Gars – Grüne Wiesen, Kühe und Pferde, die sorglos ihr Gras fressen. Ein Bauer in Latzhose und mit Strohhut auf dem Kopf, einen Grashalm im Mund, der stolz über sein bestelltes Feld blickt – so ist wohl die Bilderbuchvorstellung der Landwirtschaft. Die Realität sieht jedoch anders aus: Täglich frühmorgens aufstehen, Kühe melken, Pferde misten, Hühner füttern, Feld beackern und die Ernte einfahren – ein Fulltimejob.
Erst Yoga, dann zur Arbeit in den Stall
Die Wasserburger Zeitung trifft das Ehepaar Mechthild und Sepp Eisgruber in Huttenstätt bei Gars. Gemeinsam führen sie einen Biobauernhof – seit 25 Jahren. Mechthild kommt gerade aus der Dusche, nachdem sie die Stallarbeit erledigt hat. Es ist abends, nach 18 Uhr. Jetzt hat die 57-Jährige ein bisschen Zeit, um die Füße hochzulegen.
Frühmorgens ab 5 Uhr ist sie normalerweise schon wach. Und dann geht sie in den Stall? „Nein, zuerst mache ich Yoga,“ erzählt sie, „Das mache ich schon 20 Jahre! Ich habe eine dreijährige Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht und gebe selber Kurse. Yoga ist mein Leben.“ Angefangen habe sie damals, weil sie von der schweren Stallarbeit Schmerzen in den Schultern und dem Rücken bekommen habe.
Und was sagt ihr Mann dazu? „Der ist von Yoga genauso begeistert wie ich“, erzählt sie lachend. Täglich machen sie ihre Asanas – sogenannte Entspannungs- und Atemübungen – zum Krafttanken.
Die komplette Philosophie hat das Ehepaar in ihr Leben übernommen: Respekt haben vor allen Lebewesen und der Erde, auf der wir leben. Deswegen haben sich die Eisgrubers vor über 25 Jahren für biologische Landwirtschaft entschieden.
Früher selbst geschlachtet
Sie wollen den Boden nicht mit Spritzmitteln behandeln und halten ihre Tiere nach besten Bedingungen – selbst beim Schlachten. Bis zum Jahr 2011 hat der gelernte Metzger Sepp Eisgruber seine eigenen Rinder auch auf dem Hof geschlachtet.
Obwohl er die Tiere großgezogen hat, sieht der 61-Jährige das Schlachten recht pragmatisch. „Dafür sind die Tiere schließlich auf die Welt gekommen. Ich biete meinen Kühen ein schönes Leben. Ich weiß, dass es ihnen gut geht. Die moderne Massentierhaltung, das finde ich grausam. Im Akkord werden die Viecher geschlachtet, über weite Strecken gefahren, teilweise ohne Wasser und Nahrung. Da erledige ich das Schlachten lieber selbst.“
Mittlerweile hat er es wegen der Verschärfung der Schlachtverordnung aufgegeben. Er bringt seine Rinder nach Ramsau – zu einem EU-zertifizierten Schlachthaus. „Und ich bleibe bis zum Schluss bei meinem Tier.“
Gastwirtschaft aufgegeben
Bis vor wenigen Jahren hat die Familie noch die Traditionsgaststätte Josef Eisgruber betrieben. Als auch der jüngste Sohn das Nest verlassen hat, sah sich Mechthild gezwungen, die Gaststätte aufzugeben. „Es war eine schwere Entscheidung – besonders für Sepp. Seit 100 Jahren hat seine Familie die Gastwirtschaft geführt.“
Aber es war zu viel: die Landwirtschaft, Haushaltsführung, die Ferienwohnung und die Büroarbeiten – es ging nicht mehr. „Abends bin ich oft die Treppe auf allen Vieren hochgekrochen, weil ich nicht mehr laufen konnte.“
Seit der Aufgabe des Gasthauses ist es ruhiger geworden bei Familie Eisgruber. Alle vier Kinder sind aus dem Haus. Mechthild und Sepp kümmern sich meistens alleine um den Hof. Hier leben 30 Kühe, zwei Pferde, Hofhund, Katzen und Hühner.
Und was ist das Geheimnis des Ehepaares, das seit 33 Jahren glücklich verheiratet ist? „Wir lassen uns gegenseitig so wie wir sind. Und wir nehmen uns viel Zeit für uns,“ verrät die 57-Jährige, „ausgiebiges Frühstück nach der Stallarbeit, gemütliches Mittagessen und anschließend Yoga – immer gemeinsam, wenn es irgendwie geht.“