am Randenotiert

Jeder Schusser ein Treffer

von Redaktion

Für die Niederwildjäger unter uns zählt die Entenjagd – vor allem der abendliche Strich der Stockenten – zum stimmungsvollsten und spannendsten Waidwerk eines Jagdjahres. Wer allerdings nicht dieser privilegierten Spezies Mensch angehört, schaut ins Gebirge. Und zwar mit dem Ofenrohr, nicht mit dem Zielfernrohr. In der Regel wird er vom gemeinen Entenvolk noch nicht einmal ignoriert.

Wie beglückende Jagderlebnisse, auch ohne Jagdschein und Flinte, möglich sind, hat kürzlich eines Abends folgendes Ereignis im Stadtpark bewiesen: Volkslieder selber Singen mit dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern. Mehr als hundert Menschen kamen zu der Veranstaltung im Pavillon im Park, für die sich heuer besonders Familie Lainer ins Zeug gelegt hatte. Um zusammen das „Zigeunerleben“ zu besingen, die Freiheit der Gedanken, die rechte Gunst, die Gott erweist, den Knaben, der ein Röslein am Wegesrand sah. So wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und was das Organ hergibt.

So schön und voller Inbrunst zwitscherten die Sangesfreunde, dass Parkbesucher, die sich am anderen Ufer des Teichs niedergelassen hatten, mutmaßten, an diesem Werktag Zeugen eines vorgezogenen Sonntagskonzerts zu sein.

Und als der „Jäger aus Kurpfalz“ mit Karacho durch die grüne Oase Waldkraiburgs ritt, konnten sich selbst die Wildenten nicht mehr der Wirkung des Jägerchores entziehen. Nach einem Stimmungswandel, wie er aus Speisekarten geläufig ist (Ente süß-sauer), unterbrach das gefiederte Volk an dieser Stelle das Gründeln und hob kollektiv schnatternd ab.

Natürlich kann das kein Zufall sein. Wer wüsste das besser als der pointenreiche Moderator vom Bezirksarchiv, der zur Freude seiner Jagdhelfer den richtigen Zusammenhang herstellte. Zur unendlichen Kraft, die vom gemeinsamen Singen ausgehen kann. Frei nach dem Motto: „Jeder Schusser ein Treffer“.

Fünf Schwäne, das am Rande, sind anschließend nicht über den Park gezogen. Wahrscheinlich nur deshalb, weil dieses Lied nicht auf dem Programm stand. Die „Vogelhochzeit“ und „Alle Vöglein sind schon da“ hat der Schusser Ernst erst gar nicht ins Repertoire aufgenommen. Zum Glück! Nicht auszudenken, was dabei raus gekommen wäre. Alfred Hitchcock hätte seine Freude daran gehabt.

HANS GRUNDNER

Artikel 7 von 11