift also die Bayerische Bauordnung. Und die besagt, dass nur Werbeanlagen in Auslagen und an Schaufenstern verfahrensfrei sind. Und im Übrigen Anlagen mit einer Ansichtsfläche vonhöchstens einem Quadratmeter. Diesen Wert überschreitet die Döner-Werbung um ein Vielfaches.
Jetzt soll alles den geregelten Gang gehen. Der Lokalinhaber muss einen neuen Entwurf einreichen, der im Gemeinderat vorgestellt und mit der zuständigen Genehmigungsbehörde abgestimmt wird. Heiml: „Ich habe nichts gegen ein Schild mit Folie. Die Werbung darf sichtbar sein. Aber sie muss sich einfügen.“ Auch bei Eren Koskun hat ein Umdenken eingesetzt. „Ich sehe das ja ein, wir werden das ändern.“