Vor 50 Jahren: Ein Tümpel neben der Kläranlage stinkt zum Himmel

von Redaktion

Anlieger gehen auf die Barrikaden – „Die Lösung wäre, einfach zuschütten“

Waldkraiburg und die Welt – Den Anliegern der Johann-Sebastian-Bach-Straße und der Bayerwaldsiedlung stinkt’s gewaltig. Öffentlich machen sie ihrem Ärger über Geruchsbelästigungen aus dem Umfeld der Kläranlage Luft, wie die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren berichtet.

Die Bürger, die an der Inntalkante über der Kläranlage wohnen, nehmen nicht Anstoß an der Tatsache, dass der biologische Teil der Anlage erst 1971 fertig gestellt wird. Was „zum Himmel stinkt“, ist ein unappetitlicher Tümpel neben der Kläranlage. Im Sommer mussten die Anlieger alle Fenster luftdicht abschließen. Ein Aufenthalt auf der Terrasse sei unzumutbar. Unklar ist, wer die Abfälle aus den Klärgruben ins Gelände fließen lässt. Die Arbeiter der städtischen Anlage „zucken mit den Schultern“. Klar ist: Der Tümpel liegt auf städtischem Grund. Was tun? „Die Lösung wäre, einfach zuschütten“, schlägt der Redakteur der Zeitung vor.

2500 Zuhörer bejubeln Wahlkämpfer Strauß

Franz Josef Strauß, Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzender läutet bei einer Kundgebung vor 2500 Zuhörern in der Festhalle in Waldkraiburg die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs im Landkreis ein. Seine Anhänger bejubeln die Pointen, mit denen Strauß vor allem Willy Brandt und Karl Schiller, seine SPD-Kabinettskollegen in der GroKo in Bonn, aufs Korn nimmt. Brand und Schiller hätten die „Weichen auf die kleine Koalition SPD/FDP gestellt; die Sozialdemokraten wollen statt des Schlachtrosses CDU/CSU ein Pony zum Partner“.

Das Angebot im städtischen Busverkehr wird erweitert. Ab Oktober 1969 will das Busunternehmen einige zusätzliche Haltestellen anfahren: im Föhrenwinkel, in der Franz-Liszt-Straße und am Münchner Platz. Ungelöst bleibt aber eine bessere Verkehrsanbindung für das Wohngebiet II im Norden. Die nächste Haltestelle für diese Fahrgäste liegt an der Ecke Grüner Weg/Siemensstraße.

Privates Hallenbad nimmt Betrieb auf

Das private Hallenbad Zappe hat den Betrieb aufgenommen. Die Trainingsgemeinschaften der Schwimmer des VfL Waldkraiburg und des TSC Mühldorf trainieren dort für die deutschen Meisterschaften der Vereine ohne Winterbad.

An der Hauptschule kommt 9. Schuljahr

Mit großen Platzsorgen gehen die Waldkraiburger Schulen in ein neues Schuljahr, das ohnehin viele Veränderungen bringt. An den bayerischen Hauptschulen wurde das 9. Schuljahr eingeführt, Englisch wird Pflichtfach und das neue Fach „Arbeits- und Soziallehre“ eingeführt. Hauptschüler, die eine besondere Abschlussprüfung bestehen, können einen berufsbezogenen Bildungsweg beginnen, der sie bis zur Fachhochschulreife führt.

In der Stadt Waldkraiburg wurden zudem die Schulsprengel geändert. Und weil die neue Realschule nicht rechtzeitig fertig wurde, müssen sich Hauptschüler und Realschüler ein Schulgebäude teilen. Etwa zwei Wochen lang gibt es deshalb Schichtunterricht.

Die Industriegemeinschaft Waldkraiburg organisiert eine neue Impfaktion. 1968 hatten rund 2000 Arbeitnehmer dieses Angebot wahrgenommen, darunter auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Der VfL gründet Skiabteilung

Der VfL Waldkraiburg will eine Skiabteilung gründen. Eine jährliche Stadtmeisterschaft, ein Wettbewerb der Waldkraiburger Betriebsmannschaften und Stadtpässe mit erheblichen Preisermäßigungen für bestimmte Skilifte sind im Gespräch.

Die Studio-Bühne, eine Theatergruppe der Volkshochschule unter der Leitung von Traute Wolf-Schuppler, ist in der ganzen Region gefragt. Mit dem Moliere-Lustspiel „Der Arzt wider Willen“ wird die Laienbühne zu mehreren Abendvorstellungen und Schulaufführungen in Mühldorf und im Landkreis Altötting eingeladen.

In Aschau entsteht die größte Eierfabrik Bayerns. 60000 Legehühner werden täglich 50000 Eier legen.hg

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