Pfarrer müsste man sein

von Redaktion

Pfarrer müsste man sein, Waldkraiburger Pfarrer! Dann könnte man sich im wohl verdienten Urlaub heuer mal so richtig gehen lassen. Genießen, Schlemmen. Mittags dem dritten einen vierten und fünften Gang folgen lassen. Jeden Tag einen Jumbo-Eisbecher wegschlecken oder ein zweites, ein drittes Stück Torte zum Nachmittagskaffee auf den Teller türmen. Und abends als Betthupferl einfach mal eine ganze Tafel Schokolade verputzen. Ganz ohne Reue. Mit bestem Gewissen. Ist alles für einen guten Zweck.

Am 14. September wird nämlich abgerechnet. Und da müssen drei geistliche Herren ordentlich was auf die Waage bringen. Für die Fair-Trade-Wette in der Fair-Trade-Stadt Waldkraiburg, die diesen Titel gerade wieder aufgefrischt hat. Für jedes Kilo Pfarrer wollen die Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände am Aktionstag auf dem Sartrouville-Platz fair gehandelte Waren für mindestens drei Euro verkaufen. Mithilfe der Bevölkerung, die auf dem Markt unterwegs ist. Und der Verlierer der Wette schenkt den Waldkraiburger Kindertagesstätten schönes fair gehandeltes Spielzeug.

Kind müsste man sein! Besser Kinderreporter. So wie die zehn Mädchen und Buben, die in dieser Woche bei der Ferienaktion unserer Zeitung im Haus der Kultur hinter die Kulissen schauen durften. Und das Haus, das sie alle schon kannten, aus einer anderen Perspektive erlebten.

Genau wie die Zeitung, die sie auch alle als Leser kannten. Und an diesem Tag als Macher erlebten. Auf einer ganze Seite berichteten sie über ihren Besuch im Kulturhaus. Fragten den Redakteuren bei der Gelegenheit Löcher in den Bauch. Eine ganz besonders aufgeweckte Gruppe aus Nachwuchsreportern, die alles genau wissen wollte, über Überschriften diskutierte und aus dem Zeitungsarchiv im Keller auch nach einer halben Stunde nur schwer raus zu kriegen war.

So hartnäckig wie Herbert Lenhart müsste man sein! Der Mann hat einfach nicht aufgegeben, immer neue Vorstöße gestartet, um den Autobriefkasten ins Gespräch zu bringen. Weil Lenhart nicht locker gelassen hat und mit seinem Anliegen nicht allein ist, könnte es doch noch was werden mit dem bequemen Postvertriebsstation in Waldkraiburg und der Briefkasten an den alten Standort zurückkehren.

So rüstig und unternehmungslustig wie der Maier Ossi müsste man sein! In diesem Alter. Bald wird der „Vortänzer“ 80 (!) und hat gerade eine neue Aufgabe übernommen. Zusammen mit Rosa Utzschmid will er künftig den Seniorentanznachmittag organisieren, damit sich die „flotten Oldies“ weiter treffen können.

Ein Herz müsste man haben! Auch als Radldieb. Die Reue müsste einen packen – verdammt noch mal! – wenn man erfährt, was man angerichtet hat. Ein Jahr hatte der elfjährige Fabian Kamhuber gespart, um sich ein Mountainbike zu kaufen. Jetzt ist es weg. Geklaut in der Warnsdorfer Straße. Also, wenn sich da das Gewissen nicht rührt. Und das Radl schon morgen wieder da steht, wo es hingehört!

Frau müsste man sein! In der Kommunalpolitik kann das ein halbes Jahr vor den Wahlen nicht schaden. In Kraiburg ist der Bürgermeisterwahlkampf – wie‘s ausschaut – reine Frauensache. Und auch andernorts gehen aussichtsreiche Bewerberinnen an den Start. Frauen in Rathäusern, bald wird das ein Stück Normalität.

Vor einem halben Jahrhundert hätte man Volksfestbesucher sein müssen. 2,30 oder 2,50 Mark, nicht Euro, hat damals die Mass Bier gekostet. Schwarz auf weiß stand es vor 50 Jahren in der Zeitung. Ein Traum.