Millionen für die Stromversorgung

von Redaktion

Es ist ein Millionen-Projekt: das neue Umspannwerk der Bayernwerk AG, das an der Grenze zwischen Waldkraiburg und Aschau entsteht. Bis 2022 soll auch die Stromversorgung der Stadtwerke so weit angepasst sein, dass Waldkraiburg von dort versorgt wird.

Waldkraiburg/Aschau – Noch ist das alte Umspannwerk des Bayernwerks mitten in Waldkraiburg, an der Reichenberger Straße, unverzichtbar für die sichere Stormversorgung. Doch die Arbeiten an der neuen Anlage an der Industriestraße auf Aschauer Gemeindegebiet kommen zügig voran. Das Betriebsgebäude ist weitgehend fertiggestellt. Die Montage der 20-kV-Schaltanlage laufe bereits, der Aufbau der 110-kV-Schaltanlage habe begonnen, so Christian Martens, ein Sprecher des Unternehmens.

Bayernwerk steckt fast sechs Millionen Euro in Umspannwerk

Fast sechs Millionen Euro wendet das Bayernwerk nach eigenen Angaben für den Bau des neuen Umspannwerks und den erforderlichen 20-kV-Anschluss für das eigene Versorgungsgebiet auf. Die neue Anlage ist Knotenpunkt für die regionale Verteilung in Waldkraiburg und in Aschau sowie Aschau-Werk.

Ein Umspannwerk hat eine zentrale Funktion für den Transport von elektrischem Strom vom Kraftwerk zu den Firmen und Haushalten. Es wirkt wie eine Kreuzung, an der unterschiedliche Straßen aufeinandertreffen. Umspannwerke verteilen den Strom und verändern dafür seine Spannung. Um auf den weiten Transportwegen den Energieverlust so gering wie möglich zu halten, hat der Strom eine sehr hohe Spannung, Umspannwerke sind dazu da, diese Spannung auf die in Haushalten üblichen 230 Werte herunterzuwandeln.

Diese Wandlung passiert auch in der neuen Anlage in Aschau. Im April 2020 will das Unternehmen die 110- kV-Schaltung in Betrieb nehmen. Abschnitte des vom Bayernwerk versorgten 20-kV-Netzes werden dann über einen zusätzlichen neuen Netztransformator versorgt. Die Anbindung des neuen Umspannwerks in das 20-kV-Netz des Bayernwerks wird vom Kundencenter in Ampfing ausgeführt. Sobald die Stadtwerke, die Waldkraiburg versorgen, ihr 20-kV-Netz auf den neuen Einspeisungspunkt angepasst haben, kann auch die Stadt aus der neuen Anlage heraus versorgt werden.

2022 soll auch Stadt aus der neuen Anlage versorgt werden

Bis 2022 soll es laut Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner so weit sein. Seit längerer Zeit laufen dafür die Vorbereitungen und Planungen. Die städtische Gesellschaft ist dabei, die Trassen für drei Einspeisekabel festzulegen. Bewusst hat man sich dagegen entschieden, alle drei Kabel in einen Graben zu verlegen, um das Risiko eines Stromausfalls auf dem deutlich längeren Weg vom Umspannwerk zum Schalthaus zu minimieren.

Stadtwerke planen drei Leitungstrassen

zur neuen Anlage

Eine der drei Trassen ist mit der Verlegung der Kabel im Zuge des Fernwärmeausbaus Richtung Westen schon vorgegeben. Zum Schalthaus I, dem Herzstück der Waldkraiburger Stromversorgung, am Peters-Park, gleich neben dem noch bestehenden Umspannwerk, soll auch eine zweite Trasse führen, am Industriegleis von Aschau-Werk nach Waldkraiburg entlang.

Vom Schalthaus I besteht bereits eine Verbindung zum Schalthaus II in der Teplitzer Straße in der Nähe der Tankstelle und zum Schalthaus III in der Marienburger Straße.

Der Verlauf der dritten Versorgungstrasse, die zum Schalthaus III führt, ist laut Lechner noch nicht endgültig fixiert. Die Stadtwerke würden sie gerne am geplanten Baugebiet West entlang führen.

Neu errichtet wird ein Übergabeschalthaus im Waldgebiet an der Staatsstraße 2352 Richtung Aschau, in dem zentrale technische Einrichtungen, unter anderem zur Überwachung des Kabelsystems, untergebracht werden.

Viertes Schalthaus soll künftigen Bedarf der Industrie abdecken

Im Zuge der Gesamtmaßnahme soll ein weiteres neues Schalthaus IV nördlich der Daimlerstraße entstehen, auf einem Teil des Waldstücks, das die Stadt in Gewerbefläche umwandeln will. Den Bau der Station, die laut Lechner den künftigen Leistungszuwachs im Industriebereich abdecken soll, wollen die Stadtwerke noch in diesem Jahr angehen.

Größere technische Veränderungen stehen mit dem geplanten Umbau laut Lechner nicht an, viele Elemente können weiter verwendet, aus- und wieder eingebaut werden. Das gesamte Leitungsnetz, 107 Kilometer Mittelspannungsnetz, 297 Kilometer lange Niederspannungsnetz und 173 Trafohäuschen, wird weiterhin gebraucht.

Dennoch kostet die Verlegung des Umspannwerks auch die Stadtwerke viel Geld. Es geht um eine Größenordnung von 2,5 Millionen Euro, dazu kommen 1,2 Millionen Euro für das Schalthaus IV. Die Investitionen werden langfristig abgeschrieben. Große Preissprünge beim Strom müssen die Kunden der Stadtwerke nicht befürchten, beruhigt Lechner, allenfalls Erhöhungen im Zehntel-Cent-Bereich pro Kilowattstunde werde es geben.

Versorgungssicherheit verbessert sich – Areal in Stadt wird frei

Der Ersatz der älteren Anlage verbessere die Versorgungssicherheit, so Bayernwerk-Sprecher Christian Martens. „Gleichzeitig wird durch einen zusätzlichen Netztransformator die Anschlussleistung erhöht, um den steigenden Energiebedarf in der Region und die Integration einer zunehmenden Zahl an regenerativen Energieerzeugern zu leisten.“ Wenn die alte Anlage aus dem Betrieb genommen ist, könne zudem eine Teilstrecke der bisherigen Hochspannungsleitung abgebaut werden.

Weil sich mit der Absiedlung des Umspannwerks aus der Stadt neue Möglichkeiten für die Entwicklung eines bislang unbebauten Areals auftun, hatte die Stadt schon seit vielen Jahren darauf gedrungen. Das Grundstück an der Reichenberger Straße, auf dem sich das Umspannwerk befindet, und ein Nachbargrundstück, insgesamt 10700 Quadratmeter, will das Bayernwerk verkaufen. Das nächste Umfeld wird bereits rege bebaut.

Sobald die Stadtwerke ihr Netz den neuen Gegebenheiten angepasst haben, wird eine Übergangsphase folgen, in der beide Anlagen gemeinsam betrieben werden, um bei Problemen auf das alte System umschalten zu können. Die Versorgung muss vollständig auf das neue Umspannwerk umgestellt sein, ehe die Altanlage abgebaut werden kann. Auf etwa eine halbe Million Euro schätzt das Bayernwerk die Kosten für diesen Rückbau.

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