„Manchmal produzieren Stadtbienen mehr Honig als Landbienen“

von Redaktion

Interview mit Andrew Hewitson, Vorsitzender des Kreisverbands Bayerischer Bienenzüchter Mühldorf-Altötting

Herr Hewitson, wie groß ist das Interesse der Leute am Stadtimkern?

Unser Kreisverband besteht aus elf Vereinen und hat etwa 500 Mitglieder. Wir betreuen 2500 Bienenvölker. Unter unseren Mitgliedern sind viele Stadtimker. Das Imkern boomt. Die Menschen werden umweltbewusster, sodass sie sich zunehmend für so etwas begeistern können.

Was halten Sie als Landimker vom Stadtimkern?

Ich finde das Stadtimkern eine tolle Sache. Je mehr Bienenstöcke, umso besser. Wenn es mehr Imker gibt, gibt es hoffentlich auch mehr Druck auf die Politik, dass endlich mehr für die Artenvielfalt gemacht wird.

Wie sollte man sich auf die Imkerei vorbereiten?

Enorm wichtig ist natürlich, dass die Imker eine professionelle Ausbildung absolvieren, Kurse besuchen und in Imkervereinen aktiv sind. Ein fundiertes Wissen ist extrem wichtig, auch für den Erhalt des Bienenvolkes.

Was ist beim Stadtimkern besonders zu beachten?

In der Stadt zu imkern ist heutzutage genauso möglich wie auf dem Land. Man muss in der Stadt natürlich den richtigen Standort für seine Bienenkästen wählen, damit die Tiere nicht gestört werden, und umgekehrt auch die Menschen durch Bienenschwärme sich nicht belästigt fühlen. Was ich sehr bedauere ist, dass viele Menschen aufgrund ihrer Unwissenheit schnell in Hysterie verfallen, wenn sie eine Biene sehen. Dabei sind diese Tiere völlig ungefährlich und sehr friedlich. Bienen in der Stadt sind eine tolle Sache und man sollte dem positiv begegnen. Manchmal produzieren die Stadtbienen mehr Honig als die Bienen auf dem Land.

Wie hat sich der Landkreis in Sachen Imkern entwickelt?

Man sieht schon sehr viele Veränderungen in den letzten Jahren. Früher war Imkern eher eine ländliche Angelegenheit und wurde in erster Linie von älteren Leuten gemacht. Viele Landwirte hatten Bienenstöcke mit etwa 20 bis 30 Völkern. Die Zeiten haben sich geändert. Unsere Imkerkurse boomen seit etwa fünf Jahren. Die Teilnehmerzahl steigt deutlich. Erfreulich ist, dass sich vor allem auch junge Leute dafür begeistern. Früher war Imkern eher eine Männersache. Heutzutage gibt es auch viele weibliche Imker. Und: Viele Imker haben wenige Bienenstöcke, während früher sehr viele Imker viele Bienenstöcke hatten. Die Entwicklung ist sehr positiv.

Sind die Neumanns als Waldkraiburger Stadtimker allein auf weiter Flur?

Unser Verein hat zum Beispiel dem Gymnasium Waldkraiburg für ein Schulprojekt ein Bienenvolk zur Verfügung gestellt. Die Tiere werden von einer Lehrerin toll versorgt. Hat die Lehrerin Fragen zu dem Thema Bienen oder sucht Rat, kommt sie auf uns zu. Natürlich unterstützt unser Kreisverband dieses Projekt. Das funktioniert prima.

Infos unter: www. bienenhof-aham.de. Interview: Kirsten Meier

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