Projekt: Blühwiesen im Industriegebiet

von Redaktion

Waldkraiburger Industrieunternehmen wollen einen Beitrag für die Umwelt leisten und Vorhalte-Bauflächen vorübergehend in blühende Öko-Areale verwandeln. Doch das ist gar nicht so einfach.

Waldkraiburg – Derzeit halten viele Betriebe die unbebauten Reserveflächen niedrig, lassen der Natur dort wenig Spielraum. Um hinterher nur ja nicht Probleme mit dem Natur- und Artenschutz zu bekommen, wenn sie die Fläche bebauen wollen. Muss das denn so sein? Gibt es keine Möglichkeit, diese Flächen für drei, fünf, manchmal zehn Jahre ökologisch aufzuwerten, sie vorübergehend naturnah zu gestalten?

Firmen wollen Rechtssicherheit

Diese Fragen sind der Ausgangspunkt für die Umweltinitiative der Industriegemeinschaft (IGW) Waldkraiburg-Aschau. Federführend ist dabei die Firma Netzsch. Der Pumpenhersteller würde etwa 2000 bis 3000 Quadratmeter auf dem Firmengelände an der Geretsrieder Straße in Waldkraiburg zur Verfügung stellen, um die Fläche vorübergehend der Natur zu überlassen, sagt Hans Vetter, Leiter des Qualitätsmanagements bei Netzsch und Beisitzer im Vorstand der IGW. „Wir wollen nicht alles auf Golfrasen-Niveau.“

Die entscheidende Voraussetzung, damit die Pläne von Netzsch Realität werden und sich weitere IGW-Unternehmen anschließen: „Wir brauchen Rechtssicherheit.“ Auf keinen Fall dürfe es so weit kommen, dass später aus natur- oder artenschutzrechtlichen Gründen eine Entwicklung der Fläche erschwert oder blockiert wird. Ulli Maier, der ehemalige IGW-Vorsitzende und Stadtrat, der die Initiative kürzlich im Stadtrat ankündigte, formuliert es pointierter: „Was ist, wenn sich auf dem Gelände seltene Schlangen oder Lurche ansiedeln? Dann wären wir die Deppen.“

So ist die gesetzliche Ausgangssituation

So viel ist klar: Der gesetzliche Biotopschutz greift nicht bei Biotopen, die nach Inkrafttreten eines Bebauungsplanes entstanden sind. Insofern sind die Unternehmen auf der sicheren Seite, wenn sie die im Plan vorgegebene Nutzung realisieren. Das teilt das Landratsamt mit, dessen Untere Naturschutzbehörde die Initiative der Betriebe ausdrücklich begrüßt.

Eine Konfliktsituation könnte allerdings im Hinblick auf den speziellen Artenschutz entstehen, der laut Bundesnaturschutzgesetz eine solche Ausnahme nicht kennt. Das heißt im Klartext: „Ein Magerrasen (Biotop), der hierdurch entsteht, darf jederzeit entfernt werden, die Zauneidechse, welche sich durch zum Beispiel die Anlage von Totholzhaufen ansiedelt, würde artenschutzrechtlich zu Problemen führen.“ Zuständige Behörde dafür ist die Regierung von Oberbayern.

Hilfe vom Verband für Landschaftspflege

Um keine artenschutzrechtliche Konflikte entstehen zu lassen, empfiehlt das Landratsamt, ökologisch interessante Flächen zu schaffen, die gleichzeitig über keine Funktion für streng geschützte Arten verfügen. „Denkbar wäre zum Beispiel die Anlage von Blühwiesen, die zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werden, jedoch ohne sonstige Strukturierungen wie Totholzhaufen und ähnliches.“

Dazu rät auch Elisabeth Knapp, Geschäftsführerin des neuen Landschaftspflegeverbandes Mühldorf, in dem auch die Stadt Waldkraiburg Mitglied ist. Knapp ist bereits mit Netzsch und der IGW im Gespräch. Vom Landschaftspflegeverband komme eine sehr gute Unterstützung, sagt Hans Vetter.

Probleme könnte die grüne Zauneidechse machen, weiß er. „Weil wir aber kein Totholz auf unserem Gelände haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Eidechse vorkommen wird, sehr gering.“ Voraussichtlich Anfang September werde man bei einem Vor-Ort-Termin mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Ausschau nach dieser seltenen Art halten.

Zusammen mit dem Verband werde derzeit geprüft, welche Voraussetzungen die Firma Netzsch erfüllen muss, um „eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung“ zu erhalten und damit Rechtssicherheit zu haben. Vetter: „Wir wollen das von der zuständigen Behörde schwarz auf weiß.“ Das bleibt Voraussetzung. Erst dann werde das Projekt gestartet. Doch Vetter ist sehr zuversichtlich, „dass alle Rahmenbedingungen bis zum Oktober 2019 geregelt sind, sodass wir noch in diesem Jahr die entsprechenden Flächen bestellen können“. Sollte es so weit kommen, will Netzsch auf dem Gelände eine Blühwiese ansäen, denkbar sei auch, kleinere Sträucher wie Felsenbirnen zu pflanzen, um das Ganze aufzulockern.

Insgesamt geht es um 20000 Quadratmeter

Weitere Betriebe der IGW wie TPE KRAIBURG, das Gummiwerk KRAIBURG, die SGF oder Medi-Kabel, wollen nach seinen Worten dem Beispiel folgen. Insgesamt gehe es da um rund 20000 Quadratmeter Blühwiese im Industriegebiet.

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