Journalisten haben bekanntlich ein Zeugnisverweigerungsrecht. Zum Schuljahresende macht die Wochenschau ausnahmsweise davon keinen Gebrauch und stellt der Woche Zensuren aus.
Zum Beispiel dem Waldkraiburger Volksfest. Im Vorjahr waren in der öffentlichen Diskussion verheerende Bewertungen im Umlauf, nahe dran am „Vorrücken gefährdet“. Da war viel zusammengekommen, manches auch, wofür der Prüfling gar nichts konnte, wie etwa das Wetter.
Und diesmal? Wir finden, die Wiesn hat heuer einen Schritt nach vorn gemacht. Wir vergeben eine 3, die Eins des kleinen Mannes, wie einer meiner ehemaligen Lehrer zu sagen pflegte. Mit einer Tendenz zur 2 zum Beispiel beim Festzug. Bewährt hat sich auch der größere Biergarten am Festzelt, luftig und nicht halb so laut wie drinnen. Und ein weitgehend friedliches Fest war es auch noch. Für den Tag der Jugend gibt‘s noch kein Patentrezept.
Wir kommen zum Sport. Stadtradeln. Auch da gab es wieder eine Steigerung. Zum Zweier ist es nicht mehr weit. Über 50000 Kilometer haben die 343 Teilnehmer aus 20 Teams heruntergestrampelt. Für die Stadt, für ihre Gesundheit und den Natur- und Klimaschutz.
Aber mal ehrlich: Das sind zwei Kilometer in drei Wochen pro Einwohner. In einer Sportstadt im Grünen mit so vielen Radlerinnen und Radlern ist da noch viel Spielraum nach oben. Einige machen es ja schon vor, wie die aktiven Pedalritter und -ritterinnen vom Reha-Sportverein. Da geht es gar nicht ums Kilometerfressen, sondern darum, gemeinsam Spaß zu haben.
Apropos: Eine gute Note für die witzigste Idee zum Ferienbeginn hat sich das bayerische Feuerwehrmuseum in Waldkraiburg verdient. Mit der Notenkombi „1-1-2“ sind Schüler dabei. Wer die Europäische Notrufnummer im Zeugnis stehen hat, hat freien Eintritt in die große Feuerwehrsammlung zum Schauen und Anfassen.
Wir kommen zu den Einserkandidaten: Dazu gehören die Lesepatinnen und -paten, die sich Zeit nehmen, um Kinder ans Lesen und an Bücher heranzuführen und ehrenamtlich mithelfen, ihnen einen Schlüssel zur Bildung an die Hand zu geben. Manche seit einem Jahrzehnt wie Leseopa Veit Bibo und die vielen anderen. In ihrer Jugend hätte es Fleißsternchen und -bildchen dafür gegeben.
Noch ein Einser: Für die Firma Primo, die in Aschau neu baut, eine Lagerhalle und ein Bürogebäude. Und dabei ihren 25 Mitarbeitern einige Zuckerl bietet, die für Firmen dieser Größe alles andere als selbstverständlich sind: Fußballplatz, großen Fitnessraum, Sauna, Pool, Kneippbecken. Nichts hat die OVB-Online-User in dieser Woche aus Waldkraiburg und dem näheren Umfeld mehr interessiert, ihre Fantasie mehr beflügelt als die Nachricht über die angenehme Arbeitsatmosphäre bei diesem Unternehmen.
Der Einser mit Stern geht in dieser Woche an den Kreisjugendring. Für das Tanztheater „Was uns verbindet“. Dass junge Leute, viele mit Migrationshintergrund, sich so intensiv mit der Geschichte Waldkraiburgs und seiner Einwohner auseinandersetzen, mit den schwierigen Fragen um Heimat, Heimatverlust, Vertreibung, vom Deutschsein und vom Menschsein, das überrascht. Wie großartig sie es mit professioneller Unterstützung umgesetzt haben, erstaunt noch mehr. Viele Zuschauer hat angerührt, was sie gesehen haben.
So kann Jugendarbeit sein, im besten Fall. So sollte es sein: Dass Hauptamtliche Spielräume schaffen, in denen junge Leute wachsen, sich ausprobieren, kreativ werden können.
Nach Traunreut, einer Schwesterstadt Waldkraiburgs, ist der Kreisjugendring mit dem Tanztheater schon eingeladen. Vielleicht klappt es auch mit einer weiteren Aufführung daheim. Denn vermutlich hatten in der letzten heißen Juliwoche viele, Alte und Junge, nicht auf dem Schirm, „was uns verbindet“.