Waldkraiburg – Geschäftsführer Werner Meisenecker und Prokurist Uwe Krämer freuen sich. Das Ärztezentrum, das die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) 2013 eröffnet hatte, ist belegt. Ende 2020 wird die Firma SGF, die sich vorübergehend mit Mitarbeitern der Personal- und Entwicklungsabteilung eingemietet hatte, aus dem Erdgeschoss der Kirchenstraße 3 ausziehen.
Der Vertrag mit einer weiteren Facharztpraxis ist nach ihren Worten nun unterschriftsreif. Nur eine Restfläche steht dann noch zur Vermietung aus. Fast 3000 Quadratmeter sind damit mit ärztlichen Praxen und weiteren Einheiten rund ums Thema Gesundheit belegt. Fast 10,5 Millionen Euro hat die Genossenschaft in das Ärztezentrum gesteckt.
Neben einer Apotheke und der künftigen Facharztpraxis im Erdgeschoss befinden sich im Haus Nummer 3 eine große allgemeinmedizinische internistische und eine gynäkologische Praxis sowie ein Heilpraktiker und eine Podologie im 1. Stock, eine orthopädische sowie eine allgemeinmedizinische Doppelpraxis, eine Praxis für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie im 2. Stock. Dazu kommt außerdem ein kleines Büro für den Reha-Sportverein im Keller.
In Haus Nummer 1 befindet sich eine Zahnarztpraxis, eine Praxis für Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie sowie ein Schlaflabor und eine allgemeinmedizinische Praxis, im Erdgeschoss auch ein Bioladen.
In den Obergeschossen der beiden Gebäude sind 20 Mietwohnungen mit insgesamt 1500 Quadratmetern Wohnfläche. „Die waren sofort weg“, sagt Werner Meisenecker.
„Eine klassische Win-Win-Situation“
Als die WSGW 2011 drei marode Blöcke mit 40 Wohnungen in der Kirchenstraße und in der Iglauer Straße abriss, um zwei Ärztehäuser zu errichten, dachten sich die Verantwortlichen bei der Genossenschaft wohl nicht, dass es so schwer werden würde, dieses Konzept erfolgreich in die Tat umzusetzen. Schließlich lag für Geschäftsführer Meisenecker auf der Hand, dass es sich dabei um eine „klassische Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten handelt.
Für die Genossenschaft, für die eine Sanierung der alten Blöcke „wirtschaftlich nicht mehr tragbar war“, wie Prokurist Uwe Krämer sagt. Und die ihren Mietern, die zum großen Teil in der Stadtmitte wohnen, kurze Wege zu Ärzten und Einrichtungen rund ums Thema Gesundheit bieten wollte. Für die Stadt, die größtes Interesse an einer guten ärztlichen und medizinischen Infrastruktur haben muss.
Nicht zuletzt auch für die Ärzte. „Damals hat sich angedeutet, dass es ein Ärztesterben in Waldkraiburg geben könnte, vor allem im Bereich der Allgemeinmedizin“, so Meisenecker. Viele Mediziner standen kurz vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben.
Viele Praxisräume erfüllten zudem nicht mehr die erforderlichen Standards, waren etwa nicht barrierefrei zu erreichen. Auch Mediziner seien angesichts dieser Problematik vor einem Jahrzehnt auf die Genossenschaft zugekommen.
Nicht alle, die damals Interesse anmeldeten, zogen dann tatsächlich ein. Vor allem aber beklagt Meisenecker die geringe öffentliche Unterstützung bei der Vermittlung dieses Zukunftsprojekts und Widerstände aus der Stadtverwaltung in der Planungsphase. Dies habe zu Verzögerungen des Projekts geführt, und dazu, dass potenzielle Mieter absprangen.
„Die Wohnungswirtschaft ist ein Geduldspiel“, sagt der Geschäftsführer. Die WSGW brauchte in Sachen Ärztezentrum viel Geduld. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Ärztehäuser kein Renditeprojekt sind, sondern langfristige strategische Vorteile für die weitere Bautätigkeit der Genossenschaft in der Stadtmitte bringen. Trotzdem kamen die Gremien der WSGW ins Grübeln wegen anhaltender Leerstände. Vor allem die Tatsache, dass das komplette Erdgeschoss in der Kirchenstraße 3 so lange nicht belegt war, machte kein gutes Bild.
Für Nachvermietung gut aufgestellt
„Das hat uns weh getan“, so Meisenecker. Dennoch blieb die Genossenschaft auf Kurs. „Wir hatten Anfragen für die Flächen von Rechtsanwälten, einem Projektantenbüro, auch von Geschäften.“ Man habe aber am ursprünglichen Konzept festgehalten. „Es war richtig, zuzuwarten!“
Ein entscheidender Schritt nach vorne kam vor zwei Jahren, als die Apotheke zusagte, nachdem zwei weitere Arztpraxen ihren Einzug angekündigt hatten. Die Ärzte im Haus waren der WSGW bei der Werbung „sehr behilflich“, sagt Meisenecker.
Die Mieter hatten gute Erfahrungen gemacht. Sie konnten die Praxen mit Planern und Projektanten selber gestalten. „Wir haben nur das Grundgerüst gestellt“, sagt Uwe Krämer. Außen- und Brandschutzwände waren vorgegeben. Die Ärzte konnten das Weitere nach ihren Bedürfnissen entwickeln.
Auch für die Nachvermietung, die derzeit laut Meisencker kein Thema ist, bieten sich hinsichtlich einer flexiblen Planung noch viele Möglichkeiten. Aus Sicht des WSGW-Geschäftsführers ist das ein entscheidender Vorteil. „Maßgeblich für den Erfolg einer Immobilie ist nicht die Erstvermietung, sondern die Wiedervermietung.“