„Freiraum 36“: Neue Hoffnung für Vereine

von Redaktion

31. Dezember 2020 – wie ein Damoklesschwert hängt der Termin über 14 Vereinen und anderen Nutzern, die dann aus ihrem „Vereinsheim“, „Freiraum 36“, rausmüssen. Doch es gibt neue Hoffnung. Die Frist ist wohl nicht so unverrückbar, wie es schien.

Waldkraiburg – Knapp zwei Euro Monatsmiete pro Quadratmeter zahlen die Vereine, Gruppen und weiteren Nutzer, die seit einigen Jahren eine Heimat im „Freiraum 36“ gefunden haben. Zu den Konditionen, die sie in diesem Gebäude der Stadtbau GmbH haben, werden sie keine Alternativen finden. Dafür sprechen alle Erfahrungen, die sie bei der Suche nach einer neuen Herberge gemacht haben. Selbst für drei Euro Miete, das Äußerste, was die Vereine nach eigener Einschätzung stemmen könnten, gibt es nichts auf dem Markt, das sich für ihre Zwecke eignen würde.

Neubau am Bahnhof hat sich zerschlagen

Die Alternative Neubau gemeinsam mit der Stadtbau GmbH am alten Bahnhof, auf die große Hoffnungen gesetzt wurden, hat sich zerschlagen. Die geplante Bebauung auf einer Teilfläche zwischen altem Bahnhof und Bayernbrücke scheitert nach einem Abstandsgutachten zur Seveso III-Richtlinie. Wegen der Nähe zu Störfallbetrieben ist das Baurecht dort erheblich eingeschränkt. Ein Vereinsheim darf an dieser Stelle nicht errichtet werden.

Aktuell zeichnet sich also keine Lösung für die Mieter ab. Tänzer, Maler, Musiker, Theaterspieler, Pfadfinder und andere stünden 2021 – Stand heute – auf der Straße, auch der AK Asyl mit seinen vielen Aktivitäten für die Bewohner der benachbarten Anker-Dependance und der Bildungsverein Kaleidoskop. „Jede Woche gehen hier 400 bis 450 Leute ein und aus“, sagt Richard Fischer (SPD), Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Dachvereins „Freiraum 36“.

Mit der Schließung des Hauses zum 31. Dezember 2020 hatten sich selbst die Vereine schon abgefunden. Wie in Stein gemeißelt schien dieser Termin, den der ehemalige Stadtbau-Geschäftsführer Götz Keßler, der Ende Mai eine neue Stelle in Regensburg angetreten hat, bislang genannt hatte. Nach Ende der Frist sollte das Gebäude einer Vermarktung zugeführt werden.

Doch mangels Alternativen haben die Vereine eine Verlängerung des Termins „neu zur Sprache gebracht“, so Fischer. Schließlich habe die Stadt „nicht weniger als 86000 Euro“ in das Gebäude gesteckt. Für Brandschutzmaßnahmen, die ein Gutachter zur Voraussetzung machte, um überhaupt eine weitere Nutzung zu ermöglichen.

Sämtliche Maßnahmen wurden bis 2018 umgesetzt. Warum sollten sie nicht auch über 2020 hinaus tragen? Das fragt sich mittlerweile auch Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). „An der Außentreppe ändert sich ja nichts.“ Die Stadt drängt auf eine längere Nutzung, ist nach seinen Worten gegebenenfalls bereit, nachzurüsten, sollte dies nötig sein. Noch ist zwar nichts spruchreif. Doch es sieht gut aus, dass die Vereine über 2020 hinaus im „Freiraum 36“ bleiben können und damit Spielraum und Zeit für eine nachhaltige Lösung gewinnen.

Keine Lösung für

die Ewigkeit

Auch das leidige Parkplatzproblem habe man mittlerweile „einigermaßen im Griff“. Im nächsten Umfeld des Gebäudes reichen die Stellplätze insbesondere beim Tanztraining zwar vorne und hinten nicht. Seitdem es die Möglichkeit gibt, auf dem Parkplatz vor dem etwa 300 Meter entfernten Einkaufsmarkt zu parken, habe sich die Situation aber entspannt, findet Richard Fischer.

„Für die Ewigkeit ist das keine Lösung“, weiß auch Anna Kebinger, Vorsitzende des TSC Weiß-Blau, mit Abstand größter betroffener Verein. Sie begrüßt die neue Entwicklung aber ausdrücklich. Zwar hätte der TSC mit Unterstützung von Stadt und VfL auch Sporthallen nutzen können. „Bevor wir auf der Straße stehen, hätten wir diese Option gewählt.“ Doch der organisatorische Aufwand, der Wechsel von Halle zu Halle, „oft von Stunde zu Stunde“, wäre alles andere als eine ideale Lösung.

Welche Lösung längerfristig infrage kommt? Im Gespräch war auch ein Umzug in ein Gebäude auf dem ehemaligen Peters-Gelände, das früher der Verein Asia Sports nutzte. Interessanter, aber ebenso wenig spruchreif, ist aus Sicht von Richard Fischer eine andere Variante: der Ausbau der alten Feuerwehrhalle am Haus der Vereine.

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