Unterreit/Aschau – Nö, nicht mit mir. Empört dreht Uhu Sarah ihren Kopf weg und sucht den Schatten in ihrer teilüberdachten Voliere. Was soll denn das überhaupt, mit dieser Hitze?, scheint ihr genervter Blick zu sagen. Die Diva des Waldes und ihre Artgenossen bevorzugen etwas kühlere Tage oder lieber gleich bewaldete Gebiete.
Im Wildfreizeitpark Oberreith wissen die Falkner Viola Rohnstock und Rudi Kolitsch genau, was ihre Schützlinge wollen und brauchen, wenn die Temperaturen über die 30-Grad-Marke klettern. Sie kennen die Tiere. Ab und an gibt es auch mal hitzefrei. „Wir entscheiden, wenn es nachmittags so richtig heiß ist, ob eine Flugshow stattfindet oder nicht“, erklärt Rohnstock auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung. Im Grunde sagen es ihnen die Vögel – durch ihr Verhalten.
„Wenn ihnen die Temperaturen zu schaffen machen, sitzen sie in der Voliere und hecheln. Sie können dann keine Leistung bringen, sind groggy“, erklärt die 38-jährige Falknerin, die stets das Wohl der Tiere im Blick hat.
Wenn es zu heiß ist, hecheln die Vögel
Etwa die Falken bringen bei den Vorführungen Höchstleistungen. „Sobald der Schnabel offen steht oder sich das Flugbild verändert, ist klar, den Tieren ist zu heiß.“ Spätestens dann würde abgebrochen werden. Das Tier geht vor. So handhabt es übrigens auch die Falknerei am Schloss Hohenaschau.
Muskelarbeit – die natürlich bei den Flugshows gefragt ist, erzeugt Körperwärme und heizt dann das Tier zusätzlich auf. „Die haben ja nicht nur Deckfedern, sondern auch noch Daunen drunter.“ Im Winter ist das Federkleid ein Wärmeschutz, im Sommer dient es der Isolierung.
Das Hecheln mit weit geöffnetem Schnabel, wie man es von Hunden kennt, dient der Abkühlung; bei den Schildraben Gaga und Zou Zou nennt man den Vorgang „Kehlsackhecheln“.
Dann gibt es – je nach Vogel – verschiedene Arten der Abkühlung. Die afrikanischen Raben stehen auf Baden im Wasserbecken, schöpfen Wasser mit dem Schnabel – oder futtern Wassermelone.
„Die essen mehr Obst als ich“, lacht Viola Rohnstock, während sie die Voliere der zwei „Schmusebären“ betritt. Aus der offenen Tupperdose mit den mundgerecht geschnittenen Melonenstücken duftet‘s. Zack, landet der erste „Corvus albus“ auf dem Unterarm der jungen Frau, schnappt sich einen Happen und verschlingt ihn genüsslich. Dann noch einen und noch einen.
Der zweite Kandidat beeilt sich, auch etwas zu erwischen, landet auf Violas zweitem Arm und fischt sich einen Snack heraus. Die Falken bekommen – wie alle tierischen Bewohner des Wildparks – täglich frisches Wasser. „Bei unserer Siri kannst du Folgendes beobachten: Sie sieht zu, wie das Wasser gewechselt wird und hockt dann sofort in der Schüssel. Sie rudert herum und planscht. Ein drolliger Anblick. Und hinterher sieht sie aus wie ein begossener Pudel.“ Viola Rohnstock muss schmunzeln. Pitschnass zu sein und sich auf diesem Weg abzukühlen, das genießen die Tiere sichtlich.
Ein nasser Vogel ist dann erstmal nicht richtig flugfähig – in der Natur bedeutet das, sich einer Gefahr auszusetzen. „Die baden und duschen also nur, wenn sie sich sicher fühlen“, erklärt die 38-Jährige. Planschen nach der Flugshow bedeutet für die Greifvögel Feierabend- und Chillmodus einstellen.
Auf die „Gartenschlauch-Nummer“, wie Rohnstock es nennt, fahren einige Wüstenbussarde total ab. Zum Beispiel Burle. „Der ist eine Wasserratte und duscht und badet gleichzeitig.“
Dabei pflanzt er sich in seine Wasserschale und lässt sich von Viola mit feinem Nieselregen aus dem Gartenschlauch bespaßen. Sofort breitet er die Flügel aus, spreizt die Federn und kostet diese Wellness-Einheit voll aus.
Steppi, der Steppenadler, liebt das auch. Als er allerdings die Kamera der Reporterin sah, hatte er keine Lust auf Paparazzi. Und drehte sich bockig mit geschlossenen Flügeln mit dem Hinterteil zur Linse. „Die haben eben alle einen eigenen Charakter. Wenn sie nicht mögen, lassen wir sie“, sagt die Falknerin lachend. Wer mit Lebewesen arbeitet, weiß, dass ein Fotomotiv von deren Launen abhängt.
Viola erklärt allgemein, das Baden sei für die Vögel – natürlich auch in der freien Natur – wichtig für die Federpflege. Jede einzelne Feder des Großgefieders wird durch den Schnabel gezogen, um Schmutz zu beseitigen und die Federstrahlen wieder miteinander zu verhaken, sodass sie ihre volle Tragkraft behalten. „Sie zupfen und stylen nach dem Baden herum, bis das Federkleid wieder perfekt ist.“
Die meisten Vogelarten haben eine Bürzeldrüse; mit dem öligen Sekret reiben sie ihr Gefieder ein, um es wasserabweisend zu machen. Die Fettproduktion werde durch das Baden angeregt.
So unterschiedlich die Vogelarten sind, die im Wildpark ihr Zuhause haben, so vielfältig sind ihre Vorlieben, wenn es zu Hitzeperioden kommt. Mancher sei mit Dösen am Schattenplatz zufrieden, andere mögen die Gartenbrause oder stellen sich mit gespreizten Flügeln in den Wind.
Teil des Wildparks liegt im Wald
Ein Teil des Wildparks liegt im Wald. Hier leben Wollschweine, Fuchs, Iltis und beispielsweise Marder. Die Bäume spenden Schatten. Das Damwild etwa kann sich in seinem weitläufigen Gehege zwischen Sonnen- und Schattenplätzen entscheiden. Bei der Hitze ist klar, was sie bevorzugen.
Die Alpakas werden im Sommer geschoren. Runter mit dem Wollanzug, rein ins Sandbad. Das mögen auch Pferde. Und manche Vogelarten. Wie etwa Tauben. Oder Hühner. Ihre Parasiten dagegen finden das nicht so prickelnd. Bei dieser Art der Körperpflege sind sie nämlich ihren Wirt erstmal los.