Das Leben nehmen, wie es kommt

von Redaktion

Helene Liewehr feiert ihren 100. Geburtstag – Geheiratet hat sie ihre Jugendliebe – Seit drei Jahren wohnt sie in Waldkraiburg

Waldkraiburg – Sie zählt zu den ältesten Bürgerinnen Waldkraiburgs und blickt nun auf ein ganzes Jahrhundert zurück, in dem sie Freude und auch Leid erfahren hat: Helene Liewehr wurde 100 Jahre alt.

Die geistig noch sehr fitte Jubilarin ist auch körperlich noch einigermaßen gut beisammen. „Wenn ich den Schwindel nicht hätte, ging es mir ganz gut. So brauch ich halt einen Rollator“, erzählt die Hundertjährige. Mit ihrem Gefährt ist sie noch täglich unterwegs. Wenn die Witterung schlecht ist, dreht sie im Adalbert-Stifter-Seniorenwohnen ihre Runden. Seit dreieinhalb Jahren lebt sie hier und fühlt sich sehr wohl und umsorgt. Bei schönem Wetter gönnt sie sich im Freien die Spaziergänge. „Ich brauche immer Bewegung. Schlafen muss man nachts; tagsüber lege ich mich nicht ins Bett. Von 22 bis 5.30 Uhr – das reicht“, schmunzelt sie.

So zählte sie auch „viel Bewegung und gesund leben – nicht rauchen und trinken“ zum Geheimnis ihres hohen Alters, nach dem sie Bürgermeister Robert Pötzsch bei seinem Geburtstagsbesuch gefragt hat. Neben den Glückwünschen und einem Präsentkorb hatte das Stadtoberhaupt auch die Gratulation und eine Münze des Ministerpräsidenten im Gepäck. Ihre Familie, Heimleitung, Personal und Bewohner gratulierten ebenfalls.

Das Licht der Welt erblickte Helene Liewehr am 19. August 1919 in Neutitschein/Sudetenland. Mit fünf Geschwistern ist sie dort aufgewachsen und zur Schule gegangen, besuchte anschließend das Gymnasium. Beruflich hat sie im Büro gearbeitet und half auch immer wieder im väterlichen Friseurgeschäft mit.

Ihren Mann kannte Helene schon von Kindheit auf, sie wohnten in derselben Straße. „Ich heiratete meine Jugendliebe und wir haben immer zusammen gehalten.“ Das Eheglück wurde mit der Geburt ihrer Tochter Liane gekrönt. Leider musste der Mann in den Krieg und kam in Gefangenschaft. „Fünf Jahre habe ich nicht gewusst, wo er ist oder ob er überhaupt noch lebt, bis er eines Tages wieder vor der Tür stand“, erinnert sich Helene. Sie musste nach dem Krieg täglich am Fußboden schlafen und viel Hunger leiden.

Nach der Vertreibung kamen die Liewehrs nach Zorneding und dann München-Berg am Laim, wo sie sechs Jahrzehnte lebten. Ihr Mann verstarb 2006. Durch ihre in Ampfing wohnende Tochter kam Helene Liewehr 2016 nach Waldkraiburg ins Heim. So freut sie sich auch über die Besuche ihrer Enkelin und der zwei Urenkel. „Man muss das Leben nehmen, wie es kommt – wie es der Herrgott aufgesetzt hat. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine Familie gesund bleibt“, hofft die betagte Dame.

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