„Schwer ist leicht was!“ Vor Ewigkeiten hat Kabarettist Otti Fischer ein Programm so getauft. Schwer ist leicht was! Bringt‘s auf den Punkt. Nimmt aufs Korn, wie so viele Menschen so oft ihre Wirklichkeit wahrnehmen und ihre Wahrnehmungen sortieren. Wie einfach ist es, dem Tag eine negative Richtung zu geben, indem ich mir schon beim Aufstehen suggeriere: Au weia, das wird heute wieder was werden!
Und wenn er dann wirklich gut gegangen ist, der Tag. Wider Erwarten. Dann zieht einen gleich der Gedanke an die Woche so richtig runter. Bleischwer.
Wie sich dieses Lebensgefühl wohl in einer Wochenschau niederschlagen würde? Wir wollen es lieber nicht ausprobieren.
Das Ampfinger Dorffest zum Beispiel hätte gar nicht erst stattgefunden. Ein Blick in den Himmel oder auf die Wetter-App hätte genügt, und „Schwer-ist-leicht-was“-Typen hätten es kurzerhand ins Wasser fallen und das Dorffest Dorffest sein lassen.
Was haben die Ampfinger statt dessen getan? Mit Schirm, Charme und Schieber (zum Trocknen der Tische und Bänke) das Dorffest gerettet. Die Besucher, die da waren, fanden’s ziemlich gut, wie man so hört. Grad weil das Wetter so durchwachsen war und trotzdem gefeiert wurde.
Eins wäre uns ohne das Fest entgangen: das erste öffentliche Landratscasting – außerhalb der CSU. Das Teilnehmerfeld ist zwar noch nicht komplett. Doch zwei Protagonisten übten sich schon auf dem Dienstleistungsterrain. Max Heimerl servierte Schweinswürstl, Angelika Kölbl spülte hinterher das fettige Geschirr. Ein Omen für die Wahl? Ist der CSU-Kandidat schon dran am Speck? Oder wird die SPD-Frau sensationell von der Tellerwäscherin zum „Mühlionär“? Ach ja, und was läuft dann beim nächsten Fest. Kredenzt die grüne Kandidatin dem UWG Maier, Tofu-Bratlinge?
Nichts ist unmöglich. Wer hätte gedacht, dass 2019 Stadtimkern in ist? Und fleißige Waldkraiburger Bienenvölker die leckersten Honigsorten hervorbringen? Ja, mitunter größere Erträge an süßem Brotaufstrich erzielen können als Bienen-Großbauern aus dem ländlichen Raum?
Apropos, Raum, Freiraum. Klingt eigentlich wie Heimat. Ist es auch für 14 Vereine und sonstige Mieter des Stadtbaugebäudes Aussiger Straße 36. Klingt aber auch wie Heimatverlust, wenn sie Ende 2020 rausmüssen. Ein richtiger Runterzieher, wenn’s keine Alternativen gibt. Gibt’s scheinbar doch. Im Freiraum 36 nämlich. Dort, wo sie schon sind. Warum jetzt geht, was brandschutztechnisch vorher nicht ging? Nicht wundern, schon gar nicht ärgern. Freuen über die Fristverlängerung!
Schwer ist leicht was! Hätte Anton Baumgartner aus Kraiburg sich vor 120 Jahren dieses Motto zu eigen gemacht, er hätte erst gar nicht angefangen mit seinem spektakulären Flugapparat. Schon wahr, die Wrights und Junkers, die Dorniers und Blériots haben den Ruhm der Nachwelt gebucht. Aber sind nicht die kleinen Baumgartners, die‘s probiert haben, die ihren Traum gelebt haben, nicht fast genauso beeindruckend, selbst wenn sie nie abgehoben hätten.
Könnte man nicht verzweifeln, weil so viele Zeitgenossen leichtfertig und verantwortungslos mit Umwelt und natürlichen Ressourcen umgehen? Noch immer so tun, als ginge es sie nichts an, wenn der Erdball aus dem Gleichgewicht gerät. Sich asozial verhalten, weil sie den nächsten Generationen die Lebensgrundlagen stehlen. Und sollte man sich nicht schwarz ärgern, über jene, die Maximalforderungen aufstellen, aber immer die anderen meinen? Die, die SUVs dieser Welt beklagen, nur den vor der eigenen Garage nicht, die klimaschädliche Fernflüge geißeln, wenn sie nicht grade selber Urlaub machen, und den übersteigerten Fleischkonsum der Gesellschaft auf dem Rückweg vom Steakhouse.
So verständlich das auch wäre, besser macht es die junge Waldkraiburgerin, die neulich von einer Werbe-Radtour für saubere Mobilität quer durch Deutschland zurückkehrte. Und die ihr Anliegen glaubwürdig macht, weil sie was tut, ihr Leben umzukrempeln versucht, was ändert im Alltag. So wie viele andere, die einfach anfangen, anders mobil sind, bewusster konsumieren, konsequent sind in kleinen Schritten und Taten.
Kleine Schritte und ein langer Atem führen auch zum Ziel. Frag nach bei der Wohnungsgenossenschaft. Die hat nicht locker gelassen und das Projekt Ärztehäuser in der Kirchenstraße nicht aufgegeben. Gute Idee, sinnvolles Konzept – geht nur nicht in Waldkraiburg? Man hätte diese Schlussfolgerung verstanden, als hartnäckige Leerstände im Erdgeschoss ins dritte, vierte Jahr gingen. Die Geduld hat sich ausgezahlt. Für die Genossenschaft und für Waldkraiburg, das jetzt ein Ärztezentrum in der Stadtmitte hat.
Für den Durchbruch braucht es Zeit. Und manchmal geht er ganz schnell, wie eine Geschichte zeigt, die in dieser Woche bekannt wurde: Wir bleiben in der Kirchenstraße, wo die Genossenschaft 2011 die alten Häuser abriss und ein Gebäude am Stadtplatz, das dadurch plötzlich frei und ohne Wärmedämmung dastand, rasch wieder regen- und winddicht machen musste. Latten wurden an der Außenwand aufgezogen. Emsig gearbeitet. Es war Winter. Und als ein aufgeregter Mieter im Genossenschaftsbüro meldete, dass grade sein Wohnzimmer angebohrt werde, war klar: Schwer ist leicht was!