Jettenbach – Sie engagiert sich für ihre Heimat, für die Natur und die Menschen, denn das sind ihre Herzensangelegenheiten. Elvira Schreiner ist ein Beispiel für eine Powerfrau. Sie hat in ihrem Leben schon viel bewegt und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Selbst nach ihrer Hüftoperation vor wenigen Monaten zog es sie sofort wieder raus in die Natur, wo sie ihrer großen Leidenschaft dem Wandern nachging.
Geboren wurde sie am 19. November 1943 in Bad Windsheim. Im Alter von drei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Jettenbach. Sie besuchte die Mittelschule in Waldkraiburg und spielte dort in der Laienspielgruppe einige Jahre Theater.
Schon früh ehrenamtlich aktiv
Nachdem sie ihre Schulzeit beendet hatte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Apothekenhelferin. Schon seit ihrem 16. Lebensjahr macht sie sich für andere stark, denn da begann sie Dienst beim Roten Kreuz in Kraiburg zu machen. Schon in jungen Jahren wurde sie dort Ausbilderin.
Im Alter von 23 Jahren gab sie ihre Arbeit beim Roten Kreuz auf und verlagerte sich auf den sportlichen Sektor. 1966 heiratete sie ihren inzwischen verstorbenen Ehemann Johann Schreiner. Mit ihm verband sie vor allem auch die Liebe zum Sport. „Mein Mann war damals Abteilungsleiter beim Fußball und Vorstand bei der Spielvereinigung. Ich wollte ihn dabei unterstützen und wurde dort auch aktiv. Er hat das 25 Jahre lang gemacht“, erzählt Schreiner. Sie wurde Präventationsübungsleiterin im Gesundheitssport. Neben ihrem Vollzeitjob gab sie noch Schulungen, Lehrgänge und hielt Vorträge bei Einrichtungen im Landkreis. Beim Bayerischen Landessportverband war sie Jugendleiterin und Frauenwartin. In dieser Zeit war sie auch Referentin für den Gesundheitsssport beim Bayerischen Turnverband.
Richtige Freizeit
gab es selten
Auf die Frage, ob es auch Freizeit gab, schmunzelt die sportliche Rentnerin. „Früher gingen wir mit der Familie gerne Ski fahren. Als mein verstorbener Mann und ich noch jung waren, waren wir immer wieder mal eine Woche lang mit den Rädern unterwegs. Das war dann der Ausgleich zum stressigen Alltag“, sagt sie.
1971 bauten sie ihr Eigenheim, in dem sie bis heute lebt. Ihre Arbeit als Apothekenhelferin gab sie anfangs der 70er auf und arbeitete von da an im Brauhaus Toerring in Jettenbach. Dort war sie Verkaufsinnendienstleisterin, übernahm aber auch noch den Job der Chefsekretärin. Bis zu ihrer Rente im Jahr 2006 arbeitete sie Vollzeit. Noch heute hilft sie ein bisschen im Brauhaus Toerring mit. 1973 wurde ihre Tochter geboren. Im gleichen Jahr gründete sie bei der Spielvereinigung Jettenbach die Turnabteilung. Sie baute das Kinderturnen auf, gab Jazztanz, bot Frauenturnen an, Wirbelsäulengymnastik und Seniorensport. „Privatleben gab es kaum“, gibt die ehrgeizige Powerfrau zu. Bis 1997 war sie Schriftführerin bei der Spielvereinigung.
Auch politisch engagiert
„Vor etwa 31 Jahren gründete ich die Frauengemeinschaft Jettenbach“, ergänzt sie. Politisch war sie auch viele Jahre aktiv: Von 1996 bis 2008 war sie Kreisrätin und stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis. Doch damit nicht genug: „Wir haben noch zwei Bücher geschrieben und veröffentlicht. Ein Gemeinschaftsprojekt, an dem mehrere Frauen mitwirkten. Die Titel der Bücher lauteten „Spuren des Neubeginns – Frauenleben im Landkreis Mühldorf nach 1945“ und „Frauen auf dem Weg“.
1998 kam sie zum Kulturkreis Jettenbach, der 1999 zum ersten Mal ein Schlosskonzert organisierte, das ein voller Erfolg wurde. Der Verein löste sich aber auf.
Ein Schicksalsschlag war 2006 der Tod ihres geliebten Mannes Johann. Nach seinem Tod nahm sie ihre Mutter bei sich auf und pflegte sie bis zu ihrem Tod. Ihre Familie war stets das Allerwichtigste in ihrem Leben.
2010 wurde der Heimat- und Kulturkreis Jettenbach aus der Taufe gehoben. Dort wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. „Der Verein soll sich für seinen regionalen kulturellen Lebensraum mit seinen Eigenheiten einsetzen, das Heimatgefühl lebendig werden lassen und die überlieferten Traditionen bewahren“, erzählt Schreiner stolz, denn dieser Verein gehört zu ihren absoluten Herzstücken.
Kultur und Heimat sind ihr wichtig
Seit fast zehn Jahren macht sie Mühlenwanderungen und Führungen durch Jettenbach. Sie begeistert die Menschen mit spannenden Geschichten rund um Jettenbach. 2014 gründete der Verein einen historischen Weg, bei dem an geschichtsträchtigen Gebäuden Infotafeln angebracht wurden. Die Powerfrau hat schon das nächste Projekt in der Planung. „Im Jubiläumsjahr 2020 wollen wir endlich den Mühlenweg beschildern“, sagt sie. Der Heimat- und Kulturkreis organisiert alle zwei Jahre ein klassisches Konzert in der Schlosskirche und im Wechsel einen bayerischen Abend im Pfadfinderhof in Grafengars. Am vierten Adventssonntag ist eine Lesung mit Musik in der Schlosskirche. „Ferienprogramm gibt es natürlich auch bei uns“, erzählt sie. Nebenbei erwähnt sie, dass sie auch noch Lektorin und Wortgottesdienstleiterin ist.
Zeit für Freizeit bleibt aber auch. „Ich liebe Gartenarbeit. Ich setze mich gerne hin und lese gute Bücher. Das ist perfekt zum Entspannen. Ich sammle Morisken-Tänzer und Glocken aus Porzellan und Glas. Mit meinem Partner teile ich die Liebe zum Bergwandern, Ausflüge machen und spazieren gehen. Wir sind beide sehr naturverbunden“.