Erfolg durch Kamera und Polizeipräsenz

von Redaktion

Vandalismus und Ruhestörung rund um die Garser Pfarrkirche haben abgenommen

Gars – Diebstähle aus den Opferstöcken und Klingelbeuteln, brennende Kerzen, die unbeaufsichtigt stehen blieben, Kinder, die während der Gottesdienste lautstark vor der Kirchentür Fußball spielten, zertrampelter Blumenschmuck, nächtliche Feiern im Kirchhof: Vandalismus und Ruhestörungen, die auf das Konto einer Gruppe von mehreren Großfamilien aus Rumänien gehen, haben vor knapp einem Jahr dazu geführt, dass der Pfarrverband Gars für sein Gotteshaus „Mariä Himmelfahrt“ eine Videoüberwachung einführte. Die Polizei hatte diesen Schritt empfohlen – mit Erfolg: Bürgermeister Norbert Strahllechner (FWG) und Pfarrer Pater Ulrich Bednara sind sich einig, dass die Störungen und Beschädigungen nachgelassen haben.

Familien leben in einer Parallelwelt

Das liegt nach ihrer Meinung jedoch auch an der verstärkten Präsenz der Polizei. Die Beamten der Polizeistation Haag sind in den vergangenen Monaten im Kirchenviertel von Gars öfter als sonst Streife gefahren. Gerhard Baum, Leiter der Polizeistation Haag, bestätigt die Einschätzung von Strahllechner und Bednara: „Es ist deutlich besser geworden.“ Auch Vermögensdelikte, Betrug und Diebstahl hätten nachgelassen.

Nicht nur die Polizei, auch der Pfarrer und der Bürgermeister lassen sich bis heute immer wieder vor Ort blicken. Sie sprechen Personen, die durch ihr Verhalten auffallen, direkt an. Dass er so manches Mal für dieses Einschreiten beschimpft wird, nimmt Strahllechner gelassen hin. „Es kann nicht sein, dass sich Menschen, die bei uns zu Gast sind, über Regeln einfach hinwegsetzen.“ Die rumänischen Familien leben nach seiner Erfahrung „in ihrer eigenen Welt“ – einer Parallelwelt, in der scheinbar eigene Gesetze gelten würden. Dass es nicht erlaubt ist, um 23 Uhr auf einem Spielplatz mit einem Fußball herumzukicken, auf dem Parkplatz des Pfarrsaals einen Grill aufzustellen oder auf dem Gehweg einen Ölwechsel zu vollziehen, sei den Mitgliedern der Großfamilien, die anscheinend vom Auto- und Schrotthandel leben würden, nur schwer zu vermitteln, bedauert der Bürgermeister. Was viele Garser außerdem stört: laute Halbwüchsige, die provozierend auf dem Gehweg stehen und auf Streit aus sind. Die Oberhäupter der Clans sind, so die einhellige Feststellung, weniger präsent in der Öffentlichkeit, treten, wenn sie angesprochen werden, in der Regel freundlich auf.

Mieterwechsel führt zur Entspannung

Trotz nach wie vor zu spürender Verärgerung über das Verhalten der im Kirchenviertel wohnenden Familien: Grundsätzlich hat sich die Situation verbessert, heißt es. Das mag auch daran liegen, dass sich in der Mieterstruktur ein Wechsel vollzogen hat, mutmaßt Bednara. Neue Familien sind eingezogen, die ihre Kinder und die Jugendlichen besser im Griff haben, berichtet er. Die Neuzugezogenen würden sich meistens gut benehmen, die Kinder seien „neugierig“, aber nicht ungezogen, freut sich der Pfarrer. „Es ist entspannter geworden“, sagt er.

Deshalb können weder der Bürgermeister noch der Dekan oder der Leiter der Polizeistation Haag nachvollziehen, dass in Gars immer mal wieder der Ruf nach einer Bürgerwehr laut wird. „So ein Schmarrn“, sagt Strahllechner empört. Auch Baum spricht von einem „völlig falschen Ansatz“ angesichts des „sehr niedrigen Aufkommens an Straftaten, die sich in der Vergangenheit vor allem um Eigentumsdelikte und Betrug drehten“. Der Leiter der Polizeistation Haag empfiehlt allen Bürgern, bei Auffälligkeiten sofort die 112 zu wählen, damit die Beamten reagieren könnten.

Kein Bedarf für eine Sicherheitswacht

Auch eine Sicherheitswacht nach dem Beispiel Waldkraiburg sei in Gars nicht nötig, ist Baum überzeugt. Ein solches Angebot unter Federführung der Polizei eigne sich eher für größere Kommunen und Städte.

Die Gottesdienstbesucher haben die in Absprache mit der Datenschutzabteilung der Erzdiözese München-Freising angeordnete Videoüberwachung übrigens akzeptiert, teilt Dekan Bednara mit. Nur zweimal sei er auf die Maßnahme angesprochen worden. Sie werde vorerst weiter fortgesetzt.

Integration und Parallelwelten

Während die Familien aus Rumänien in einer Art Parallelwelt zu leben scheinen, sind die Neubürger aus Syrien und Afghanistan, die als Flüchtlinge kamen, zur Freude von Bürgermeister Strahllechner darum bemüht, sich in das Garser Gemeindeleben zu integrieren. Die Erwachsenen haben Arbeit, die Jugendlichen eine Lehrstelle oder gehen zur Schule. Alle haben Wohnungen gefunden, viele sprechen mittlerweile „super deutsch“, sagt der Rathauschef. „Diese Familien sind ein Beispiel dafür, dass Integration gelingen kann.“

Artikel 9 von 11