Gerüst steht: Zehn Jahre passiert nichts

von Redaktion

Was mich freut, was mich ärgert Grünthaler warten auf Kirchturmsanierung

Unterreit – „Das kann doch nicht wahr sein“, empört sich die Grünthalerin Ottilie Mittermaier, „für alles hat die Kirche Geld, nur nicht für unseren maroden Kirchturm.“ In der Tat warten die Grünthaler seit zehn Jahren auf die versprochene Sanierung. Dass sie irgendwann einmal kommen wird, darauf weist lediglich ein Gerüst hin.

Bereits 110 Unterschriften gesammelt

Ottilie Mittermaier reicht es jetzt. Sie hat die Initiative ergriffen und ist von Haus zu Haus gefahren, um Unterschriften für die Vollendung der Maßnahme zu sammeln – 110 sind bereits beisammen. Das Protestschreiben zum Unterzeichnen liegt noch einige Tage in der Kirche aus. Ottilie Mittermaier will die Unterschriftenliste der Bürger sogar persönlich im Ordinariat in München abgeben.

Die Grünthaler sind stolz auf ihre Kirche. Das erste Gotteshaus entstand 1155, dies bestätigen alte Aufzeichnungen. Der sechsgeschossige spätgotische Turm wurde um 1450 aus Tuffstein und Nagelfluh erbaut. Die barocke Dachzwiebel stammt aus dem Jahr 1720. Das einschiffige Langhaus wurde im neubarocken Stil 1896 bis 1899 ausgeführt, es ersetzte den spätgotischen Vorgänger. Der farbenprächtige Innenraum zeigt noch eine original barocke Einrichtung: Hoch- und zwei Seitenaltäre sowie Kanzel.

Die katholische Pfarrkirche ist dem heiligen Andreas geweiht. Von 1992 bis 1994 wurde sie aufwendig renoviert. Bereits 2009 traten jedoch erstmals Beschädigungen am Kirchturm auf – als Folge von Feuchtigkeit, die in die Fassade eingedrungen ist. Es kam zu Ablösungen und es besteht die Gefahr, dass sich Steine lösen.

Bereits vor knapp zehn Jahren wurde für Renovierungsarbeiten ein Gerüst aufgestellt. Sieben Jahre lang stand es da, passiert ist jedoch nichts – außer, dass Kosten von rund 20000 Euro entstanden sind.

Nach dem ersten Gerüst folgte ein weiteres – damit die Planer und Architekten den Kirchturm begutachten konnten. Jetzt steht seit zwei Jahren ein Sicherheitsgerüst – das war`s. Bauarbeiter wurde noch nicht einmal gesichtet. Zwar liegt der Pfarrei ein Kostenvorschlag in Höhe von knapp eine Million Euro vor, sie müsste sich mit rund 130000 Euro selbst beteiligen. Laut Ordinariat muss aber Grünthal noch weiter warten, hat Ottilie Mittermaier erfahren. Die Kirchensanierung sei in der Dringlichkeit nach hinten gestuft worden.

Die Pressestelle der Erzbischöflichen Ordinariats München bestätigt auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, dass die Grünthaler sich weiter in Geduld üben müssen. Ein Zeitpunkt für den Start der Sanierung könne nicht genannt werden. Denn: „Das Geld steht nicht zur Verfügung“, bedauert Bettina Göbner, Mitarbeiterin der Pressestelle. Der Bauetat der Diözese umfasse im Jahr etwa 60 bis 70 Millionen Euro. Im Erzbistum gebe es 7000 Gebäude, mehrere Hundert sanierungsbedürftige Bauwerke lägen auf einem noch nicht abgearbeiteten Stapel – darunter die Pfarrkirche St. Andreas in Grünthal.

An der Reihe seien die vordringlichsten Maßnahmen – etwa Pfarrheime, die aufrund von Brandschutzauflagen nicht mehr genutzt werden könnten, Kirchen, bei denen die Durchführung von Gottesdiensten in Gefahr sei, Gebäude mit großen Feuchtigkeitsproblemen. Wenn keine Gefahr im Verzug sei, so wie in Grünthal, rutsche eine Maßnahme nach hinten auf der Prioritätsliste, bedauert sie.

Auch die Tatsache, dass eine Planung vorliege, bringe kein Tempo in die Erledigung der Angelegenheit. „Wir können den Unmut der Bürger verstehen, denn der Sanierungsbedarf ist unumstritten. Wir würden gerne handeln, wenn wir das Geld hätten“, heißt es.

Viele Grünthaler fragen sich trotzdem, warum sie so lange auf Renovierungen warten müssen, während andere kirchliche Bauten Geld erhalten. „Soll doch die von den Grünthaler Bürgern bezahlte Kirchensteuer der Pfarrei gehören, dann wär der Kirchturm schon längst renoviert“, ist sich Ottilie Mittermaier sicher.

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