Josef Mitterreiter (42)
Rudlfing
Im Frühjahr brummte und summte es auf der Blühfläche nur so, viele Insekten, vor allem Wildbienen und Vögel waren zu beobachten. Ich habe das Saatgut ausgebracht.
Pürten – Wer eine Blühpatenschaft übernimmt, erhält für 50 Euro eine Fläche von 100 Quadratmetern. Investiert man diese Summe, verpflichtet sich der Bauer, auf der vereinbarten Fläche eine einjährige Blühmischung anzusäen und diese Fläche nicht anderweitig zu nutzen. Zusätzlich vereinbaren die beiden Partner, dass auf dieser Fläche keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Bis zum 20. April konnten sich Interessierte beim Maschinenring Altötting-Mühldorf anmelden, zusätzlich wurde noch folgendes vereinbart: Für seinen Beitrag erhält der Blühpate ein Zertifikat. Damit die Insekten nicht gestört werden, darf die Blühfläche während des gesamten Jahres nicht von Hunden betreten werden. Auf der Fläche dürfen keine Blumen oder sonstige Pflanzen gepflückt werden.
Jetzt trafen sich die Partner bei der Blühfläche. Man trifft auf ein Meer von Sonnenblumen, die jetzt ihre Hochsaison haben. Aber auch auf Mohnblumen (bereits verblüht), Kornblumen, Ringelblumen, Mazedonische Malve oder Phazelia, die violett blühende Bienenweide, sind zu sehen. Es gibt auch Pflanzen, die nicht durch ihre Blütenpracht hervorstechen, dafür aber für Fauna und Flora sehr wichtig sind, es seien hier Senf oder Borretsch, das Gurkenkraut, genannt.
Alfons Mittermaier vom Maschinenring Altötting-Mühldorf hatte zu einer Besichtigung der Blühfläche eingeladen, die 0,9 Hektar, also 9000 Quadratmeter umfasst. Landwirt Josef Mitterreiter aus Rudlfing bei Kraiburg hatte die praktische Ausführung des Projektes übernommen, er hatte die Blühfläche gepachtet und Anfang Mai die Blühmischung in einem Zug ausgesät. Diese Mischung hatte er in einem landwirtschaftlichen Lagerhaus gekauft. Zahlreiche Blühpaten nutzten die Gelegenheit, sie konnten auch den Ausführungen eines Experten zuhören. Hans Laumer ist Landwirt aus Zandt im Bayerischen Wald und Wildlebensraumberater. Es sind, so Laumer, zertifizierte Mischungen entwickelt worden, die vor allem keimfähig sind. Wichtig ist auch, dass die Blumen und Pflanzen dem Raum entsprechen, in dem sie angesät werden. In unserer Region sollen also nur für sie typische Arten angesät werden, nicht solche, die in Franken oder Schwaben beheimatet sind. Ein wichtiges Kriterium ist laut Laumer auch die Artenvielfalt, nicht zwei oder drei Arten sollen angepflanzt werden, sondern zehn oder mehr. Nach dem Ausbringen braucht das Saatgutkorn Feuchtigkeit, diese Bedingung war heuer – im Gegensatz zum letztjährigen Sommer – gegeben. Auch ist das Feld, auf dem angesät wurde, ideal, da es dreieckig ist. Es ist nicht das beste Grundstück eines landwirtschaftlichen Betriebes, solche Grundstücke sind rechteckig. Wichtig sind laut Laumer auch Flächen, die nicht umgeackert werden. Im Boden leben nämlich Wildbienen, es gibt über 600 Arten in Deutschland, sie bestäuben die Pflanzen.
Als Wildlebensraumberater brach Laumer auch eine Lanze für den Mais. Dieser sei ein optimaler Lebensraum für Fasan, Rebhuhn oder Hase.
Nach den Ausführungen Laumers ergab sich eine lebhafte Diskussion am Feldrand, die erst infolge einbrechender Dunkelheit endete.