Ohne schlechtes Gewissen

von Redaktion

Die Lust am Reisen mit dem Flugzeug oder auf dem Kreuzfahrtschiff ist ungebrochen

Waldkraiburg – Ferne Länder und andere Kulturen entdecken: Oft lässt sich dafür eine Flugreise nicht vermeiden. Aber ist das angesichts der Debatten um den CO2-Austausch überhaupt noch vertretbar? Nachhaltigkeit, Klimawandel und Umweltbewusstsein – Greta Thunberg und die Fridays for Future-Bewegung sind allgegenwärtig. Eines zeichnet sich ab: Der Greta-Effekt hat auf die Reiselust in und um Waldkraiburg nur beschränkt Einfluss.

Wohin und wie es in den Urlaub gehen soll, da lassen sich die Leute wenig beeinflussen. In den Reisebüros ist von einem Umdenken jedenfalls bislang nichts zu spüren. Die Lust am Reisen ist ungebrochen. Das sagt auch Veronika Tocon vom Reisebüro TUI Travel Star. „Die Leute fliegen nach wie vor – kurz- und auch langfristig wird gebucht.“ Kein einziges Mal hätte sich bislang ein Kunde nach Alternativen erkundigt oder auf einen Flug verzichtet. Erst kürzlich hätten Kunden bei ihr bereits für nächstes Jahr zwei Flugreisen gebucht.

Von Flugscham

redet keiner

Das Flugzeug gilt als Klimakiller, produziert im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ein Vielfaches an Kohldendioxid. Um die Umwelt zu schonen, verzichten viele auf das Flugzeug oder kompensieren ihren Flug mittels Ausgleichszertifikate. Doch von Flugscham hat im Reisebüro bei Veronika Tocon noch keiner gesprochen. „Die Leute wollen das machen, deshalb ist die Urlaubsreise mit dem Flugzeug auch nicht verpönt.“ Oft spiele bei der Reiseplanung der Zeitfaktor oder der Geldbeutel eine Rolle. Zum Beispiel würden Abiturklassen aus Kostengründen für ihre Sommerfahrt nach den Prüfungen den Bus wählen, um sich Richtung Spanien aufzumachen. Nach der Heimkehr seien sie sich aber oft einig, dass das künftig keine Option sei, weil die Fahrt zu lange gedauert habe. „Eine Kundin ist mit dem Bus nach Venedig gefahren, um von dort mit dem Kreuzfahrtschiff loszufahren.“ Ein zweites Mal werde sie es aber nicht mehr machen, dazu war es ganz einfach zu umständlich. „Im Urlaub wollen die Reisenden Komfort.“

Komfort genießen viele Reisende auch auf Kreuzfahrtreisen, die bei den deutschen Urlaubern hoch im Kurs stehen. 2,26 Millionen Gäste aus Deutschland machten laut Schätzungen des Branchenverbands Clia im Jahr 2018 Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Das entspricht einem Wachstum von 3,5 Prozent.

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten gibt es auch in Waldkraiburg – ohne schlechtes Gewissen. „Für viele ist es ein Traum oder sie sind ganz einfach Fan davon“, sagt Tocon. Von der Umweltbilanz eines Kreuzfahrtschiffes redet keiner.

Dass aufgrund der schlechten Ökobilanz und damit verbundener Gewissensbisse jemand auf die Flugreise verzichtet hätte, das hat Christoph Müller vom gleichnamigen Reisebüro noch nicht erlebt. Viele seiner Kunden seien Vielflieger, die auch geschäftlich oft mit dem Flugzeug unterwegs seien. Seine Einschätzung: „Die Bürger schauen genauer hin, sind sich durchaus bewusst, dass es ein wichtiges Thema ist.“ Sich den Urlaub verbieten lassen, das wollen sie aber nicht. Viele würden sich vielleicht mit dem Thema gar nicht auseinandersetzen. Aber man dürfe nicht außer Acht lassen, zu welchen Gelegenheiten viele Reisende ins Flugzeug steigen. „Viele planen ihre Reise lang im Voraus, weil es zum Geburtstag oder zum Hochzeitstag ist.“ Dies mische sich mit Kunden, die etwa zwei bis drei Monate vorher buchen. Last Minute würden weniger Leute buchen.

Keiner will sich Urlaub verbieten lassen

Die Zahlen des Münchner Flughafens bestätigen die Einschätzung der beiden Reisebüros. Zur Hauptreisezeit in den Sommerferien hatte der Airport bis zu sieben Millionen Fluggäste erwartet, die in mehr als 53000 Flügen ihre Urlaubsziele ansteuerten. Die meisten internationalen Starts während der Sommerferien gingen zu den klassischen Urlaubszielen in Südeuropa. Das heißt: Hinsichtlich der Reiselust der Deutschen verpufft der Greta-Effekt.

2400 Maschinen flogen nach Italien, in Richtung Spanien hoben mehr als 2000 Flugzeuge ab – nach Frankreich waren es rund 1300, nach Griechenland knapp 1000. Spitzenreiter bei den touristischen Einzelzielen war nach wie vor Palma de Mallorca.

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