Meerrettich – scharf und gesund!

von Redaktion

Kräuterpädagogin Hildegard Hintereder kennt die Vielseitigkeit des Meerrettichs

Waldkraiburg-Holzhausen – Wer kennt es nicht – Tafelspitz mit Meerrettichsoße? Als klassischer Würzpartner von Rindfleisch, geräucherter Forelle, geselchtem Fleisch oder zu Kassler und Würstchen ist der Meerrettich allseits bekannt. Kräftige Soßen und Suppen, Dips und Aufstriche lassen sich ebenso zubereiten. Wer es milder mag, reibt Äpfel, Orangen oder Rote Bete unter den Rachenputzer. Auch mit Sahne, Frischkäse oder Quark lässt er sich mischen.

Tipps von der Kräuterpädagogin

Diese Tipps und Rezepte hat Kräuterpädagogin Hildegard Hintereder aus Holzhausen allemal in ihrem Repertoire. Jedoch weiß sie noch sehr viel mehr über die „Wunderwurzel“ und ihre vielfältige Heilkraft zu erzählen, auch bei ihren Vorträgen. „Der Meerrettich ist eine mehrjährige Staude – ein Kreuzblütler und Senfölgewächs. Er ist von früher her als Bauernsenf, Fleischkraut, Rachenputzer, Pferde-Radies oder auch jetzt noch als Kren bekannt und ist mit Senf, Kresse oder Knoblauch verwandt“, erläutert sie.

Wie kam der Meerrettich zu uns? Die Wildform stammt aus den Steppen Russlands und den slawischen Ländern und kam über Österreich nach Deutschland. Rückblickend auf die Historie gelangte die Pflanze im Mittelalter in die Kräutergärten der Klöster und von dort aus in die heimischen Gärten und wurde zum „Tausendsassa für innere und äußere Entzündungen“. Die vielseitige Heilkraft wurde erkannt und so war der Meerrettich im Deutschen Reich Bestandteil jedes Kräutergartens.

Die Städter wurden von den „Krenfrauen“ versorgt, die zweimal jährlich von Tür zu Tür gingen. In Deutschland wurde der feldmäßige Anbau erstmals im Jahr 1787 in Erlangen erwähnt.

Die Kräuterpädagogin hat als Standort für ihren Meerrettich nicht umsonst einen Platz unter dem Kirschbaum gewählt, denn er vertreibt die Kirschfruchtfliege. „Sonnig bis halbschattig mag er und liebt es, wenn er tiefgründig in lockere humose Erde gesetzt wird. Ab März kann man fingerdicke Seitenwurzeln (Fechser) schräg fünf bis sieben Zentimeter tief in die Erde stecken (abgebrochener Teil nach oben), der vorher Hornspäne oder Kompost zugefügt wurde.

Ein Teil der Wurzel mit oberer Knospe abgebrochen, gedeiht er auch in einer Schale auf dem Balkon und schlägt Seitenwurzeln. „So ist immer ein frisches Stück Meerrettich parat!“, rät Hildegard, die wegen seiner Ausläuferbildung im Garten auch die Pflanzung in einem großen Kübel vorschlägt.

„Der Kren will seinen Herrn jeden Tag sehen!“ Von Mai bis Juli bildet er weiße Scheindolden. Im Sommer soll man die Stangen freilegen, Seitenwurzeln entfernen und wieder einsetzen – das bedeutet viel Handarbeit. Feucht halten! Die Ernte beginnt nach dem ersten Frost, wenn die Blätter welken. So ab Ende Oktober kann man ihn ausgraben. In feuchten Sand einschlagen oder in Folie eingepackt im Kühlschrank ist er gut zu lagern.

Es bietet sich an, die Blätter Juni/Juli zu sammeln und zu trocknen zur Zubereitung für Tees und Teemischungen, die zur Inhalation und Heilung der Atemwege dienen. „Das läutert den Geist!“ – heißt es im Volksmund. Im Sommer schmecken die Blätter feingehackt als Beigabe zu Gemüse, Suppen, Fleisch oder als Würzmischungen. Die Blüten enthalten antiseptische Substanzen – wie keine anderen Kräuter. Sie sind hilfreich bei Juckreiz oder Schuppenflechte.

„Hauptsächlich die Inhaltsstoffe der Wurzel haben eine vielseitige Heilkraft. Schon beim Zerschneiden und Zerreiben bekommt man die Schärfe zu spüren. Es sind die schwefelhaltigen Senföle, die freigesetzt werden – sie würzen sehr intensiv und sind gesund. Sie wirken keimtötend und bakterienhemmend.“ Zudem stärken sie die Immunabwehr, fördern die Durchblutung, halten die Verdauung in Schwung, treiben den Harn und reinigen den Körper gründlich von innen heraus. Vor allem bei Atemwegserkrankungen und Harnwegsinfektionen erweist sich der Meerrettich als wirkungsvolles, pflanzliches Antibiotikum. Man sagt ihm auch cholesterinsenkende Eigenschaften zu. „Eine hohe Konzentration an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sind in dieser gesunden Wurzel nachgewiesen“, sagt die Kräuterpädagogin.

So vielseitig ist Meerrettich

Meerrettich-Honig – wirkt antibakteriell, schleimlösend, entzündungshemmend: Meerrettich schälen, reiben, ins Glas geben, mit Honig mischen, ein paar Stunden ziehen lassen. Mehrmals täglich 1 Teelöffel einnehmen!

Meerrettich-Melissengeist:

200 Gramm Meerrettichblätter, 100 Gramm Melissenblätter, 1 Liter klaren Schnaps, zwei Wochen ausziehen lassen. Zur Verdauung, bei Magenbeschwerden oder als Einschlafhilfe ein Schnapsglas trinken. Bei Kopfschmerzen Nacken einreiben.

Immunstärkung:

1 Esslöffel frischer Meerrettichsaft und Saft einer Orange. Schluckweise über den Tag einnehmen.

Wundbrei: innerliche und äußerliche Anwendung – bei Infektionen und Verletzungen: 10 Zentimeter Meerrettichwurzel frisch gerieben, mit einem geriebenen Apfel und 20 ml Schnaps vermengen und schaumig rühren. Auf Wunden auftragen oder löffelweise einnehmen!

Inhalieren des ätherischen Öls (Senföl): Bei Kopfschmerzen, Schnupfen, Migräne, Nebenhöhlenentzündung: Meerrettich kurz vorher raspeln, mit kochendem Wasser überbrühen – inhalieren.

Darmreinigung:

10 Zentimeter Meerrettichwurzel, 1 Apfel gerieben, mit Saft einer Zitrone vermengen. Löffelweise einnehmen!

Erkältungstee:

1 Esslöffel Meerrettichblätter, 1 Esslöffel Lindenblüten, 1 Liter kochendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen. Schluckweise heiß trinken!

Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe:

10 Zentimeter Meerrettichwurzel in Scheiben, 1 Liter Gemüsebrühe, 1 Knoblauchzehe, 1 Teelöffel Kümmel, Gewürze zum Abschmecken, 15 Minuten köcheln lassen. Möglichst heiß trinken!

Umschläge:

Meerrettich-Quarkbrei, Meerrettich-Kräuterwickel, frisch geriebener Meerrettich pur. In eingeschlagenem Leinentuch je nach Beschwerden auf Stirn, Nacken oder bei Blasenentzündung auf Unterbauch legen!

Blütensalbe:

50g Blüten in 50g Distelöl erwärmen, 24 Stunden ziehen lassen, abfiltern, 10g Bienenwachs und 10g Kakaobutter zufügen, im Wasserbad auflösen, abfüllen und abkühlen lassen!

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