Grüne Woche

von Redaktion

„Grüne Woche“? Das gibt’s nicht nur international im Januar in Berlin. Grüne Wochen gibt es auch lokal, in Waldkraiburg. Mitten im August.

Über den grünen Klee gelobt wird von manchen Mietern im Hochhaus in der Siemensstraße 1A die Stadtbau für die gelungene Modernisierung der Wohnungen. Mehr als ein grüner Nebeneffekt: Das energetische 50-Millionen-Euro-Erneuerungsprogramm für 602 Wohnungen, das in der Siemensstraße zum Abschluss kommt, spart über 3000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr ein. Durch Wärmedämmung, neue Fotovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung und vor allem den Anschluss an die Fernwärme. Zum Vergleich: Ein Hin- und Rückflug nach Sydney entspricht laut Bundes-Umweltamt pro Person zehn Tonnen CO2. Das schmälert nicht den Beitrag der Stadtbau, zeigt aber, wie groß das Einsprungspotenzial in anderen Bereichen ist.

Es wird noch grüner. Die Öko-Partei traut sich mittlerweile sogar Waldkraiburg zu, bislang ein schwieriges Pflaster, wie die Wahlergebnisse der Vergangenheit zeigen. Jetzt soll ein neuer Ortsverband eine grüne Welle in der Stadt auslösen und die Partei bei den Kommunalwahlen auf einen grünen Zweig kommen.

Ob der grüne Daumen im März nach oben zeigt? Noch gibt es weder ein grünes Programm für Waldkraiburg noch ausreichend Kandidaten. Und die Vertreterinnen des Kreisvorstands wie der Betreuungsabgeordnete aus dem Landtag haben in der Gründungsversammlung erkennen lassen, noch nicht ganz sattelfest bei wichtigen Waldkraiburger Themen zu sein. Bei der eigenen Satzung, das nur am Rande, haben die Wahlleiter gerade noch die Kurve gekriegt und einen Wahlgang wiederholt. Um nicht gegen das eigene Frauenstatut und die Mindestquotierung zu verstoßen.

Der Ortsvorstand macht den Eindruck, recht gut in Waldkraiburg verankert zu sein. Auch die „Zuagroasten“ haben die Stadt schnell lesen gelernt. Bemerkenswert: Während andere politische Gruppen sich schwer tun, Jüngere in Verantwortung zu bringen, ist im Führungsquartett der Grünen ein 28-Jähriger der Zweitälteste! Von so viel Zukunft kann die Konkurrenz nur träumen. Und die grünen Waldkraiburger Themen? Die gibt es: Ganz oben stehen der Einsatz für die kulturelle Vielfalt der Stadt, die klare Kante gegen Rechtsaußen, der Kampf für den Wald.

Das Thema dieser und der nächsten Wochen. Vordergründig geht es um zwei Hektar nördlich der Daimlerstraße, die in Gewerbeflächen umgewidmet werden sollen. Tatsächlich geht es um viel mehr, entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft: Um den Erhalt wertvoller Waldflächen, die die Stadt unverwechselbar machen. Um jeden Baum, der wichtig ist für das Binnenklima in Zeiten des Klimawandels. Und es geht um Planungssicherheit für Unternehmen am Standort. Um Entwicklungsmöglichkeiten für ansässige Betriebe, um Aussiedlung von Betrieben aus dem Wohnumfeld und Perspektiven für bauwillige Waldkraiburger Familien.

Da gibt es keine einfachen Antworten. Da geht es um schwierige Abwägungsprozesse, um saubere Argumentation: Welche Eingriffe sind unumgänglich, weil sonst die Nachteile für Stadt und Bürger größer wären. Und wo sind die Grenzen des Wachstums zu ziehen. Weil der Mensch zwar nicht vom Wald alleine lebt, aber ohne Wald auch nicht überleben kann. Wer Position bezieht, muss wissen, welchen Preis sie hat. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass der Bürgermeister im September zur großen Informationsversammlung lädt, um diese Fragen zu diskutieren. Mit Vertretern einer neuen Bürgerinitiative für den Erhalt des Waldes und allen interessierten Bürgern.

Wie kontrovers diskutiert wird, zeigen Reaktionen auf eine neue Initiative, mit der die Firma Netzsch und andere Waldkraiburger Industriebetriebe eine Vorreiterrolle übernehmen. Sie wollen Vorhalte-Bauflächen, die erst in einigen Jahren gebraucht werden, vorübergehend ökologisch aufwerten. Und sind dabei, dafür die naturschutzrechtlichen Voraussetzungen mit Behörden und Fachstellen zu klären. Noch heuer könnte es grünes Licht für die Umwandlung von Brachflächen in Blühflächen auf Zeit geben. Doch kaum war die Nachricht draußen, meldeten sich schon Kritiker, die den Firmen Taktik vorwerfen und den Versuch, sich ein umweltfreundliches Mäntelchen umzuhängen und andernorts Wald zu roden. Ach, du grüne Neune.

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