Kraiburg – Sepp Unterforsthuber wohnt Am Wanklbach und wenn er mit dem Auto Richtung Kraiburg fährt, an der Häuserzeile an der Liften vorbei, „zeigt mir jeder Zweite den Vogel“. Dabei hat der Kraiburger nichts falsch gemacht. Weil auf der rechten Fahrbahnseite die Anlieger an der sogenannten „Liften“ ihre Autos abstellen, muss er auf die linke Seite ausweichen, um nach Kraiburg zu kommen.
Autos dürfen nicht mehr auf dem Bürgersteig parken
Und prompt fährt ihm dann ein Fahrzeug aus der anderen Richtung entgegen. Langsam habe er genug davon, von der Engstelle und von den Gesten unfreundlicher Zeitgenossen, ließ Unterforsthuber den Bürgermeister und die anderen Besucher heuer in der Bürgerversammlung wissen. Sie alle kennen das Problem und teilen seinen Ärger.
„Eine saublöde Situation“, findet Bürgermeister Herbert Heiml (CSU), der seit Langem dran ist, das Problem in den Griff zu bekommen. Nur leider ist das viel schwieriger, als Außenstehende es vermuten.
Die Anlieger, die der Gemeinde den Grund für einen Bürgersteig entlang den Liften zur Verfügung gestellt hatten, dürfen dort parken. Damit auf der Staatsstraße 2091 (Trostberger Straße) trotzdem noch Begegnungsverkehr möglich war, wurde auf dem Bürgersteig ein weißer Strich gezogen. Bis zu dieser Linie konnten Fahrzeuge abgestellt werden.
Doch das ist vorbei. Den weißen Strich darf die Gemeinde nicht mehr ziehen. Auch bei einem Ortstermin mit Landratsamt, Straßenbauamt, Polizei hat der Antrag keine Gnade gefunden. Der Grund: Auch ein Bürgersteig braucht eine Mindestbreite, ist dazu da, Begegnungsverkehr zu ermöglichen, den von Fußgängern nämlich. Zum Beispiel sollten Senioren, die mit Rollatoren unterwegs sind, aneinander vorbei kommen, oder Eltern mit Kinderwagen. Das ist an dieser Stelle auch ohne weißen Strich schon eine Herausforderung.
Das Problem ist damit wieder auf der Straße gelandet. Wo sich die Situation auch deshalb verschärfte, weil einige Uneinsichtige, auch Fremde, nicht nur Autos, sondern Lieferwagen und Transporter vor den Häusern an der Liften parkten. Bevorzugt abends und vor allem am Wochenende. Das hatte sich zwar – vorübergehend – gebessert, wohl auch deshalb weil Erich Unterforsthuber (UWG), Gemeinderat und Polizeibeamter, „Klartext gesprochen“ und darauf hingewirkt hatte, dass die Transporter verschwanden.
Wirklich gelöst waren die Probleme dadurch aber nicht. Und so kam es immer wieder dazu, dass Autofahrer rückwärts aus dem Flaschenhals fahren mussten, damit überhaupt etwas weitergeht.
Eine Parkbucht soll das Verkehrsproblem
künftig entschärfen
Die einzige Chance, die aus Sicht des Bürgermeisters bleibt, um die Situation zu verbessern: eine Parkbucht, etwa auf mittlerer Höhe der Häuserzeile, damit es eine Ausweichmöglichkeit gibt. Zwei bis drei Parkplätze würden dadurch verloren gehen. Alfons Wastlhuber (UWG) regte an, den Bürgersteig an dieser Stelle abzufräsen, „auch wenn man nicht drauf fahren darf“. Und Petra Jackl (CSU) sprach sich dafür aus, durch eine Gewichtsbeschränkung auf 2,8 Tonnen das Parken der Lieferwagen abzustellen.
Eine weitere Maßnahme, die die Gemeinde im Einklang mit den Behörden umsetzen kann, ist ein absolutes Halteverbot am Ende der Häuserzeile an der Einmündung der Wasserburger Straße in die Trostberger Straße. Das braucht es, damit der Lastwagenverkehr, den die Gemeinde vom Marktplatz fernhalten will, an dieser Stelle überhaupt um die Kurve kommt.
In der Trostberger Straße, die vor dem Marktplatz immer enger wird, lässt sich der Verkehr unter den aktuellen Bedingungen kaum fußgänger- und radfahrerfreundlicher gestalten. Ein weißer Strich auf der rechten Seite, der diskutiert wurde, helfe den Fußgängern und Radlern gar nichts. Am Verhalten der Autofahrer ändere das nichts, sagt Heiml. „Wir müssen am Ball bleiben und auf der linken Seite etwas für Fußgänger und Radler machen.“ Dort hat die Gemeinde Grundstücke erworben, vor allem, um dringend notwendige Parkplätze in der Nähe des historischen Zentrums von Kraiburg zu schaffen.
Einer Übernahme der Staatsstraße durch die Gemeinde erteilt der Bürgermeister eine klare Absage. „Da lassen wir die Finger davon.“