„Die Gräben zuschütten“

von Redaktion

„Wir wollen die Gräben zuschütten“, sagt Jugendleiter Jens Borchert. Ein halbes Jahr nach den heftigen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Jugendeishockeys scheint wieder Ruhe eingekehrt. Und Klarheit. Alle Jugendteams spielen unter dem Dach des EHC.

Waldkraiburg – Sie kamen wie aus dem Nichts, um sich die Jugendarbeit zu krallen: die „Wildkatzen“, ein neuer Verein, der im Februar im Handstreich sämtliche Nachwuchsmannschaften im Waldkraiburger Eishockey übernehmen wollte. Bei einigen Eltern hatte sich Unzufriedenheit aufgestaut. Nicht alles war zuletzt optimal beim EHC gelaufen. Jetzt mit den Wildcats sollte alles besser, professioneller werden, so die Kritiker um Vorstand Armin Lorenz.

Löwen haben sich von Wildkatzen nicht rausbeißen lassen

Ein halbes Jahr später ist von den großen Versprechungen nicht viel übrig geblieben. Beim EHC munkelt man, der Konkurrenzverein habe nur auf dem Papier existiert. Eine Homepage gibt es noch, auf der allerdings seit Monaten nichts mehr passiert. Und Armin Lorenz meldet sich aus der Versenkung: Weil sich damals nicht alle Eltern für den neuen Verein entschieden haben, „wollten wir auch nicht weiter Energien in den Eishockeybetrieb in Waldkraiburg stecken“, teilt er auf Anfrage der Zeitung mit.

Nach seinen Worten haben die „Wildcats“ im Frühjahr für wechselwillige Eltern, beziehungsweise Jugendspieler, Elternabende angeboten. Mehr als ein Dutzend Nachwuchsspieler habe der EHC an andere Vereine wie Dorfen oder Gebensbach verloren. Sponsorengelder, die der Verein „Wildcats“ bereits eingesammelt habe, würden an diese Vereine weitergegeben“, behauptet Lorenz, nennt aber keine Summen.

EHC: Hauptamtlicher Coach Hatkevitch macht doch weiter

Jugendleiter Jens Borchert kehrt mit seinem Team derweil die Scherben der Querelen zusammen. Der EHC hat die Jugendarbeit neu strukturiert, einiges nachjustiert. Keine Frage, die Querelen haben Spuren hinterlassen. 46 Kinder waren im Frühjahr noch bis zur Altersklasse U13 gemeldet. 37 sind es laut Borchert heute noch, fast 60 in allen Altersklassen bis zur U20. In der U7 und der U17 kann der EHC keine Mannschaft im Spielbetrieb aufbieten. Die U9 und die U13 bilden Spielgemeinschaften mit Trostberg, die U15 mit Dingolfing, die U20 mit Moosburg. Bei allen Spielgemeinschaften ist der EHC der federführende Verein. Die U11 ist eigenständig.

Jetzt hofft Jens Borchert, der schon damals designierter neuer Jugendleiter war, dass sich alles wieder stabilisiert. Wichtige Voraussetzungen sind dafür aus seiner Sicht geschaffen: Sergej Hatkevitch, der hauptamtliche Trainer, der zwischenzeitlich bei der Konkurrenz unterschrieben hatte, ist wieder Löwen-Trainer und leitet seit 1. Juli das Sommertraining der Jugendmannschaften. Seine Rolle ist klarer definiert als zuvor. Hatkevitch gibt laut Borchert für alle Mannschaften das Konzept vor, wird bei nahezu allen Trainingseinheiten auf dem Eis sein.

Schiri-Legende Willi Schimm koordiniert den Nachwuchs

Unterstützt wird der Coach beim Sommertraining von Julia Klose, die aber bald wieder Mama wird und deshalb für eine Weile aus dem Team ausscheidet, dazu von Philipp Seifert und Kevin Yeingst von der Bayernliga-Mannschaft sowie Florian Feistl. Seifert kümmert sich um die U9, Feistl um die U11.

Wichtiges Bindeglied zwischen Betreuern, Eltern, Jugendleitung und Präsidium ist der Nachwuchskoordinator. DEL-Schiedsrichter-Legende Willi Schimm, dessen Sohn beim EHC spielt, hat diese Aufgabe übernommen.

Auch das von einigen Eltern kritisierte System der Spielbetriebsumlage wurde wie angekündigt auf eine neue Basis gestellt: Alle Nachwuchsspieler zahlen pauschal eine Umlage von 260 Euro im Jahr und es gibt eine Staffelung nach Altersstufen: von der U7 (130 Euro) bis zur U15/U20.

Was fehlt? Ein zweiter Jugendleiter, vorzugsweise aus den jüngeren Mannschaften, wird noch immer gesucht. Jens Borchert, der seine Aufgabe unter denkbar ungünstigen Umständen angetreten hat, könnte Hilfe gut gebrauchen. Der bürokratische Aufwand, die Spielterminierungen, die Suche nach Spielgemeinschaftspartnern für die U15 haben ihn gefordert.

Der 50-Jährige aus Stefanskirchen ist durch seinen Sohn zum Eishockey gekommen. Er ist also selbst Eishockeyvater, hat den Filius seit dem sechsten Lebensjahr zu fast allen Spielen begleitet.

Eislaufschule: Das Angebot wird ab Oktober erweitert

Im Sommer waren Teambuildingmaßnahmen für die Mannschaften, teilweise auch für die Eltern angesagt, gemeinsam Spielen, Grillen, Baden, „um das ganze wieder zusammenzuführen. Wir müssen die Gräben, die sich durch die Elternschaft zogen, beseitigen.“ Das ist Borchert wichtig.

Und der Jugendleiter will die Basis wieder stärken, neue Spieler generieren. Unter anderem soll dies durch die Ausweitung der Eislaufschule geschehen. Bislang gab es dieses Angebot im Herbst und ab Januar. Künftig soll am Dienstagnachmittag durch die ganze Saison hindurch für Kinder ab fünf Jahren die Möglichkeit bestehen, Eislaufen zu lernen. Start ist Anfang Oktober. Wer Interesse oder Fragen hat, kann sich per Mail: jugendleiter@ehcwaldkraiburg.com melden. Mit einem großen U11-Jugendturnier am 28. September will der EHC Werbung für diesen Sport machen. Und gezielter Präsenz zeigen und Angebote machen. So hat Borchert beobachtet, dass „wir zwar einige Jugendspieler aus dem Landkreis Altötting haben, aber komischerweise sehr wenige aus Mühldorf“. Das soll sich ändern. Und auch in Waldkraiburg ist noch nicht ausgeschöpftes Reservoire, glaubt er.

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