Empörter Leserbriefautor: Wer Bedürfnis am Bahnhof hat, ist arm dran

von Redaktion

Vor 50 Jahren: Ein leidiges Thema treibt Waldkraiburger und ihre Gäste um

Waldkraiburg und die Welt – Über eine ausgemachte „Blamage“ informiert ein aufgebrachter Leserbriefschreiber die Waldkraiburger Bürger in der Woche vor 50 Jahren. Der gute Mann hatte Besuch aus Kapstadt. Und die weit gereiste Dame musste mal, am Bahnhof, am Waldkraiburger Bahnhof. Die Dame, die in arge Not kam, aber kein „00“ fand, konnte sich schließlich im Privat-WC am Kiosk erleichtern, gegen den Erwerb einer Coca-Cola. „Eine Schande für eine Stadt von 16000 Einwohnern Anno Domini 1969!“ Fand der Leserbriefschreiber. Der Bau einer Bedürfnisanstalt sei zwar angekündigt, aber das sei „ein bitterer Trost für jemanden, der jetzt schon muss“.

Zwei Stühle wackeln im Finanzausschuss des Kreistags

Zwei Kreisräte verlieren ihren Sitz im Finanzausschuss des Kreistages: Herbert Kunz (Gesamtdeutsche Partei/BHE) aus Waldkraiburg und Franz Egerndorfer (Bayernpartei) aus Mühldorf, der während der Amtsperiode zur Bayerischen Staatspartei gewechselt war. Die CSU hatte den Vertretern der Kleinparteien freiwillig einen Sitz überlassen. Doch das war nicht zulässig. Der Ausschuss müsse ein verkleinertes Spiegelbild des Kreistags sein, stellt die Regierung von Oberbayern klar und fordert den Kreistag auf, Konsequenzen zu ziehen. Die beiden Sitze fallen an die CSU.

Viel erreicht: Der Bürgermeister zieht Halbzeit-Bilanz

Zur Halbzeit seiner ersten Amtsperiode zieht Bürgermeister Josef Kriegisch eine positive Bilanz: 20 Kilometer Straßen sind gebaut. Damit seien 70 Prozent des 50 Kilometer langen Waldkraiburger Straßennetzes fertiggestellt. Über fünf Millionen Mark hat die Stadt für den zweiten Bauabschnitt bei der Kanalisation ausgegeben. Die Grundschule an der Beethovenstraße mit zehn Klassenzimmern hat den Betrieb aufgenommen, die Planung für eine weitere Grundschule im Westen ist in Auftrag gegeben.

Die neue Aussegnungshalle am Friedhof ist fast fertig, die Festhalle zur Sporthalle umgebaut. Im Jahnstadion ist die Tribüne für 2000 Zuschauer im Bau. Der Ausbau des Stadtparks hat begonnen. Und – für die Entwicklung der Stadt ist das besonders wichtig: Ein 67 Hektar großes Gebiet des Staatsforstes im Osten ist als Industriegebiet eingemeindet. Weitere Projekte stehen an: der Bau einer Volksschule am Goetheplatz, neue Schwimmbecken im Waldbad, ein Rathaus und eine Eislaufbahn.

Jetzt hat es die Stadt schwarz auf weiß: Sie darf nicht mehr zuwarten mit dem Bau einer biologischen Kläranlage, schreibt das Landratsamt. Bis Dezember 1971 müsse der biologische Teil fertig sein. Bis dahin dürfe sie die Abwässer über eine mechanisch wirkende Sammelkläranlage und den Regenüberlauf in den Innkanal leiten. Die Stadt hatte vor dem Bau der Anlage abwarten wollen, welche Industriebetriebe sich in Waldkraiburg ansiedeln.

Bella Italia bleibt

das Reiseziel

Nummer eins

Wohin reisen die Waldkraiburger? Eine Umfrage unter den Reisebüros in der Stadt beweist: Italien bleibt Reiseziel Nummer eins. Dahinter folgt Jugoslawien. Einige zieht es weiter fort: nach Tunesien, Marokko und Griechenland.

Ein großes Hallo gibt es in Kraiburg, als der Salzburger Generalvikar Franz Simmerstätter nicht nur die Marktgemeinde besucht, sondern bei der Aufführung des Historienfestspiels als Bischof Bernhard einzieht.

Irland am Rande des Bürgerkriegs. Die ersten Toten bei Straßenschlachten. Dublin mobilisiert Reservisten. London entsendet „Truppen“ – politische Schlagzeilen aus der Woche vor 50 Jahren. Nach 50-jährigem Europäischem Einigungsprozess wirken sie wie aus einer anderen Welt.hg

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