Waldkraiburg – Sie ist auf Johann Nepomuk geweiht, doch viele nennen sie einfach nur die „Holzkirche“. Der Name sagt alles – dieses Gotteshaus ist nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern ein Provisorium, das mittlerweile aber schon seit 50 Jahren Bestand hat.
Drei Stadtpfarreien in Waldkraiburg – heute kann man sich das angesichts schwindender Katholikenzahlen und großen Seelsorgermangels kaum noch vorstellen. Doch in den 1960er-Jahren gab es im Erzbischöflichen Ordinariat in München aufgrund des schnellen Wachstums der jungen Stadt die konkrete Planung, neben der Pfarrei Christkönig und der Kuratie und späteren Pfarrei Maria Schutzfrau Bayerns in Waldkraiburg-Süd, im Westen der Stadt eine dritte Pfarrei zu gründen. Dazu pachtete die Stadtpfarrei ein Grundstück, das bis heute der Stadt Waldkraiburg gehört.
Innerhalb weniger Tage entstand 1969 zwischen der Aussiger Straße, dem Veilchenweg und der Enzianstraße ein als Provisorium gedachter Holzbau als Gotteshaus. Es war geplant, dass dieses Gebäude nach vier bis sechs Jahren durch ein steinernes Bauwerk ersetzt werden sollte. Zuvor fanden schon Messen im Saal des Gasthauses Zappe statt, die von den Katholiken in Waldkraiburg-West gern besucht wurden. Aber vor allem aus Gründen des sich abzeichnenden Priestermangels, wollte man dann doch keine neue Pfarrei gründen. Bis heute ist die Kirche durch Bäume von außen wenig wahrnehmbar.
Ein Großteil der Ausstattungsgegenstände wurde von der katholischen Bunkerkirche überführt, die seit 1964 nicht mehr genutzt wurde. So befindet sich das 1951 von Lehrlingen des Jugendhilfswerks Waldwinkel gestaltete große Wandkreuz sowie die aus Ampfing stammende gotische Glocke, die schon im Flüchtlingslager die Gläubigen zum Gottesdienst rief, in der Holzkirche, ebenso auch die kunstvoll geschnitzten 14 Kreuzwegtafeln, eine Arbeit des Waldkraiburger, aus Schlesien stammenden Glaskuglermeisters Alfred Poppitz. Eine Orgel konnte aus dem Landshuter St.-Martins-Münster erworben werden.
Am 21. September 1969 vollzog der Münchner Generalvikar Prälat Dr. Gerhard Gruber die feierliche Weihe. Als Kirchenpatron wählte man in Erinnerung an die sudetendeutsche Heimat vieler Waldkraiburger den böhmischen Landesheiligen Johannes von Nepomuk.
Keine Erinnerung
im Gotteshaus
An diesen Kirchenpatron erinnert in dem Gotteshaus nichts. Bis heute besitzt die Kirche weder eine Figur oder eine Abbildung des auch in Bayern recht bekannten Heiligen. Auch der kirchliche Gedenktag, der 16. Mai, wird nicht gefeiert.
Vor einigen Jahren waren ernsthafte Überlegungen in der Diskussion, die Kirche ganz aufzugeben. Aber es finden nach wie vor Gottesdienste statt. Die Mitglieder der rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde, die aus der ganzen Region stammen, versammelten sich von 2011 bis 2017 regelmäßig zu Gottesdiensten in der „Holzkirche“, der sie selbst den Patronatsnamen Allerheiligen gaben, da in Rumänien der heilige Johannes Nepomuk nicht verehrt wird.
Vor wenigen Monaten kam das Gelände, das der Stadt gehört, als möglicher Standort für eine weitere städtische Kindertagesstätte ins Gespräch. Die Kirchenverwaltung Christkönig hat im Juli ihre Bereitschaft erklärt, die Kirche aufzugeben, falls die Stadt diese Option zieht. Eine Entscheidung ist in dieser Sache aber noch nicht gefallen.